Carl Laemmle
Carl Laemmle wurde im oberschwäbischen Laupheim als Sohn eines jüdischen Viehhändlers in einem Wohnhaus in der Radstraße geboren. In Laupheim gab es seit 1724 eine jüdische Gemeinde. Laemmle absolvierte eine Lehre als Kaufmann. Am 28. Januar 1884 wanderte er zusammen mit seinem Schulfreund Leopold Hirschfeld im Alter von 17 Jahren in die USA aus. Am 13. Februar 1884 erreichte er mit dem Auswandererschiff „Neckar“ New York. Seine erste Stelle war die eines Laufburschen für einen Drugstore. Kurze Zeit später zog er nach Chicago, wo sein älterer Bruder Joseph wohnte.
Laemmle wurde Geschäftsführer einer Textilfirma in Oshkosh (Wisconsin), einer Stadt mit einer großen deutschsprachigen Minderheit. 1906 machte er sich in Chicago selbständig und investierte sein Geld in ein 5-Cent-Filmtheater. Das Geschäft boomte und innerhalb kürzester Zeit gehörten ihm 50 Kinos. 1910 gründete Laemmle seine erste Filmfirma, die Independent Motion Picture Company, der späteren Universal Motion Picture Manufacturing Company also der heutigen Universal Studios. Er gehörte damals zu den so genannten Independents, also den Filmproduzenten, die sich dem Monopol der Motion Picture Patents Company widersetzten. Er verlegte seinen Produktionsort von der Ost- an die Westküste der USA. In Kalifornien waren die Löhne niedriger und das Wetter besser, was mehr Drehtage in kürzerer Zeit ermöglichte. In einer ausgestorbenen Gegend bei Los Angeles, heute als Hollywood bekannt, kaufte Laemmle eine 170 Hektar große Hühnerfarm und errichtet die Universal Studios.
Carl Laemmle und Laupheim
Laemmle blieb zeit seines Lebens mit Laupheim verbunden. Nach dem ersten Weltkrieg besuchte er während häufiger Europareisen des Öfteren seine Geburtsstadt. Als erfolgreicher Geschäftsmann nutzte er diese Besuche, um Laupheim finanziell zu unterstützen. Im Laufe der zwanziger Jahre spendete Laemmle große Beträge sowohl der Stadt Laupheim, der jüdischen Gemeinde als auch einzelnen Bürgern. Die ihm 1919 verliehene Ehrenbürgerwürde wurde auf Grund einer Anfrage der politischen Rechten im württembergischen Landtag und einer darauffolgenden Bekanntmachung des württembergischen Innenministeriums, dass ausländische Staatsbürger keine Ehrenbürger werden könnten (Laemmle war mittlerweile amerikanischer Staatsbürger), schon 1921 außer Wirkung gesetzt. Einige Jahre später wurde eine Straße nach ihm benannt.
Mit der Machtergreifung der Nazis änderte sich die Einstellung Laemmle gegenüber. Die Stimmung gegen Laemmle kippte aber bereits 1930, als ihm für seinen Film Im Westen nichts Neues am 5. November 1930 im Ambassador Hotel in Los Angeles der Oscar in der Kategorie Bester Film verliehen wurde. 36 Tage später wurde der Film in Deutschland verboten. Der Völkische Beobachter hetzte gegen den "Filmjuden" Laemmle. Das Straßenschild mit seinem Namen wurde im Juni 1933 entfernt, die Straße in Schlageter-Straße umbenannt. Laemmle durfte nicht mehr nach Deutschland einreisen.
Laemmle als Retter vieler Juden
Laemmle unternahm viel, um den bedrängten, entrechteten Juden in Deutschland zu helfen. Er übernahm von 1936 an über 300 Bürgschaften für jüdische Familien aus Laupheim, Nürnberg, Berlin und anderen Städten so genannte Affidavits, das heißt, die Garantie eines amerikanischen Staatsbürgers, notfalls die Versorgung des Flüchtlings zu übernehmen. Damit bewahrte er viele Menschen vor dem Nazi-Terror und dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern. Heute gibt es in Laupheim viele Einrichtungen, die an den Ehrenbürger Carl Laemmle erinnern, zum Beispiel das Carl-Laemmle-Gymnasium, der Carl-Laemmle-Platz mit Brunnen in der Rabenstraße, das Geburtshaus in der Radstraße und das Museum zur Geschichte von Christen und Juden im Schloss Großlaupheim. Dort sind ihm vier Ausstellungsräume und ein Mini-Kino gewidmet.
(aus: Wikipedia.de)