Geschichte:
Vor langer Zeit, in einer sehr finsteren Zeit, wo das Grauen herrschte, gab es überall Menschen, die in ihrem Herzen Liebe empfanden. Auch wenn sie nicht viel Hoffnung hatten, glaubten sie an ihr schönes Gefühl, dort im Herzen und im Bauch - wo das Gefühl so intensiv sein kann. Sie vertrauten der Liebe, an das Gute im Menschen und ihrem gegenüber...
Nicht desto trotz drehten sich viele Menschen in dieser Zeit um und schauten, ob ihnen jemanden folgte oder hinter ihnen Erzähltes falsch wiedergab.
Die Liebenden waren aus einem Dorf, wo einfache Menschen, die tags und nachts Kohle in den nahe gelegenen Steinbrüchen abbauten, wohnten. Was die Menschen in der Großstadt nur wenige Kilometer in Richtung der aufgehenden Sonne taten, machte ihnen wohl Sorge, aber sie konnten es nicht richtig begreifen.
In diesem Frühling 1942 schrieben sich zwei Liebende Briefe. Es ging wahrscheinlich um Gefühle der Sehnsucht, des Bauchkribbelns und um die nächste Verabredung. Informationen wurden nur angedeutet, denn Liebende haben so manche Geheimnisse miteinander.
Doch einer dieser Briefe wurde nicht nur von den Liebenden gelesen, Nein es waren nicht die Eltern, sondern...
1 .Station
„Liebe Anni! Entschuldige, (... mehr im Brief)
In dieser grauen dunklen Zeit gab es Mächte, die nicht an das Gute im Menschen glaubten. Sie lasen den Brief von den zwei Liebenden und verstanden die Worte falsch, denn die Mächtigen hatten Angst und glaubten viele Menschen sind böse, schlecht und nicht so viel Wert. So glaubten sie, dass die Liebenden aus dem kleinen Dorf etwas Schlechtes vorhatten und einen Mächtigen getötet hatten.
************************
Was würdet ihr heute machen, falls ihr einen Brief, Mail, SMS bekommen würdet, wo ihr glaubt es ist etwas passiert bzw. wisst jemand hat etwas getan?
************************
2. Station:
Zur Info:
Das Mädchen arbeitet in Schlan in einer Taschenlampenfabrik
Der verheiratete Geliebte wohnte in Lidice.
Der Fabrikbesitzer Pala kommt an diesen Brief seiner Angestellten. Er bekommt es mit der Angst zu tun und gibt den Brief an die Gendarmerie in Schlan weiter.
Später fand die Polizei und der Geheimdienste noch einen anderen Brief, wo der Geliebte schrieb, dass sich in seinem Dorf viele Fallschirmspringer, die direkt aus London gekommen seien, verborgen hielten.
******************
Was sind die Unterschiede zwischen Petzen, Verunglimpfen, Behauptungen oder Zivilcourage? Woran macht ihr es fest?
******************
3. Station: Falsch kombiniert
Während einige Menschen aus den beiden Dörfern der Liebenden ihre Felder bestellten, ihrer Arbeit nach gingen und sich abends davon ausruhten, oder die erste Frühlingssonne genossen wurde in der großen Hauptstadt über einen Ermordeten, der sehr wichtig war, gesprochen.
Bei der Polizei, aber insbesondere bei den grauen Mächten wurden Menschen verhört und mögliche Fakten zusammengetragen.
Der Taschenlampenfabrikant Pala sagte aus, dass er den Brief an Anna Maruscakova, welche am 3.6. 1942 nicht zur Arbeit kam, schon geöffnet in die Hände bekam. Nachdem er von dem Brief Kenntnis hatte, telefonierte mit der Gendarmeriestation in Slany, der er mitteilte, dass ihm ein sehr bedeutsamer Brief in die Hände kam und sie sich ihn abholen sollten. Wachtmeister Vybiral äußert über den Brief die Ansicht, dass es „um einen ganz gewöhnlichen Liebesbrief" ging, „den Nichteingeweihte selbstverständlich auch nicht ganz verstehen können". Pala sagte daraufhin angeblich: „Sie irren sich, ich glaube, dass dies einer der Angreifer [...] ist. Wenn Ihr ihn doch schon hättet, damit wir Ruhe haben."
******************
In welcher Situation habt ihr schon mal an Rache gedacht und konntet nicht schlafen, weilr ihr nachts an Gemeinheiten gegen die andere Person gedacht habt?
Wann und wo habt ihr schon mal Willkür erlebt oder mitbekommen? Kennt ihr politische Situationen, wo ähnliches gerade passiert?
******************
4. Station: Der Racheakt
Nach dem die grauen Mächte vor Ort, die Polizei und die Mächtigen in der fernen Hauptstadt einige Informationen zusammen hatten, aber leider nicht alle, wollten sie unbedingt etwas unternehmen, damit sie dem Volk zeigen konnten, das sie Mächtig sind. In der großen Hauptstadt beschlossen sie noch am selbem Tag zu handeln.
„Am 9.6. 1942, um 19:45 Uhr, teilt mir [...] K. H. Frank aus Berlin fernmündlich mit, dass auf Grund einer[...] Besprechung die Ortschaft Liditz folgendermaßen noch am gleichen
Tag zu behandeln ist:
1. Alle männlichen Erwachsenen sind zu erschießen,
2. Alle Frauen in ein Konzentrationslager zu überstellen,
3. Die Kinder zu sammeln und, soweit eindeutschungsfähig, an 'gute' Familien [...] zu geben. Der Rest wird einer anderen Erziehung zugeführt,
4. Die Ortschaft ist niederzubrennen und dem Erdboden gleichzumachen. Die Feuerwehr ist hierbei einzuschalten."
Rechne N 53.03. (xxxx -2017) E 008. 49. (yyyy -1978)
****************
An welchen Orten passieren in letzter Zeit Massaker gegen die Bevölkerung?
***************
5. Station: Fast das Ende:
Am Abend des 9. Juni 1942 umstellten geheime Polizeikräfte Lidice und blockierten alle Zufahrtswege. In der folgenden Nacht wurden die Dorfbewohner zusammengetrieben. Alle 172 Männer, die älter als 15 Jahre waren, wurden tags darauf erschossen.
Weitere neun Männer, die auswärts in der Nachtschicht in einem Kohlebergwerk arbeiteten, und sieben schwangere Frauen wurden nach Prag gebracht. Die Männer wurden dort erschossen, während die Frauen ihre Kinder gebären konnten.
Die verbleibenden 195 Frauen wurden in ein besonders brutales Gefängnis deportiert, wo 52 von ihnen ermordet wurden. Nachdem die sieben Schwangeren entbunden hatten, wurden sie von ihren Kindern getrennt und ebenfalls nach Ravensbrück deportiert.
Die 98 Kinder des Dorfes wurden in das Lager der „Umwandererzentrale Litzmannstadt“ gebracht und nach rassischen Kriterien ausgesondert. Dreizehn dieser Kinder wurden zur Germanisierung in ein Lebensborn-Heim gebracht. Die anderen Kinder wurden deportiert und dort vergast.
****************
Wo in Bremen und Umgebung gab es solche ähnlichen Vorfälle?
***************
Final: Der Neu-Anfang:
Schon wenige Wochen nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus beschloss die tschechoslowakische Regierung, ein neues Lidice aufzubauen. Viele Menschen haben zu diesem Aufbau beigetragen, vor allem Jugendliche aus der Tschechoslowakei und anderen Ländern der Welt. Eine neue Siedlung entstand und in ihr leben die Bewohner noch heute. Lidice lebt!
In dem Tal von Lidice liegt heut eine Gedenkstätte, die von einem großen Rosengarten umgeben ist, in dem Rosenstöcke aus 25 Ländern der Welt wachsen. 1955 wurde dieser „Rosengarten der Freundschaft” angepflanzt. So wurde die Rose zum Zeichen von Lidice – ein Zeichen der Liebe, die stärker ist als die Gewalt.
Lidice ist Programm. Programm für eine politische Bildungsarbeit, die sich der Begegnung und Solidarität, der Selbstbestimmung und Gerechtigkeit verschrieben hat. Die Bremer Jugendbildungsstätte LidiceHaus ist ein lebendiger Ort, in dem die Entwicklung und das Lernen von Demokratie und den Dialog mit und zwischen den Kulturen und Religionen mit seinen Chancen und Defiziten stattfinden.
Hinter der Bildungsstätte LidiceHaus ist auch ein Rosengarten als Solidarität durch ein internationales Jugendcamp entstanden.
****************************************************
Das Institut für Zeitgeschichte hat die komplette und historisch aufbereitete Gesichte in einem ihrer Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte aufgeschrieben.
=========================================
In Lidice :
Lidicke utrpeni / Suffering of Lidice
********************************************
English:
A love letter in wrong hands
*************************************************