Das „Wunderding” ist ein großer Kasten, der an Drahtseilen mitten über Straßenkreuzungen hing. Er regelte als „Zeiger-Ampel” den Verkehr. Sein Erfinder ist Josef Heuer, der von 1912 bis 1948 als Inhaber in zweiter Generation das Unternehmen „Heuer-Hammer” führte. Mit vielen Patenten, vor allem im Bergbau, hatte er als Tüftler mit Weitsicht von sich reden gemacht. Seine bedeutsamste Erfindung dürfte die Heuer-Ampel gewesen sein
Von den späten 30er bis in die frühen 70er Jahre des 20. Jahrhunderts gehörten Heuer-Ampeln vielerorts zum Straßenbild. Nicht nur in deutschen Städten, auch in den Niederlanden, in Frankreich, Belgien und Australien regelten sie den Verkehr.
Heuer-Ampeln waren große würfelförmige, von innen beleuchtete Kästen. Auf allen vier Seiten war von weitem eine Runde Scheibe mit roten und grünen Segmenten zu sehen. Auf dieser Scheibe sah man einen weißen Zeiger, der sich wie bei einer Uhr rechtsherum drehte. Zeigten die Zeigerspitzen auf grün, war die Fahrtrichtung für Autos freigegeben, bei Rot gesperrt.
Besonders pfiffig: Wenn die Heuer-Ampel grün zeigte, stand der Zeiger, der in Wirklichkeit nur eine Aussparung in einer schwarzen Scheibe war, senkrecht. So wurde die Silhouette eines Polizisten angedeutet, der mit ausgestrecktem Arm den Verkehr regelt. Genauso klar war die Symbolik bei Rot. Und so war die Ampel auch für Farbenblinde bestens geeignet. Und noch ein Vorteil der Errungenschaft: Da sich der Zeiger gleichmäßig weiterbewegte, konnte jeder Autofahrer prima ablesen, wie lange die Grün- oder Rotphase noch andauerte.
Die ebenso ausgefeilte wie einfache Funktionsweise der Ampel war beeindruckend: Eine eigene Gelbphase gab es nicht, dennoch war dafür gesorgt, dass zwischen Rot und Grün genügend Zeit für das Räumen der Kreuzung blieb. Das geschah ganz einfach dadurch, dass die Rotphase etwas länger dauerte als die Grünphase: So war in beiden Richtungen einer Kreuzung „deckungsgleich” eine Zeitlang Rot.
Die Gefahr falsch laufender Zeiger konnte so gut wie ausgeschlossen werden, da alle vier Scheiben von ein und demselben Mechanismus synchron gesteuert wurden. Die Ampel war überdies durch ein Federwerk vor Auswirkungen bei Stromausfall gefeit und konnte sogar leicht per Hand gesteuert werden.
Trotz all dieser Vorteile gelang es der Heuer-Ampel nicht, sich gegen die modernen Rot-Gelb-Grün-Lichtzeichenanlagen durchzusetzen. Wegen der hohen Herstellungs- und Wartungskosten wurde sie immer unwirtschaftlicher. Vor allem aber erwies sie sich als zu unflexibel. Die Heuer-Ampel war ursprünglich starr auf den Autoverkehr auf rechtwinkligen Kreuzungen mit vier Zufahrtstraßen ausgerichtet. Die Berücksichtigung von mehr als vier sternförmig zusammenfließenden Straßen war problematisch.
Obwohl Josef Heuers Erfindung später nachgebessert und weiterentwickelt wurde, kam 1972 das endgültige Aus. Mit der neuen Straßenverkehrsordnung waren Zeiger-Ampeln nicht mehr zulässig.
In Coburg gab es auch zwei dieser Ampeln, die bekannteste an der Kreuzung
Mohrenstrasse / Hindenburgstrasse
und die andere an dieser Kreuzung:
Doch um welche Kreuzung handelt es sich hierbei?
Findet heraus, über welcher Kreuzung die Coburger Heuerampel noch hing!
Begebt euch zu dieser Kreuzung, findet den Schaltschrank der heutigen Lichtsignalanlage
und peilt von dort aus
37 Meter in Richtung 177°
um die Dose mit dem Logbuch zu finden!
Bitte an der Kreuzung auf den laufenden Verkehr achten und besonders Kinder hier nicht unbeobachtet lassen!
