Pumpwerk Kettelerstraße Hier fließt Gochs Abwasser
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 30.10.2012
All das, was die Gocher so in den Schmutzwasserkanal schicken, fließt hier durch. Das Pumpwerk wird nun komplett neu gebaut. Hoch effektiv.
Großer Plan für das neue Pumpwerk: Gero Guntlisbergen (r.) und Harald Rodiek an der Kettelerstraße. Foto: Stade, Klaus-Dieter
Der Vergleich zu einem Eisberg drängt sich auf: Vieles sieht man oberirdisch - das meiste aber ist unsichtbar. Unter Wasser oder, wie in diesem Falle, unter der Erde. Dort unten, unsichtbar nach Fertigstellung des Gebäudes, hat die künftige Pumpstation für das Gocher Abwasser an der Kettelerstraße eine Grundfläche von stattlichen zwölf mal zehn Metern. Das Gebäude, das oberirdisch zu sehen sein wird, hat gerade mal die Ausmaße eines kleinen Einfamilienhauses. Geplant mit Pultdach, kostensparend.
Nur - die Fenster fehlen. Hier wohnt niemand, hier ist Technik. Kreiselpumpen werden im Neubau arbeiten, vier an der Zahl. So leistungsfähig, dass sie das gesamte Schmutzwasser des Gocher Innenstadtgebietes, aus Asperden und Hülm hochpumpen können. Bis zu 150 Liter pro Sekunde. Eine Kapazität, die auch ausreicht für größte "Wellen". Etwa die, die sich nach Ende eines Fußball-WM-Spiels ereignet, wenn alle gleichzeitig auf die Toilette gehen und abspülen. Dieses Fördervolumen ist technisch erforderlich um ein Aufstauen des Wassers aus dem Kanal über die Kanaldeckel zu verhindern. Der gesamte darunter liegende Kanalraum kann jedoch als Speichervolumen genutzt werden.
Nach 50 Jahren völlig veraltet: die alte Schneckenpumpe, die das Abwasser fördert. Die ganze Anlage (Fotos links) muss ersetzt werden. Foto: Stade, Klaus-Dieter
Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, nahm die akribische Planung des neuen Pumpwerkes in Anspruch. Teamleiter Gero Guntlisbergen und Projektingenieur Harald Rodiek von der Kanalbau Goch GmbH, einer Tochter der Stadt, die für den Abwasserbetrieb den Planungsprozess begleitet haben, freuen sich, dass im Winter die Bauarbeiten an der Kettelerstraße, etwa gegenüber der Hans-Böckler-Straße, beginnen können.
Harald Rodiek: "50 Jahre ist das Pumpwerk alt, das dort steht. Es wird umgebaut und energetisch optimiert." Darum, so Gero Guntlisbergen, habe man den Neubau konzipiert und vorbereitet. Für die Fachleute viel spannende Arbeit - die halt nur alle 50 Jahre vorkommt. Statt Schnecken-, gibt es Kreiselpumpen, vier an der Zahl, die nur in Ausnahmefällen (Fußballländerspiel) alle gleichzeitig laufen. Die Anlage ist so geplant, dass in der Regel nur ein Teil der besagten Pumpen läuft und immer Reserve für besonders große Schmutzwassermengen da ist.
Gepumpt werden müsse, erläutert Guntlisbergen, weil der Kanal hier, "am Ende", sprich, kurz vor der nahen Kläranlage, deutlich tiefer liegt als besagte Reinigungsanlage. Dies resultiert aus der enormen Leitungslänge von rund 160 km im Stadtgebiet Goch und der erforderlichen Unterquerung der Niers, da das Schmutzwasser ja von beiden Niersseiten zugeleitet wird. Ein Höhenunterschied von mehr als vier Metern muss überwunden werden, damit das Schmutzwasser problemlos der Kläranlage zugeführt werden kann. Schwere Arbeit, die die Pumpen leisten. Sparsamer, effektiver als die großen alten Schneckenpumpen. Und künftig ohne Geruchsbelästigung der Anlieger, wie es sie derzeit manchmal gibt.
Das neue Pumpwerk wird neben dem Vorhandenen gebaut. Ist es fertig, kann die alte Anlage (oberirdisch) abgerissen, die Fläche durchgängig begrünt werden. Im zweiten Bauabschnitt wird neben dem neuen Pumpwerk - Umweltschutzvorschriften machen es erforderlich - ein großes Regenklärbecken gebaut. Das gesamte Oberflächenwasser aus weiten Teilen des Gocher Stadtgebiets fließt hindurch. Vereinfacht gesagt: kreisförmig. Schwebstoffe, die sich im Wasser befinden, setzen sich dabei auf dem Boden des großen Beckens ab, bevor das Regenwasser, so gereinigt, der Niers zugeführt wird.
Regenwasser reinigen? Ist das nötig? Ja, erklären die beiden Fachleute, das sei nötig und obendrein auch gesetzlich vorgeschrieben. Denn: Dieses Oberflächen-, sprich, Regenwasser stamme ja nicht nur aus privaten Vorgärten, sondern auch von Straßen, Plätzen, von den versiegelten Flächen auf Industrie- und Gewerbeflächen. Und so könne es verunreinigt sein und müsse gereinigt werden, bevor man es in die Niers leiten könne. Alles, was sich dann an Sedimenten am Boden absetzt, wird wiederum dem neuen Pumpwerk zugeführt und landet dann in der nahen Kläranlage, um gereinigt zu werden.
Etwa 900 000 Euro muss die Kanalbau Goch GmbH als hundertprozentige Tochter der Stadt Goch im ersten Bauabschnitt für die Pumpstation ausgeben. 920 000 Euro kostet dann ca. die neue Regenwasserbehandlungsanlage. Viel Geld, das da für den Umweltschutz investiert werden muss. Aber eine Ausgabe, die sich rechnen wird. Weil sie auf Jahrzehnte die ordnungsgemäße Entsorgung der Gocher Abwässer sichert. Und weil es, sorgsam geplant, effektiv und auch energetisch optimiert arbeiten wird.
Quelle: RP