Im Jahre 1987 hat der Kanton Luzern als erster Schweizer Kanton die Notwendigkeit der Nutzung von Abwärme gesetzlich verankert. Damit wurde eine energiepolitisch bedeutende Entwicklung eingeleitet. Abwärme ist ein bis heute noch zu wenig genutztes, ökologisch hochwertiges Energiepotential und deren Nutzung ein Muss für eine nachhaltige Energieproduktion. Als innovative Antwort auf dieses Gesetz hat das Pilotprojekt Tropenhaus Ruswil (Kanton Luzern) 1999 mit einer Fläche von 1 500 m2 den Betrieb aufgenommen. Die Abwärme stammt aus der nahegelegenen Gasverdichtungsstation der Transitgas AG, welche in einer Pipeline Erdgas von der Nordsee nach Italien transportiert.
1998 wurde der Verein IG Abwärmenutzung Gasverdichterstation Ruswil (GVS) gegründet, mit dem Ziel, ein abwärmebeheiztes Gewächshaus für die Produktion von tropischen und subtropischen Nutzpflanzen zu projektieren und zu erstellen. Dieses Projekt wurde mit Geldern der regionalen Wirtschaftsförderung Regio+ maßgeblich unterstützt und 1999 realisiert. Erste Impluse zur Förderung der regionalen Wirtschaft konnten damit bereits verzeichnet werden.
Das 10-jährige Modell- und Entwicklungsprojekt bewies, dass das "Abfallprodukt Abwärme" gewinnbringend zur nachhaltigen Erzeugung von tropischen Produkten in der Schweiz genutzt werden kann. Die Produktion erfolgt ganzjährig – auch im Winter können Früchte mit hoher Qualität geerntet werden. Die lokal produzierten Papayas, Bananen, Sternfrüchte, Guaven, Mangos und Tilapias (tropischer Buntbarsch) aber auch Gewürze, Papaya- und Chilinudeln oder Papayahautcreme werden seither erfolgreich vermarktet. Durch die lokale Produktion können transportbedingte Umweltbelastungen vermieden und regionales Entwicklungspotential genutzt werden.
Das Tropenhaus Ruswil hat sich in dieser Zeit weit über die Region hinaus zur Tourismusattraktion entwickelt. Das Projekt lockte jährlich bis zu 10 000 Besucher und Besucherinnen in die "Tropen der Zentralschweiz". Aus dieser Erfahrung bestand nach Meinung der Betreiber auch ein grosses Interesse an weiteren Erlebnisangeboten. Das Tropenhaus Ruswil konnte jedoch dieser Marktlücke aus produktions- und sicherheitstechnischen Gründen nicht gerecht werden.
Mit einem neuen, das Tropenhaus Ruswil ergänzenden Erlebnisprojekt auf Wolhuser Boden sollte dieses Nachfragepotential erschlossen werden.
Der am 12. April 2001 gegründete Verein Regionales Warmwasserbad Wolhusen hatte zum Ziel, ein mit der Abwärme der GVS beheiztes Warmwasserbad mit tropischem Ambiente in Wolhusen zu realisieren. Ein dazu von MBA-Studenten der Universität St. Gallen verfasste Machbarkeitsstudie belegte allerdings die Realisierbarkeit eines solchen Unterfangens nur mit einem unverhältnismässig hohen Investitionsvolumen. Das Projekt in dieser Form wurde nicht weiter verfolgt.
Am 27. April 2007 wurde die Tropenhaus Wolhusen AG gegründet und im Handelsregister eingetragen. Sie übernahm am 10. Juli 2007 sämtliche Rechte und Pflichten des Vereins Tropenerlebnis Wolhusen Ruswil. Die Tropenhaus Wolhusen AG ist verantwortlich für Bau und Betrieb des neuen Tropenhaus in Wolhusen. Nachdem die Finanzierung zu einem grossen Teil sichergestellt werden konnte, hat der Verwaltungsrat grünes Licht für die Realisierung gegeben. Das Architekturbüro Schärli AG, Luzern, und der Gewächshausbauer Gysi, Baar ZG, wurden mit der Detailplanung beauftragt. Nach der Erteilung der Baubewilligung im Mai 2008 erfolgte am 26. Juni 2008 der Spatenstich für das Tropenhaus Wolhusen. Die Erschliessungsstrasse mitsamt allen Werkleitungen sowie der Parkplatz beim Spital sind mittlerweile erstellt worden. Der Platz für die Produktionsanlage wurde vorbereitet und das Fundament wurde Ende September 2008 betoniert. Inzwischen wurde das Gewächshaus fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben.
Das Erlebnishaus ging nach den letzten Feinabstimmungen des Projektes in die Detailplanung und Baubeginn war im Februar 2009. Inzwischen wurde die Hülle fertiggestellt und der Innenausbau vollendet. In der zweiten Januarwoche 2010 konnte mit der Bepflanzung begonnen werden. Dank der über 10 jährigen Vorlaufzeit mit dem Pilotprojekt konnten schon grosse Pflanzen in das Besucherhaus gezügelt werden. Das neue Tropenhaus Wolhusen öffnete am 21. März 2010 seine Tore.