Auszüge aus dem Tagebuch eines Kapitän
Montag den 06.01.1642
Mein Zweiter Tag an Bord des Küstenfischers“ Bounty 5“. Gestern Abend, der weiße Schaum von den brechenden Wellenköpfen legt sich schon mit Schaumstreifen in Windrichtung übers Wasser da wurde mir erst klar, was ich für einen Blödsinn gemacht habe mit dem heimlich an Bord schleichen. Nur gut, das mich der erste Schiffsoffizier so früh entdeckte, wir waren gerade mal 3 Std. auf See, aber zu spät zum Umkehren. So entschied der Kapitän, dass ich 4 Schläge auf den Hintern zu bekommen habe und die kleine Fahrt mitmachen müsste. Sie sollte ja nur 5 Tage dauern. Eine Koje zum Schlafen wurde mir auch zugewiesen. Ferner musste ich mich an Bord nützlich machen. Deckschrubben, die vier Netze mit ausbringen und in der Kombüse den Abwasch erledigen. Hätte nie gedacht das 5 Seemänner so viel Dreck machen und das es einen 14 Std. Tag gibt. Ich hörte nicht einmal die 4 Doppelschläge zum Wachwechsel, sondern schlief sofort ein.
Dienstag den 05.04.1652
Es ist mein erstes Kommando auf einem Walfangschiff. Die „Black Pearl 2“, eine Büse, war eines der älteren Schiffe in der Flotte. Die aber immer noch gut am Wind lief. Wir machten 4 Knoten und die mäßig bewegte See konnte dem Schiff nichts anhaben. Ihre Bauform vor allen durch ihr beachtliches Verhältnis von Länge zu Breite aus 4,5:1, gaben ihr die hohe Seetüchtigkeit, Manövrierfähigkeit und Geschwindigkeit. Einen großen Frachtraum für neun Wale gab es aus noch. Die Besatzung bestand aus 18 Mann. Mir als Kapitän, stand der erfahrene Steuermann Olaf Nielsen zur Seite. Für das Wohl der Mannschaft hatte ich einen neuen Koch den Smuts Peter angeworben. Auch der hatte sieben Jahre Erfahrung auf Walfängern und wusste was die Mannschaft braucht.
Mittwoch den 08.10.1662
Nach 13 Tagen auf See trafen wir endlich im Zielgebiet den Buchten (Baien) Spitzbergens ein. Hier war in einer Bucht unsere Stationen, von der aus wurde Küstenwalfang betrieben. An Land spürten wir kaum die schwache Brise des uns so fremden Kontinentes mit all seinen Gefahren. Alleine das Einfahren in diese Bucht benötigt höchste seemännische Erfahrung die ich mir im Laufe der letzten 10 Jahre erarbeitet hatte. Aber nichts desto trotz bin ich froh, dass mein langjähriger Steuermann Olaf Nielsen, der mittlerweile auch schon 52 Lenze auf dem Buckel hat, wieder mit an Bord ist. Wie sagte man schon immer: „ Geteiltes Leid ist halbes Leid“ aber letztlich bin ich der Kapitän und treffe die Endscheidungen. Während die Station von der 44 Köpfigen Mannschaft auf Vordermann gebracht wurde, gingen der erste Harpunist und ich auf den Hausberg und suchen die umliegenden Buchten mit dem Fernglas ab. Und siehe da, zwei Buchten nach Osten sahen wir das unverwechselbare Zeichen von ihnen: „ ihre Gischtwolke beim Ausatmen“. Wir waren wieder einmal richtig. Fünf Wale.
Donnerstag den 28.10.1677
Am heutigen Donnerstag war der große Tag für meinen Bruder und mich. Wir hatten unser Mutter am Sterbebett versprochen, etwas für unsere „Jakobikirche“ in Lübeck zu spenden. Zwei große Kronleuchter aus Messing sollten es sein. Auf dem Weg zur Kirche, um 7 Uhr, bemerkte ich dass die dicke Äste der Bäume sich bewegten und ein hörbares Pfeifen an Drahtseilen im Hafen zu vernehmen war, eine mystische Stimmung, so im halbdunkeln hier in Lübeck. In der Kirche angekommen war ich ergriffen vom Anblick des Altarraums. Der Pastor mit 6 Messdienern so kannte ich die Kirche nur zur Weihnachtsmesse. Auch der gesamte Kirchenrat mit seinen 7 Mitgliedern war samt ihrer Frauen in voller Tracht erschienen. Die Kirche war bis an auf den letzten Platz besetzt. Für uns hatte man die erste Reihe freigehalten. So fand meine Frau mit mir und unseren 5 Kinder Platz und auch mein Bruder mit seiner Familie, immerhin auch 9 Personen. Es war eine feierliche Messe mit Segnung der 2 großen Leuchter. Ansonsten war der Pastor wieder mal einer der Schnellsten auf und die Messefeier war nach gut 1 Stunden vorüber.
Freitag den 13.06.1692
Heute, endlich konnte ich mein neues Schiff die „Mayflower 1“ übernehmen. Es war wieder eine Büse die im Verhältnis 4,5:1 gebaut war. Die Takelage bestand aus 6 Rahsegeln am Großmast und 3 Gaffel am kleinen Besanmast (auch Treibermast), sowie einem langen Bugspriet mit Klüverbaum und bis zu 2 Vorsegel. Nur die größten Büsen wie meine „Mayflower“ waren Dreimaster und darauf war ich mächtig stolz. Die Überführungsfahrt von der Werft in Holland nach Lübeck stand unter keinen guten Zeichen. Sehr grobe See machten es mir und der Mannschaft nicht leicht.
Aber die „Mayflower 1“ ist ein solides Schiff und so trafen wir am frühen Nachmittag um 4 Uhr im Hafen von Lübeck ein. Meine Frau und zwei unsere Kinder erwarteten mich am Kai. Alles in Allen hat das Schiff seine Feuertaufe bestanden. Ich freue mich schon auf die erste Ausfahrt nach Spitzbergen.
Samstag den 09.07.1702
Dass dieses meine letzte Fahrt sein sollte, hatte ich nach dieser Nacht nicht gedacht. Die ganze Nacht hindurch hatten wir nur leicht bewegte See, das sollte sich aber in den Morgenstunden ändern, so dass wir nur mit 3 kleinen Segeln fahren konnten. Bei Sonnenaufgang, um 5Uhr, entdeckten die zwei Matrosen im Ausguck, dass uns am Heck eine Französische Fregatte klebte. Unsere Büse war einfach nicht schnell genug, auch unter Vollen Segeln, immerhin 14 an der Zahl, um sie Abzuschütteln. Nachmittags um 3Uhr gaben die Franzosen uns einen Warnschuss vor den Bug. Als Zeichen das ich Sie verstanden hatte lies ich alle Segel einholen. Die Franzmänner nahmen uns Quer und Gefangen. Ich musste mich und meine Mannschaft, 52 Mann für 8000 Reichstaler freikaufen. Dieses tat ich jedoch im Angesicht des Todes gerne.
Die oben angegebenen Koordinaten sind nicht das Finale.

Ihr sucht:
N 52° 08. Montag, Dienstag, Mittwoch
E 008° 44. Donnerstag, Freitag, Samstag