Großer Herrgott bei Rapperath
Entdecken Sie am Ortsrand von Rapperath zwei kleine Kapellen inmitten einer mächtigen Baumgruppe. Über den Eingang der linken Kapelle ist die Jahreszahl 1735 eingeschnitzt.
Im inneren der Kapelle befindet sich eine Figur des Gekreuzigten, der einen im ersten Moment erschaudern lässt. Doch bei weiterem Hinsehen beeindruckt diese derbe Schnitzerei. Man sieht, dass das kein Werk
akademisch ausgebildeten Holzbildhauers ist, sondern eine eher derbe bäuerliche Arbeit. Dennoch ist es dem "Künstler" gelungen, das Leiden der Gekreuzigten treffen darzustellen. Das Werk ist ein Relikt
mittelalterlicher bäuerlichreligiöser Kunst des Hunsrücks.
Eine Besonderheit ist, dass der Körper des Gekreuzigten und das Keuz aus einem Baumstamm herausgearbeitet sind. Lediglich die Arme wurden eingefügt und am Querbalken befestigt. Die Gestalt ist in alten
Farben am ganzen Körper naturgetreu bemalt.
Als die Rapperather im Jahre 1800 zur Zeit der französischen Besatzung unter der Rinderpestlitten, gaben sie folgendes Versprechen ab:
"Zeit dem 14.Dezember, hat der Bürgermeister und der Vorsteher des Ortes Rapperath, einen Bittgang versprochen, bei das sogenannte helgen heysgen oder Grosser Herrgott, alle Jahre auf Maria Viktoria auf den
Sonntag ohne Unterlass gehalten. Dazudem haben sie auch eine pinnige Kerz von dem Bürgermeister oder einem Gemeindemitglied dahin soll getragen werden mit Verwilligung des Herrn Pastor. Dieses alles haben
wir beizequenten Zeiten versprochen."
Die Rapperather halten sich bis heute an dieses Gelübte und gehen alljährlich am Ostersonntag zum Grossen Herrgott, angeführt vom Ortsvorsteher mit der "pinnigen Kerz" (= pfundschwere Kerze).
-Text aus dem Morbacher Freizeitjournal 2013/2014
Da ich leichte Probleme hatte mit dem GPS einen sauberen Empfang zu erhalten, hier noch ein Tipp... Der Schatz liegt NICHT in den Kapellen, wahrt bitte die Ruhe und lasst dort alles an seinem Platz.