Eine Einleitung zur Rühler Bimmel und Informationen zur Geocache-Serie "Rühler Bimmel" befinden sich im Listing des Geocaches "Rühler Bimmel - Bonus" (GC44NCZ).

Bild 1: Empfangsgebäude und Bahnsteig
Der Bahnhof Ruhla
Endstation der Rühler Bimmel war der Kopfbahnhof Ruhla. Er lag am nördlichen Ende und somit unterhalb der Stadt zwischen der Industrieansiedlung des damaligen Metall- und Uhrenwerkes Thiel und den Wohnhäusern an der Alexandrastraße – heute „Am Wasserfall“. Diese Gegend wurde auch Bahnhofvorstadt genannt.
Alte Karten des Stadtarchivs Ruhla verraten, dass der sich hier früher dahinschlängelnde Erbstrom bei der Erschließung auf die Südostseite der Bahnhofsfläche verlegt und begradigt wurde. 1911 bis 1913 erfolgte der Ausbau des Bahnhofs mit neuem Lokomotivschuppen, Kohleschuppen, Bahnsteigverlängerung und (vermutlich) der Vergrößerung des Empfangsgebäudes. Der Fluss wurde dabei noch einmal verschoben und in eine 2,50 Meter hohe Betonrinne gezwängt. Dass diese nicht ausreichte, zeigen die zahlreichen Überschwemmungen des Bahnhofsgeländes. Heute ist der Erbstrom in diesem Abschnitt komplett kanalisiert.

Bild 2: Die steile Zufahrt von unten gesehen.
Links im Bild der Lokschuppen.

Bild 3: Ausfahrt aus dem Bahnhof.
Das Gebäude beherbergte die zwei Wartesäle für die II. und III. Klasse, eine Gastronomie, eine „Kammer für den Restaurateur im Obergeschoss“ (alte Bezeichnung für den Wirt) und die Dienstzimmer für das Bahnpersonal. Es war das größte und mit reichlich Schnitzwerk an den Balkenköpfen und Sparren versehene Bahnhofsgebäude der Rühler Bimmel.
Übrigens: eine I. Klasse gab es auf der Strecke nicht, zeitweilig gab es aber Wagen der IV. Klasse.

Bild 4: Kurz vor dem Abriss.

Bild 5: Von der Straßenseite aus.
Die obenstehenden Aufnahmen zeigen das Ruhlaer Bahnhofsgebäude kurz vor seinem Abriss im November 1997. Auf dem ersten Foto ist im Hintergrund die Tankstelle (gelb, heute grün) zu erkennen, auf dem Zweiten erfolgt der Blick aus Richtung des Wegpunktes "Bahnhof Ruhla - Überblick".
Das Gelände wurde bis dahin als Busbahnhof genutzt. Das Gebäude war allerdings schon sehr baufällig und nicht mehr zugänglich. Heute befindet sich eine Firma für Elektroanlagenbau an dieser Stelle.
Gleisplan

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Streckenerweiterungen
Laut Archivdokumenten wurde 1906 ein Entwurf bzw. Antrag für einen Gleisanschluss der oberhalb des Bahnhofes gelegenen Uhren- und Maschinenfabrik Gebrüder Thiel eingereicht, der eine Weiterführung der Gleise bis auf das Fabrikgelände beabsichtigte. Dieser wurde aber wieder ohne Angabe von Gründen zurückgezogen.
Auch gab es immer wieder Phantasien oder wenig konkrete Pläne, die Strecke bis nach Bad Liebenstein weiter zu führen, oder an eine ebenfalls nur ausgedachte Verbindung von Friedrichroda über Tabarz und Winterstein in das südthüringer Gebiet führende Strecke anzuschließen. Man befand sich ja im Eisenbahnzeitalter – heute würde man sagen „im Eisenbahn-Hype“. Wirtschaftliche Aspekte, geografische Gegebenheiten (Steigungen, Tunnel?) und nicht zuletzt die beiden Weltkriege ließen solche Ideen wieder platzen.
Die Bachsteinsche Eisenbahnverwaltung hatte im ersten Weltkrieg nach ihrer Darstellung nicht einmal genug Personal und Material, um einen wegen häufigen Diebstählen geforderten Zaun um das Bahnhofsgelände zu bauen oder einen Zufahrtsweg zu befestigen. [Ruhla]
Kriegsgeschichte
"Da Ruhla aus der Luft betrachtet etwas versteckt im Tal eingeengt liegt und damals über einen Kopfbahnhof verfügte, war der Salonwagen von Compiégne, der Unterzeichnungsort der Waffenstillstände zwischen Deutschland und Frankreich, von Ende 1944 bis März 1945 in Ruhla versteckt und ständig bewacht." [Wikipedia]
Gitterweiche
Auf dem Gelände des Bahnhofes Ruhla gab bis 1956 es noch ein Kuriosum, dass mit dem starken Gefälle der Bahnstrecke gleich im Anschluss an den Bahnhof zusammen hing und nur auf wenigen anderen Nebenstrecken in Deutschland existierte: eine sogenannte Gitterweiche. Damit keine "entlaufenen" Wagen die Steilstrecke runter rollten, gab es eine Schutzweiche, die in der Normalstellung immer auf ein ebenes Gleis mit Prellbock (und/oder Sandbett) führte. Diese hier in Ruhla ließ sich erst für die reguläre Ausfahrt des Zuges umstellen, wenn sich der Weichensteller in eine Art Gitterkäfig einschloss. Und den konnte er erst dann wieder verlassen, wenn er die Weiche wieder in die Grund- bzw. Schutzstellung gebracht hatte. Ein einfacher und wirkungsvoller Sicherheitsmechanismus, der auch noch zur Belustigung der Fahrgäste diente.

Bild 6: Gitterweiche der Trusebahn
Bei der Suche nach einer Abbildung einer solchen Gitterweiche wurde ich in einem Eisenbahnforum auf ein Foto in dem Buch „Die Trusebahn“ von [Dietsch] hingewiesen. Am Bahnhof Herges-Vogtei gab es ebenfalls eine Schutz- bzw. Gitterweiche. Wie die Abbildung zeigt, handelt es sich eher um einen kleinen Bretterverschlag mit einer Eisengittertür, der über dem Weichenstellhebel stand, und nicht, wie häufig angenommen, um einen offenen Gitterkäfig.

Bild 7: Gitterweiche in Ruhla
Mit der Vorstellung von seinem ungefähren Aussehen konnte ich das Ruhlaer Gitterweichenhäuschen auf einem alten Foto in [Rockstuhl] ausfindig machen. Allerdings darf man sich nicht durch die Perspektive der Aufnahme täuschen lassen. Der Gepäckwagen steht auf einem erhöhten Abstellgleis. Deshalb wirkt das Häuschen an der nach unten führenden Bahnhofsausfahrt noch kleiner, als es ohnehin schon war.
Weitere Informationen und Zeitdokumente zur Rühler Bimmel gibt es jetzt auch unter www.rühlerbimmel.de
Zum Geocache
Den Geocache erreicht man am besten zu Fuß vom Bereich des ehemaligen Bahnhofsgeländes oder vom Wegpunkt "Bahnhof Ruhla - Überblick" aus über den Wegpunkt "Treppenaufgang zum Cache". Mit anderen Fortbewegungsmitteln geht es am Wegpunkt "Fahrweg zum Cache" scharf rechts (Wegpunkt-Note beachten).
Zum Öffnen des Caches wird ein Hilfsmittel benötigt! Ihr findet es in unmittelbarer Nähe zum Geocache. Es versteht sich von selbst, dass ihr es nach Verschließen des Caches wieder genau so dort platziert. Vielen Dank!
Sollte das Hilfsmittel nicht mehr auffindbar sein, probiert doch mal den Telefonjoker, den ihr am Cache findet.
Um an den Cachebehälter zu kommen, muss man eine Höhe von 1,60 m erreichen können.
Lasst euch von möglicher Weise länger anwesenden Garagenmuggeln in der Nachbarschaft und von Fenstermuggeln über der Tankstelle nicht abhalten. Sie sind von mir über euer Treiben informiert worden. Und wenn sie euch ansprechen: Mit dem Thema "Rühler Bimmel" trifft man bei den Ruhlaern fast immer auf Interesse.
Hinweis für Rollstuhlfahrer
Eine ursprünglich geplante T=1-Variante konnte wegen unlösbarer Abstandskonflikte leider nicht umgesetzt werden. Die Anfahrt des Geocaches mit dem Rollstuhl über den Wegpunkt "Fahrweg zum Cache" ist alleine meiner Meinung nach nicht möglich (zu steil, sehr uneben). Mit Unterstützung ist es eine kurze sportliche Herausforderung. Bitte Wegpunkt-Note beachten.
Für den Bonuscache
Wenn ihr beim Wegpunkt "Bahnhof Ruhla - Überblick" steht und euch umschaut, dann werdet ihr etwas „informatives“ sehen, dass sich an einer Stelle auch auf die Rühler Bimmel bezieht. Subtrahiert in diesem Absatz die erste von der zweiten Jahreszahl, und ihr erhaltet R.
Textquellen
[Rockstuhl] Rockstuhl, Harald: Die Geschichte der Ruhlaer Eisenbahn, „Rühler Bimmel“ 1880 – 1967; Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 1997, ISBN 3-929000-62-8
[Ruhla] Stadtarchiv, Stadtverwaltung Ruhla, Carl-Gareis-Straße 16, 99842 Ruhla
[Dietsch] Dietsch, Steffen: Die Trusebahn, Von der Feldbahn zur schmalspurigen Kleinbahn; in EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte: Band 10; EK-Verlag, Freiburg, 1996; ISBN 3-88255-421-5
[Wikipedia] Wikipedia, Ruhla, Geschichte, URL http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhla, abgerufen am 30.10.2012
Bildquellen
Bild 1, 2: Günter Meyer, Zwickau
Bild 3: Joachim Wollmert, Seebach
Bild 4, 5: Mario Kehl, Ruhla, Fotosammlung, ausgeliegend in der Gaststätte „Zum Landgrafen“ in Ruhla
Bild 6: K. Kieper
Bild 7: Sammlung Krettek, Ruhla
Mit freundlicher Genehmigung der Urheber bzw. Eigentümer.