Über 110 Jahre stand der Name Schlossbräu für ein besonderes Bier vom Niederrhein. Als 1996 das Aus kam, saß der Schock tief.
Im Karneval gab es "Prinzensud", zur Fastenzeit das "Jubel-Bock" mit sieben Prozent, und als Spezialität des Hauses genossen Biertrinker weit über Schwalmtal hinaus "Schlossbräu Caramel". Über 110 Jahre produzierte die Schlossbrauerei in Waldniel Gerstensaft in Spitzenqualität – neben den besonderen Bieren Pils, Alt und Export. Das Brunnenwasser kam aus 110 Meter Tiefe, und Kenner lobten die Reinheit des Wassers, mit dem in Waldniel gebraut wurde.
Am 1. Mai 1880 hatte Heinrich Leven das Unternehmen ins Handelsregister eintragen lassen – als "Bayerische Exportbierbrauerei Heinrich Leven". Die Leven'sche Brautradition wird um etliche Jahre älter gewesen sein: Dokumente gingen in Kriegszeiten verloren, erhalten blieb aber im Schätzungsregister der Feuerversicherung von 1858 ein Hinweis auf den Bau eines neuen Brauhauses anstelle des alten.
Heinrich Leven, dessen Vater Johann Heinrich eine Gastwirtschaft mit Hausbrauerei unterhielt, ließ den Sohn in Bayern das Brauerhandwerk lernen. Mit einem neuen Brauverfahren und einem hellen Bier, nach bayerischer Art zubereitet, kehrte Heinrich Leven als 20-Jähriger nach Waldniel zurück und übernahm nach dem Tod des Vaters den elterlichen Betrieb.
Schloss Clee gab den Namen
1906 gab Leven der Firma den neuen Namen "Schloß-Brauerei" – der Überlieferung nach auch deshalb, weil er mit Eduard Roßbach, dessen Familie das der Brauerei schräg gegenüber gelegene Schloss Clee gehörte, eng befreundet war. Entscheidend für die Namensänderung sei aber die Tatsache gewesen, dass sich Exportbier in der Zwischenzeit überall in Deutschland durchgesetzt habe, wie es in der Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Schlossbrauerei heißt. Daneben fand Bier nach Pilsener Brauart immer mehr Freunde, und Leven wollte durch den Firmennamen nicht als Exportbrauer festgelegt werden.
Unter dem Namen "Schloß-Brauerei" wurden in den folgenden Jahrzehnten ober- und untergärige Biere produziert und vertrieben. Die Söhne Karl und Josef Leven unterstützten den Vater, der 1939 starb. Nach dem Tod von Josef Leven 1956 übernahm Karl Leven allein die Geschäfte, er starb 1970.
Danach übernahm ein Führungsteam das Unternehmen, das 1973 mit einem jährlichen Ausstoß von 100 000 Hektolitern zu den größten Brauereien am Niederrhein gehörte. In dieser Zeit wurde auch kräftig gefeiert: 1972 wurde der Gambrinus-Brunnen eingeweiht, aus dessen Hähnen bei Festen goldener Gerstensaft strömte. 1980 lud die Brauerei zum 100-jährigen Bestehen mehr als 10 000 Stammkunden zum Umtrunk in "ihre" Gaststätten ein.
In den 90er Jahren ging es bergab mit der Brauerei: Zwar entwickelte man Spezialitäten wie das "Jubel-Bock" und ein Festbier für den Advent, doch 1993 werden 9 von 47 Mitarbeitern entlassen. Im gleichen Jahr investiert das Unternehmen 3,5 Millionen Mark in eine neue Abfüllanlage, die Gewinne von 1990 und 1991 jedoch kann die Firma nicht mehr erzielen. 1994 müssen 15 von 38 Mitarbeitern gehen, 1996 verkauft die Schlossbrauerei die Belieferung für rund 150 Vertragsgaststätten im Kreis Viersen, Mönchengladbach und im Aachener Raum an Diebels aus Issum. Im Februar 1996 wird bekannt, dass das Ende der Schlossbrauerei besiegelt ist: Sie schließt im Juni 1996 ihre Pforten für immer.