Schwarzer Rabe - Jakobs Rache
Es regnete, als Rolf Krause den Dienst-Mercedes seines Chefs, in der Alfred-Döblin-Straße in München-Neuperlach parkte. Sein Chef, Norbert Ochs, Vizepräsident des BND und ehemaliger Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, stieg aus und wies ihn an, zu warten und die Augen offen zu halten. Was war das denn für ein Befehl? Natürlich würde er die Augen offen halten. Er war nicht nur Chauffeur, sondern in erster Linie Personenschützer. Die ganze Fahrt hier her hatte er ständig den Verkehr hinter sich im Auge behalten. Rolf, der Typ Mann, mit dem man keinen Streit anfängt, zwei Meter groß, breitschultrig, blond und der immer, auch in der Nacht, eine Sonnenbrille trägt, wunderte sich nicht schlecht, was sein Chef hier in dieser Gegend suchte. Wer hier wohnt, der hat irgendwann die richtige Ausfahrt verpasst. Doch er stellte keine Fragen.
Norbert Ochs betrat den Eingang des herunter gekommenen Hochhauses. Das Treppenhaus war verdreckt und es roch nach Urin. Die Scheibe der Eingangstür war eingetreten und… der Fahrstuhl war defekt. „Mist“, dachte er sich. „also zu Fuß, toll“ Elf Stockwerke höher und völlig außer Atem, gab er an der Wohnungstür mit der Aufschrift „Müller“ das vereinbarte Klopfzeichen:
ooo-ooo / o-ooooo oo-oooo / ooo-ooooo o-ooo oooo-oooo / o-o o-ooo / o-oooo oooo-oo / ooo-ooo o-ooooo
ooo-oooo / ooooo-o oo-oooo / ooo-ooooo o-ooo oooo-oooo / oooo-ooo o-ooooo / o-o o-ooo / ooo-ooo o-ooooo
Es wurde geöffnet und Ochs betrat die Wohnung, deren Existenz nur ihm und dem jetzigen Bewohner bekannt war. Wie geht es ihrem Arm?“ fragte Ochs und setzte sich auf das durchgesessene Kissen der Wohnzimmergarnitur. „Besser. War ein glatter Durchschuss“ antwortete… Jakob Binder. „Und die blauen Flecken auf meiner Brust, von den Projektilen aus Sergej Assamovs Makarov, sind über grün und gelb jetzt auch fast verschwunden.“ Normalerweise hasste Jakob schusssichere Westen. Doch die nur 1,65 kg schwere und 6,5 mm dicke Weste aus wasserfestem Cordura der Firma PPSS und die Tatsache, dass Sergej in Bremen keine Zeit blieb, genauer zu zielen, rettete Jakob das Leben.
„Was gibt es Neues, wann kann ich endlich dieses Rattenloch verlassen und mich wieder auf die Spur der Assamov heften?“ „Immer mit der Ruhe“, antwortete Ochs. „Der gestohlene Mikrofilm ist inzwischen von den Agenten WS, ISG und B17 sichergestellt worden. Zwei Spießgesellen der Assamovs starben in Bremen, ein Dritter konnte verhaftet werden. Leider ist uns Sergej durch die Lappen gegangen und wir kennen immer noch nicht die wahre Identität der Nr.1 im Assamov-Clan.“ Jakob ging zum Barfach des geschmacklosen Wohnzimmerschrankes und schenkte sich ein Glas Single Malt Whiskey ein. „Was ist mit dem Kerl, den ihr in Bremen kassiert habt?“ fragte Jakob. „Naja“ antwortete Ochs, „den haben wir natürlich… wie soll ich sagen, intensiv verhört. Der Bastard heißt Dimitrij und gehört wahrscheinlich zum engeren Kreis der Assamovs. Das Einzige, was wir aus ihm heraus bekommen haben ist, dass der Chef des Assamov-Clans wohl als „Schwarzer Rabe“ bekannt ist und dass er in der Nähe von Achim bei Bremen ein Gelände für ein geheimes Waffendepot sucht. Seit Jahren wissen wir, dass eine Gruppe hochwertige, deutsche Waffentechnologie an Schurkenstaaten verkauft. Jetzt sind wir sicher, dass der „Schwarze Rabe“ dahinter steckt. Als wir die Verhörmethoden ein wenig intensiviert haben, rückte er mit den Fragmenten einer Koordinate für das Waffendepot heraus:
N 5 3 ° 0 1. v w 9 E 0 9 ° 0 x. y z 2
„Ich werde mir den Chef holen, doch erst kümmere ich mich um Sergej. Ich tu‘s für mich und für Julia. Das Schwein wird sterben.“ brauste Jakob auf. Ochs stand auf. „Jakob, sie bleiben vorerst in dieser Wohnung und rühren sich nicht. Das ist ein Befehl. Sie und ich sind die Einzigen, die wissen, dass auf dem Israelitischen Friedhof in München ein leerer Sarg unter ihrem Grabstein liegt. Die Grabrede von Dr. Eissler war übrigens herzerweichend. Sie wären begeistert gewesen.“ Norbert Ochs klopfte seinem besten Mann auf die Schulter. „Kopf hoch Binder, wir machen das schon. Ruhen sie sich noch ein wenig aus und vor Allem: rasieren sie sich mal wieder.“ Dann war Norbert Ochs gegangen. Jakob schenkte sich ein zweites Glas Whiskey ein und blickte aus dem Fenster, auf die nächtliche Skyline von München. „Sergej Assamov, irgendwo da draußen steckst du. Ich werde dich finden. Und wenn ich dich habe, dann lasse ich mir sehr viel Zeit.“
Nach einer schlaflosen Nacht, stieg Jakob aus dem Bett. Sein Entschluss war gefasst. Sein Vollbart und die längeren Haare, dazu eine Brille mit Fensterglas, würden dafür sorgen, dass niemand ihn erkennen würde. Er ging auf die Straße und nahm ein Taxi zum Hauptbahnhof. Von da aus ging es weiter mit der S8 Richtung Flugplatz Franz-Joseph-Strauß. Zwei Stationen vorher, in Ismaningen, stieg er aus und ging zu Fuß in ein Waldstück an der Oberen Isarau. Sofort fand er die alte Eiche, unter deren Wurzel er eines seiner Notfall-Depots eingerichtet hatte. Irgendwann müsste er mal einen neuen Platz für sein Münchener Depot finden. Dieses hier, lag gefährlich nahe an dem Geocache GC30R2D „Isar Bike Series #1“ und er wollte vermeiden, dass irgendwelche Spinner mit GPS-Gerät, zufällig sein Versteck fänden. Er öffnete die wasserdichte Munitionsbox und entnahm ein Prepaid-Handy und einen falschen Pass, in den er geschickt das Foto einfügte, das er eben im Hauptbahnhof gemacht hatte. Außerdem noch einen ausreichend großen Betrag Bargeld. Eine Waffe würde Jakob sich aus seinem Depot bei Hamburg holen. Er fuhr die restlichen zwei Stationen zum Flughafen und buchte einen Flug nach Hamburg und bei Sixt eine Mercedes M-Klasse AMG 63, die dort für ihn bereit stehen würde.
Zanetti viel aus allen Wolken, als er auf die Fassade des „Hotel Hongkong“ am Hamburger Berg, St. Pauli zuging. Die Stellung der Jalousien im rechten Zimmer des dritten Stockwerkes signalisierte, dass Jakob ihn sprechen wollte. Aber Jakob war tot.
Schritte auf dem Gang. Jakob zog seine Glock 17 aus dem Halfter und da war sie wieder, diese seltsame, Furcht einflößende Faszination, die von dem dumpfen Klicken des Schlittens ausgeht, mit dem die 9mm-Pistole mitteilt, dass sie für den ersten Schuss bereit ist. Das Klopfzeichen identifizierte den Mann auf der anderen Seite der Tür eindeutig: Zanetti. Jakob entspannte sich und seine Waffe. Dann öffnete er die Tür. „Binder, die Assamovs feiern ihren Tod.“ sprach Zanetti. „Was ist passiert?“ „Eine lange Geschichte und keine Zeit sie zu erzählen.“ antwortete Jakob. „Ich will den Schwarzen Raben. Und ich will Sergej.“ Zanettis Stimme zitterte. „Ich muss vorsichtig sein. Sergej hat mitgekriegt, dass das Dokument kopiert wurde, das ich ihnen damals beschafft habe. Er weiß, dass im Clan ein Maulwurf ist. Aber er weiß nicht wer es ist.“ „Gib‘ mir alles was du an Informationen hast.“ Sprach Jakob. “Wenn ich hier fertig bin, dann brauchst du dir über die Assamovs keine Sorgen mehr zu machen.“ Zanetti schwitzte. „Sergej ist hier in Hamburg. Er hat ein Haus in Blankenese. Ich hab den Schaltplan der Alarmanlage abfotografiert.“ Zanetti holte sein Smartphone aus der Tasche. „Der Schwarze Rabe soll an der A27 eine geeignete Stelle für ein neues Waffendepot gefunden haben. Ich habe gehört, dass das Gelände sehr schwer zugänglich ist. Man spricht von 6, auf einer auf einer Skala von 1 bis 10! Um sein Depot unauffällig ans Stromnetz zu schließen, will er vorher die Stromversorgung sabotieren. An mehreren Orten, rund um das Gelände sollen Sprengsätze angebracht sein.“ „Okay“ sprach Jakob. „Hier ist meine Handynummer. Schick mir den Schaltplan und kontakte mich, wenn du noch etwas raus bekommst.“
Jakob saß in seiner M-Klasse in der Straße „Falkensteiner Ufer“ in Blankenese direkt gegenüber der Villa, die Sergej Assamov bewohnt und betrachtete den Schaltplan der Alarmanlage.

Das sollte kein Problem sein, dachte sich Jakob. Plötzlich setzte sich das schwere, eiserne Tor zu Sergejs Grundstück in Bewegung und gab den Weg frei für einen schwarzen Hummer H3. Am Steuer saß Sergej Assamov. Die Glatze und die tätowierten Oberarme ließen daran keinen Zweifel. Der getunte Motor brüllte laut auf, als die 325 Pferdestärken den Wagen beschleunigten und Sergej um die nächste Ecke, in den Falkentaler Weg bog. Die Luft war rein. Er huschte durch das sich schließende Tor und drang, nachdem er die Alarmanlage deaktiviert hatte, über die Terrassentür in die Villa ein.
Sergej hatte einen Verdacht. Nachdem er gründlich alle seine Männer unter die Lupe genommen hatte, und die Meisten schon wegen ihrer Blödheit ausschieden, war diese Möglichkeit die Wahrscheinlichste. Und das würde er jetzt sofort klären. Er parkte den Wagen im Vorhof des A & O Hotels, das direkt von der Reeperbahn zu erreichen war und stürmte, mit gezogener Waffe die Treppe hoch in den vierten Stock. Er trat die Tür zum Apartment 4B ein und mit drei großen Schritten war er bei dem Mann, der im zerrissenen Unterhemd vom Sofa aufsprang und dabei seine Dose Discounter-Bier verschüttete.
Mit angstgeweiteten Augen blickte Zanetti in die 9mm, im Durchmesser, große Mündung der Makarow IZ-70 von Sergej Assamov. „Boris hat dich heute Morgen aus dem Hongkong kommen sehen.“ schrie Sergej. Kleine Speicheltropfen spritzen in Zanettis Gesicht. „Wen hast du da getroffen?“ „N… niemanden.“ stotterte Zanetti. „ich hab‘ nur mit Marietta, der Barfrau, zwei, drei Bier gezischt.“ Auf dem Couchtisch lag ein Handy. Sergej griff danach. Ohne die Waffe von Zanettis schweißnasser Stirn zu nehmen, kontrollierte er die Anruflisten. Dann öffnete er den Postausgang im E-Mail App und fand den Schaltplan einer Alarmanlage. Sergej wusste ganz genau zu welchem Haus diese Anlage gehörte. Als er aus dem Hotel trat, musste er sich den Weg durch eine Traube Menschen bahnen, die um eine, in einer riesigen Blutlache liegenden Leiche stand. Im vierten Stock flatterte eine vergilbte Gardine durch eine zerbrochene Fensterscheibe im Wind. Sergej hätte sich gerne mehr Zeit für diesen verfluchten Verräter genommen, doch er musste nach Hause.

Jakob betrachtete gerade das Satellitenbild, das er im Papierkorb von Sergej Assamovs Arbeitszimmer fand, als sein Handy klingelte. Nur einer kannte diese Nummer. „Zanetti,“ flüsterte Jakob, „was willst du? Ich bin beschäftigt.“ „Ochs hier. Haben sie wirklich gedacht, dass ich ihr Depot in Ismaningen und ihre dort abgelegten Handys, nicht kenne? Bewegen sie ihren Arsch sofort wieder nach München.“ schrie Norbert Ochs. „Ich bin in Sergejs Haus“ erwiderte Jakob. „Ich komme nach München wenn ich hier fertig bin. Dann können wir besprechen, was wir wegen dem Schwarzen Raben und dem Waffenlager in Bremen unternehmen. Ich habe da schon einige Hinweise gefunden.“ „Binder, das war keine Bitte…“ Jakob ließ seinen aufgebrachten Chef nicht ausreden. „Sorry, ich muss jetzt Schluss machen.“ Jakob schaltete das Handy aus und entfernte die SIM-Karte.
Im obersten Stock des BND-Gebäudes in Pullach drückte Rolf Krause, gerade noch rechtzeitig, den Lautsprecher-Knopf an der Telefonanlage, bevor Susanne, die Sekretärin von Norbert Ochs zurück von der Toilette in ihr Büro kam. „Interessant“, dachte sich Rolf, er hatte schon geahnt, dass Jakob Binder lebt. Er lächelte der Sekretärin zu und sagte: „Wenn der Chef fragt: Ich bin mal eben telefonieren.“
„Gaaaanz vorsichtig die Hände über den Kopf und keine falsche Bewegung, Jakob Binder“ Das war der unverwechselbare, osteuropäische Akzent von Sergej Assamov. Jakob versuchte gerade das Passwort von Sergejs Laptop zu knacken, als der kahlrasierte Russe unbemerkt in das Zimmer trat. „Du bist der Erste, den ich zweimal töten muss.“ zischte Sergej Assamov. Jakob wunderte sich, dass Sergej trotz des schummrigen Lichtes wusste, mit wem er es hier zu tun hatte. Trotzdem reagierte der Agent blitzschnell. Er wirbelte auf dem Drehstuhl herum, packte in der Bewegung ein paar CDs, die auf dem Schreibtisch lagen, und schleuderte diese, im Abtauchen, in Richtung seines Widersachers. Zwei der CDs fanden ihr Ziel und trafen Sergej mitten ins Gesicht. Blut quoll aus einer Wunde über seinem rechten Auge. Fast gleichzeitig schoss der Russe. Doch Jakob war längst hinter ein Sofa gesprungen. Als Sergej mit der freien Hand das Blut aus seinem Auge wischte, war Jakob bei ihm. Er drückte mit der linken Hand den Arm mit der Makarow nach oben und rammte dem Russen seinen rechten Ellenbogen unter das Kinn. Sergej krachte mit dem Rücken in eine Vitrine. Glas splitterte, die Makarow flog quer durchs Zimmer und rutschte unter eine Anrichte. Jakob setzte nach. Ein Faustschlag in den Magen und noch einen direkt auf die Nase, die unter dem Hieb nachgab. Blut spritzte aus beiden Löchern. Doch Sergej war noch längst nicht besiegt. Ein Tritt krachte gegen Jakobs linken Arm. Den Arm, der gerade dabei war, sich von einem Durchschuss zu erholen. Der Schmerz ließ Jakob Tränen in die Augen schießen. Plötzlich hatte der Russe ein Messer in der Hand. Die 12 Zentimeter lange, gewellte Klinge mit beidseitig geschliffener Spitze war mattschwarz und aus präzise gearbeiteter Keramik. Härter, genauso scharf aber um ein vielfaches leichter als gefalteter Stahl, dazu für Metalldetektoren nicht zu erkennen. Sergej grinste breit. „Ich schneid‘ dich in Stücke, du Kretin“ zischte er. Jakob trat einen Schritt zurück, entledigte sich seines Sportsakkos und umwickelte sich damit den linken Unterarm. Kein wirklich guter Schutz aber besser als gar nichts. Sergej stürmte los. Mit zwei Schritten überbrückte er die Distanz und stieß das Messer nach Jakobs Hals. Der Gangster war unglaublich flink. Jakob wich aus und spürte den Luftzug als die Klinge haarscharf an seinem Ohr vorbei zischte. Mit seinem gepolsterten Arm wehrte er den nächsten Angriff auf seinen Magen ab und schlug die Klinge mit dem Handrücken nach unten weg. Dann ließ er die rechte Faust nach vorne schnellen und erwischte Sergej genau am Kinn. Ein Schlag, der einen Ochsen gefällt hätte. Doch Sergej schüttelte sich kurz und griff wieder an. Diesmal musste Jakob einen Streich in der Bauchgegend einstecken, als Sergej ihn täuschte und er nicht schnell genug ausweichen konnte. Ein, mehrere Zentimeter langer, Schnitt durchtrennte Jakobs Hemd und die darunter liegenden Hautschichten. Die Klinge war so scharf, dass er nicht einmal Schmerzen fühlte. Jakob wich weiter zurück, prallte gegen den Schreibtisch und lag jetzt halb auf der Arbeitsplatte. Durch seinen Erfolg vergaß Sergej jede Vorsicht, setzte nach und wollte erneut mit ausgestrecktem Arm zustoßen. Jakob tauchte nach links ab, griff mit der rechten Hand nach einem Kugelschreiber von der Schreibtischplatte und versenkte ihn, von unten nach oben, tief in Sergejs Hals. Der Russe ließ mit vor Schreck geweiteten Augen das Messer fallen, ging zu Boden und gab ein leises Gurgeln von sich. Blut spritzte am Kugelschreiber vorbei, aus der zerfetzten Halsschlagader. Er versuchte wegzukriechen, den Mund weit aufgerissen, aber kein Laut drang heraus. Als Jakob sich erholt hatte, wälzte er den Russen auf den Rücken und ging auf die Knie um ihn zu durchsuchen. Dabei drehte er den Kopf des Russen zur Seite, damit der Blutschwall aus seiner Arterie auch weiterhin den Teppich und nicht Jakobs Klamotten verunstaltete. Im Handy, das er aus Sergejs Hosentaschen fummelte, fand er eine E-Mail, im Anhang eine Bilddatei.

Jakob staunte nicht schlecht als er den Absender dieser Mail entdeckte: Norbert.Ochs@BND.de. Er wollte gerade das Handy wegstecken als plötzlich Sergejs Arme nach oben zuckten und sich um Jakobs Hals legten. Trotz seiner tödlichen Verletzung wollte der Schweinehund den Kampf nicht verloren geben. Seine Beharrlichkeit nötigte Jakob durchaus einigen Respekt ab. Schnell erschlaffte jedoch der Griff und die Arme fielen zurück auf den Boden, neben den nun fast blutleeren Körper. Sergej Assamov, Nummer 2 im Assamov-Clan und rechte Hand des „Schwarzen Raben“ war verblutet. „Das hier ist für dich, Julia“ murmelte Jakob voller Genugtuung.
Zwei Stunden später, frisch geduscht und die Verletzungen so gut es ging versorgt, saß Jakob Binder auf dem Bett seines Hotelzimmers und überlegte, was nun zu tun sei. Sollte sein Chef, Norbert Ochs, Vizepräsident des BND, ehemaliger Generalmajor des Heeres der Bundeswehr und seit einem halben Jahrhundert im Dienste der Bundesrepublik, wirklich ein Verräter sein? Jakob glaubte nicht daran. Über die Rezeption ließ er den nächsten Flug nach München buchen, der noch heute Abend gehen sollte. Dann aktivierte er sein Handy und wählte die Nummer von Ochs‘ Blackberry. „Binder, sind sie endlich wieder in München? Was ist mit Sergej Assamov?“ schrie Ochs. „Sergej ist Geschichte“ antwortete Jakob. Er hatte beschlossen, seinen Chef direkt mit seiner Entdeckung zu konfrontieren. „und ich hab‘ bei ihm eine Datei gefunden, die aus ihrem Büro kam.“ Ochs schluckte. Das konnte nur eins bedeuten. „Binder, kommen sie sofort nach München. Ich sitze im Auto auf dem Weg nach Hause. Wir reden morgen in der Zentrale. Ochs Ende.“
Mit zittrigen Fingern tippte Norbert Ochs eine SMS an die Notfallzentrale des BND. Dann blickte er nach vorne, in den Rückspiegel seines Dienst-Mercedes, direkt in die Augen seines Chauffeurs.
Jakob hatte nicht vor, bis morgen zu warten. Am Flughafen setzte er sich in ein Taxi und ließ sich direkt zur Villa seines Chefs nach Bogenhausen fahren. Es war längst dunkel als Jakob in der Ostpreußenstraße den Taxifahrer bezahlte und ausstieg. Auf dem kurzen Weg zum Haus seines Chefs in der Putzinger Straße, entdeckte Jakob ein ziviles Einsatzfahrzeug der Dienststelle. Es war leer und parkte direkt gegenüber des weit offen stehenden Tors zu Ochs‘ Grundstück. Wachsam betrat Jakob das Grundstück. Auf der Treppe zum Eingang des Hauses lag ein regloser Körper. Die Kleidung des Mannes und vor allen Dingen seine kugelsichere Weste, identifizierten den Mann als Mitglied des mobilen Einsatzkommandos des BND. Das Loch in seiner Stirn identifizierte ihn allerdings als ehemaliges Mitglied. Jakob hatte seine Glock in Hamburg auf dem Weg zum Flugplatz verschwinden lassen müssen. Stattdessen zog er nun sein neues Keramikmesser. Er betrat das Haus durch die offen stehende Tür. Im Foyer lag der nächste Beamte in einer riesigen Blutlache. In der Innenseite seines rechten Oberschenkels steckte eine kleine Klinge. Der Killer hatte dem armen Kerl die arteria femoralis durchtrennt. Es hatte keine 4 Minuten gedauert bis 5 Liter Blut auf die Terrakottafliesen des Eingangsbereiches geflossen waren. Vorsichtig durchsuchte Jakob das Erdgeschoss. War der Killer noch im Haus? Er hielt inne und lauschte. Nichts. In der Küche fand er eine weitere Leiche. Es war Barbara Ochs. Die kleine, etwas pummelige Frau war eine Frohnatur gewesen. Jakob hatte sie letztes Jahr auf der Grillparty seines Chefs im Garten dieses Hauses kennen gelernt. Nun lag sie mit verdrehtem Genick zwischen Herd und Küchenzeile. Nachdem er das Erdgeschoss gesichert hatte, nahm Jakob vorsichtig die Treppe nach oben. Plötzlich vernahm er ein leises Stöhnen aus dem Zimmer gegenüber der Treppe. Norbert Ochs saß, mit Kabelbindern gefesselt, auf seinem Drehstuhl im Arbeitszimmer. Sein Gesicht war kaum zu erkennen. Blut lief aus Nase und Ohren. Im linken Oberschenkel steckte ein Brieföffner, im rechten eine Büroschere. Beide Gegenstände waren mit dem abisolierten Ende des Kabels der Schreibtischlampe verbunden. Doch Norbert Ochs lebte. „Jakob“ stammelte er „Assamov und Rolf Krau…“ Jakob beugte sich dichter zu seinem Chef. „er hat meinen Rechner… und mein Passwort… die Geheimnisse der Bundesrepublik…“ er röchelte, Jakob konnte nur noch Wortfetzen verstehen „dron… ulln… sein… knupt… ewiz… revi… edir…“ seine Stimme wurde schwächer. „sto.. luln… iver… pnutk… nise… nebise… luln….“ Dann verstummte Norbert Ochs für immer.
Jakob konnte hier nichts mehr tun. Nun war er auf sich allein gestellt. Beim BND hielten sie ihn für tot. Er allein musste nun die Republik retten, indem er den Laptop von Norbert Ochs wiederbeschaffte. Um das geheime Waffendepot und die Entschärfung der Sprengsätze an den Stromversorgungspunkten, müssen sich nun die Norddeutschen Mitarbeiter kümmern. Über sein Handy stellte er die Positionen der Sprengsätze auf den Server des BND. Jeder Wegpunkt konnte auf diese Weise verifiziert werden. Kein Problem also für die Agenten vor Ort.
Aufgepasst, Rolf Krause! Die Jagd beginnt…
Fortsetzung folgt….
Für die Banner-Freunde unter euch:
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