Das Gewann mit dem trostlosen Namen Verlorener Hau im Stadtwald in Gögglingen liegt tatsächlich ziemlich abseits. Doch in der Kapelle am Waldrand - kleines Kruzifix an der Wand, kitschige Plastik-Darstellung des Abendmahls auf der Ablage - brennt eine Kerze. Auch wenn also dort an der alten Gögglinger Straße nach Wiblingen heute praktisch nichts mehr los ist - die so genannte Maria-Eich-Kapelle ist nicht vergessen. Ein gutes Zeichen dafür ist kurioserweise auch, dass ihr Tafelbild fehlt.
Ende Januar ist dieses abgenommen worden, um restauriert zu werden, nachdem sich dafür eine edle Spenderin aus Gögglingen aufgetan hat, die nicht genannt sein will. Für den Förderkreis zur Erhaltung der Wiblinger Kleindenkmale, wie sie im Schatten des Klosters in Scharen aus dem Boden wuchsen, ist dies ein weiterer Schritt, diese Kleinode, die von der Geschichte des Ortes erzählen, für die Nachwelt zu sichern.
Die Maria-Eich-Kapelle, auch Bild-Eich-Kapelle genannt, hat eine 400-jährige Geschichte und steht an der Stelle einer alten Eiche, an der das Ölbild einst angebracht war - daher der Name. Restaurator Peter Rau vom Förderkreis zum Standort: "Da war früher täglich Betrieb." Heute gilt für das Gemälde: "Es ist die älteste Darstellung der Einsiedler-Madonna, die wir in Wiblingen im Bild haben." Abgesehen von der Statue, die in der 1811 abgerissenen Einsiedler-Kapelle stand und heute in der Klosterkirche zu finden ist.
Die Bildtafel erzählt auf der Rückseite ihrerseits eine Geschichte und erinnert damit an ein älteres Bild, das "von den Franken" verbrannt wurde, den Franzosen also, "die im Mai 1800 hier ein Lager hatten". Im Winter 1802 wurde dann das jetzige Bild als Ersatz nach dem Vorbild der berühmten Original-Madonna vom Kloster Einsiedeln eingesetzt.
1881 ist es schon mal restauriert worden und 1912 wieder. Jetzt rechnet Rau dafür mit 3000 Euro Kosten. Kamila Markow hat mit den Voruntersuchungen begonnen und erkundet die Malschichten im Atelier in Staig, das sie von Rau übernommen hat. Brandspuren sind auf dem Rahmen zu sehen, Farbe ist geschmolzen, Reste von Schrotkugeln stecken drin. Rau, ohne irgend einem Schützen zu nahe treten zu wollen: "Da hat wohl ein Jäger bei der Treibjagd danebengeschossen. . ."
Nach Reinigung und Retusche der Fehlstellen wandert das Bild in die Kapelle zurück. Statt des Gitters gibt es dann eine Schutzverglasung. Eine Rolle spielt auch die Gestaltung des nahen Umfelds. Rau: "Wenig Sonne", damit die Farben nicht ausbleichen, "aber auch nicht zu feucht", damit das Bild nicht leidet.
So kann der Verlorene Hau letztlich wieder ein gewinnbringendes Plätzchen werden. Zwei Bänke zur Einkehr stehen schon da, das vor ein paar Jahren gepflanzte Bäumchen trug zuletzt vier Äpfel, und für den Förderkreis wäre wieder ein Stück auf dem Weg zu einem Wiblinger Kapellen-Pfad zurückgelegt.