Skip to content

Streuselschnecke Mystery Cache

This cache has been archived.

Maxwell-Smart: Da das Listing seit längerem disabelt ist, es seit längerem keinen Cache zu finden gibt bzw. die erbetene Wartung nicht vorgenommen wurde, archiviere ich das Listing, damit es nicht mehr auf den Suchlisten auftaucht und neue Caches blockiert.

Wenn Du an dieser Stelle wieder einen Cache platzieren möchtest, kannst Du selbstverständlich gern ein neues Listing zum Review einreichen. Mangels Wartung archivierte Caches werden nicht mehr aus dem Archiv geholt.

Maxwell-Smart
Reviewer in Deutschland

More
Hidden : 4/29/2013
Difficulty:
3 out of 5
Terrain:
2 out of 5

Size: Size:   small (small)

Join now to view geocache location details. It's free!

Watch

How Geocaching Works

Please note Use of geocaching.com services is subject to the terms and conditions in our disclaimer.

Geocache Description:


 Der Anruf kam, als ich vierzehn war. Ich wohnte seit einem Jahr nicht mehr bei 
meiner Mutter und meinen Schwestern, sondern bei Freunden in Berlin. Eine fremde 
Stimme meldete sich, der Mann nannte seinen Namen, sagte mir, er lebe in Berlin, 
und fragte, ob ich ihn kennen lernen wolle. Ich zögerte, ich war mir nicht sicher. Zwar 
hatte ich schon viel über solche Treffen gehört und mir oft vorgestellt, wie so etwas 
wäre, aber als es soweit war, empfand ich eher Unbehagen.  
Wir verabredeten uns. Er trug Jeans, Jacke und Hose. Ich hatte mich geschminkt. Er 
führte mich ins Café Richter am Hindemithplatz und wir gingen ins Kino, ein Film von 
Rohmer. Unsympathisch war er nicht, eher schüchtern. Er nahm mich mit ins 
Restaurant und stellte mich seinen Freunden vor. Ein feines, ironisches Lächeln zog 
er zwischen sich und die anderen Menschen. Ich ahnte, was das Lächeln verriet. 
Einige Male durfte ich ihn bei seiner Arbeit besuchen. Er schrieb Drehbücher und 
führte Regie bei Filmen.  
Ich fragte mich, ob er mir Geld geben würde, wenn wir uns treffen, aber er gab mir 
keins, und ich traute mich nicht, danach zu fragen. Schlimm war das nicht, schließlich 
kannte ich ihn kaum, was sollte ich da schon verlangen? Außerdem konnte ich für 
mich selbst sorgen, ich ging zur Schule und putzen und arbeitete als 
Kindermädchen. Bald würde ich alt genug sein, um als Kellnerin zu arbeiten, und 
vielleicht würde ja auch noch eines Tages etwas Richtiges aus mir. Zwei Jahre 
später, der Mann und ich waren uns noch immer etwas fremd, sagte er mir, er sei 
krank. Er starb ein Jahr lang, ich besuchte ihn im Krankenhaus und fragte, was er 
sich wünsche. Er sagte mir, er habe Angst vor dem Tod und wolle es so schnell wie 
möglich hinter sich bringen. Er fragte mich, ob ich ihm Morphium besorgen könne. 
Ich dachte nach, ich hatte einige Freunde, die Drogen nahmen, aber keinen, der sich 
mit Morphium auskannte. Auch war ich mir nicht sicher, ob die im Krankenhaus 
herausfinden wollten und würden, woher es kam.  
Ich vergaß seine Bitte. Manchmal brachte ich ihm Blumen. Er fragte nach dem 
Morphium und ich fragte ihn, ob er sich Kuchen wünsche, schließlich wusste ich, wie 
gern er Torte aß. Er sagte, die einfachen Dinge seien ihm jetzt die liebsten - er wolle 
nur Streuselschnecken, nichts sonst. Ich ging nach Hause und buk 
Streuselschnecken, zwei Bleche voll. Sie waren noch warm, als ich sie ins 
Krankenhaus brachte. Er sagte, er hätte gerne mit mir gelebt, es zumindest gerne 
versucht, er habe immer gedacht, dafür sei noch Zeit, eines Tages - aber jetzt sei es 
zu spät. Kurz nach meinem siebzehnten Geburtstag war er tot.  
Meine kleine Schwester kam nach Berlin, wir gingen gemeinsam zur Beerdigung. 
Meine Mutter kam nicht. Ich nehme an, sie war mit anderem beschäftigt, außerdem 
hatte sie meinen Vater zu wenig gekannt und nicht geliebt. 

Streuselschnecke von Julia Franck (2000)

Additional Hints (No hints available.)