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Bergische Sagen: Schnäppse und Bannsprüche Traditional Cache

Hidden : 2/2/2013
Difficulty:
1.5 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:

Hier im Bergischen erzählt man sich spannende Sagen und Legenden. Sie haben Gräueltaten, Zwerge, Geister oder geheimnisvolle Orte zum Inhalt. Die Cacheserie soll einige von ihnen zum Leben erwecken.

Schnäppse und Bannsprüche



Alle Neune hatte er geworfen und wieder war eine Runde fällig.

Davon hatten die acht jungen Lütterkuser schon so einige intus an diesem Sonntagnachmittag. Wie immer hatten sie sich zum Kegeln getroffen und beim Abräumen in der Wirtschaft "Vor dem Busch" einen ordentlichen Frühschoppen abgehalten. Ihr Anführer hieß Wilhelm und war nicht nur der bessere Kegler von allen, er kannte sich auch mit der seltenen Kunst des Festsetzens aus und war ohnehin für jeden Unsinn zu haben.

Hauptsache, die jungen Herren hatten Spaß. Am liebsten auf Kosten anderer. Der Fuhrmann, der nun an der Schänke hielt, kam den Burschen daher gerade recht. Bei den Lüttringhauser Bandwirkern hatte er Bänder und Stoffe geladen, um sie auf seinem Wagen ins Rheinische zu bringen. Doch der Sonntag war heiß, er und die Pferde hatten Durst. Also stieg der Mann vom Kutschbock und versorgte zunächst die beiden Tiere mit Wasser und etwas Heu, bevor er sich selbst in den Gastraum begab und dort ein Kipper und einen Frantzen bestellte.

Während er beides seine durstige Kehle herunterspülte, feixten die acht Burschen bereits hinter seinem Rücken. "Der wird Augen machen", machte einer seiner Vorfreude Luft und ein anderer prophezeite: "Der steht morgen früh noch hier." Schließlich hatte ihr Anführer Wilhelm ganze Arbeit geleistet und mit ein paar wenigen Bannsprüchen das Gespann festgesetzt. Als der Fuhrmann nun wieder den Kutschbock bestieg, mit der Zunge schnalzte und seine beiden Pferde zur Weiterfahrt antrieb, blieben die wie angwurzelt stehen. Keinen Meter bewegte sich der Wagen. Nun prusteten die acht Lüttringhauser los, die das Schauspiel von der Theke aus verfolgt hatten. "Jetzt kannst Du Deine Bänder selbst schleppen", riefen sie und lachten.


Der Fuhrmann griente. Schließlich war er selbst mal jung gewesen. "Jetzt habt ihr euren Spaß gehabt", sagte er den Jungen. "Ich gehe nun noch ein Kipper trinken. Wenn ich wieder auf den Bock steige, habt ihr euren Bann gelöst und ich kann weiterfahren. Tut ihr das nicht, dann lernt ihr mich von einer anderen Seite kennen." Doch die acht Burschen dachten nicht daran. "So ein Großmaul", sagte der Wilhelm stattdessen zu seinen Kegelbrüdern. "Da bin ich aber mal gespannt, was er gegen meine Kunst ausrichten will." Also nahm der Fuhrmann ein zweites Mal die Zügel in die Hand, doch wieder bewegten sich seine Pferde nicht voran. Auf der Kegelbahn, wohin sich die acht Burschen zurückgezogen hatten, brandete unterdessen neues Gelächter auf. Das Lachen sollte ihnen jedoch bald vergehen. Denn der Fuhrmann war ein reifer Mann, was man gemeinhin daran merkt, das einer nicht mehr angeben muss. Ein bisschen traurig öffnete er nun sein Taschenmesser und hieb es zwischen den Vorderbeinen des einen Pferdes in die Erde. Sofort war der Bann gelöst und der Fuhrmann zog mit den Bändern aus Lüttringhausen weiter ins Rheinische. Der großspurige Wilhelm aber lag im gleichen Augenblick in seinem Blut auf der Kegelbahn. Das Taschenmesser des Fuhrmannes steckte in seiner Brust. Auch er kannte sich nämlich aus mit der seltenen Kunst des Festsetzens.


Quelle: RGA


Der wahre Kern
Das Motiv vom Burschen, der mit magischen Kräften ein Fuhrwerk festsetzen kann, taucht in der bergischen Sagenwelt mehrfach auf. So gibt es den "Festsetzer" auch als "Gfrörer", der am Born ein Fuhrwerk "einfriert". "Das ist in der bergischen Mythologie ein ganz großes Thema", weiß Hans Hermann Krielke, einst Leiter der Restaurierungswerkstatt und heute ehrenamtlicher Mitarbeiter im Historischen Zentrum. Im Stadtarchiv sucht er nach dem wahren Kern der Geschichten. In der Borner Sagenvariante kommt der "Festsetzer" als Fremder daher, als "lockerer Bursche", der in der Kneipe bei Bier und Korn hockt und sich mit den hart arbeitenden Bauern des Bergischen Landes einen Streich erlaubt, indem er ihre Fuhrwerke blockiert. Natürlich siegt auch in dieser Geschichte das Gute. Wobei das Gute beziehungsweise der Gute stets der fleißige Einheimische ist, der über den faulen Fremden den Sieg davon trägt. Und zwar gewaltsam. So wird am Ende der "Gfrörer" am Born von einer Radspeiche erschlagen. Dass es in der heute erzählten Sage vom "festsetzenden Burschen" ein Lüttringhauser, also ein Guter aus dem Bergischen ist, der sich mit Hexenwerk auskennt und später in seinem Blute auf der Kegelbahn liegt, ist insofern untypisch, sagt Hans Krielke. Mit dem Bösen im Bunde zu stehen, unterstellte man nun einmal eher dem schweigsamen, unheilvollen Gast aus der Fremde. Doch die Xenophobie ist nur ein Aspekt, der in der überlieferten Geschichte deutlich wird. Auch die Angst vor der Zauberkunst schwingt mit. Was übrigens gar nicht mal ein Phänomen längst vergangener Tage ist. In Italien beispielsweise gibt es Regionen, da glauben die Menschen noch heute fest an den "bösen Blick".

Der Cache liegt im Naturschutzgebiet Diepmannsbachtal. Daher dürfen und brauchen die Wege nicht verlassen werden.

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