Die Errichtung des obergermanisch-rätischen, des Neckar- und des Odenwaldlimes – der künstlich angelegten Außengrenze im Norden des römischen Imperiums, bewacht von fast 30000 Soldaten, verteilt auf über 900 Wachtürme und mehr als 60 kleinen bis sehr großen Militärlagern – ermöglichte den Bewohnern des befriedeten Teils Germaniens diesseits des Limes über gut 150 Jahre hinweg ein relativ friedvolles Leben, geprägt von Handel, Wein- und Ackerbau.
Weinheim lag damals in der Civitas Ulpia Sueborum Nicretum der Provinz Germania superior mit dem Verwaltungszentrum Lopodunum (dem heutigen Ladenburg). Hier wie andernorts wurden in der Umgebung Gutshöfe zur Versorgung der Hauptorte errichtet. Die Bewohner dieser villae rusticae waren oftmals Kelten, die das Land von den in den Städten lebenden Bürgern pachteten und bewirtschafteten. Viele Besitzer waren aber auch Veteranen, welche nach der Entlassung aus der Armee als Lohn ein Stück Land erhielten und eine villa rustica gründeten. Überreste allein 5 dieser Gutshöfe konnten bislang auf dem Gebiet des heutigen Weinheims ausgemacht werden, eindrucksvollster Fund ist sicherlich die teilrekonstruierte villa rustica in Hirschberg-Großsachsen. Art und Umfang speziell dieses Fundes geben Zeugnis von der wirtschaftlich herausragenden Bedeutung der Gutshöfe.
Durch eine gezielte Überproduktion von Lebensmitteln konnte sichergestellt werden, dass Truppen und Bevölkerung ausreichend versorgt waren. Je nach Lage produzierten die Gutshöfe unterschiedliche Waren wie Wein, Getreide oder Hanf für die Öl- und Textilherstellung und betrieben Vieh- und mancherorts auch Fischzucht. Dinge des täglichen Bedarfs wurden soweit wie möglich selbst hergestellt, angefangen bei Kleidung und einfachen Werkzeugen, bis hin zu Baustoffen (z.B. Ziegeln). Anderes wurde auf den Märkten nahegelegener Städte gekauft oder eingetauscht.
Die räumliche Nähe zu einer Römerstraße legt oftmals die Vermutung nahe, dass einige der Gutshöfe in Wirklichkeit keine reinen Bauernhöfe waren, sondern auch die Funktion von Straßenstationen innehatten. Diese Landgüter also als rein landwirtschaftliche Betriebe anzusehen, wäre sicherlich falsch. Die wirtschaftliche Kraft der Region spiegelt sich auch in den sonstigen Bauten wieder, die hier in der Zeit zwischen 80 bis ca. 200 n.Chr. errichtet wurden. Ähnlich wie bei den Limesbauten bei Hechingen, wo ein ganzer Tempelbezirk außerhalb der eigentlichen Mauern der dortigen villa rustica angelegt wurde, fanden sich auch in Weinheim Überreste sakraler Bauten.
So wurden im Frühjahr 2011 bei Straßenbauarbeiten im Westen der Stadt die erstaunlich gut erhaltenen Reste einer groß angelegten Tempelanlage entdeckt. Die kurz darauf angelegte Grabung, geleitet vom Landesdenkmalamtes Karlsruhe und der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie der Universität Freiburg, förderte einen in exakt Ost-West gerichteten Baukomplex zutage. Von diesem wurde die nördliche Längsseite mit rund 40 m Ausdehnung ermittelt. Die Fundamentbreite der aus regelmäßigen Kalksteinhandquadern gesetzten Mauer betrug 1,85 m, während die Nord-Süd verlaufende Gebäudeschmalseite 1,4 m breit war. Der Unterbau war in mehrere Gewölbekammern gegliedert. Anlage und außerordentlich solide Bauweise entsprachen fast vollständig den von Vitruv überlieferten Empfehlungen zum Bau eines Tempels.
Umbauten am und im Bereich dieses großen Baukörpers belegen weitere Errichtungsphasen und liefern Beleg für einen Podiumstempel klassischen Typs: eine Freitreppe an der Schmalseite führte in die Vorhalle, danach folgte eine offene Säulenhalle, die vor der dreiteiligen cella (den Innenräumen) lag. Der Bau wurde vermutlich von einem flachen Satteldach mit Tonziegeln abgedeckt. Geweiht war dieser Tempel den Gottheiten Furrina, Laverna und Mercurius, wie sich anhand der vor Ort gefunden Statuen beweisen läßt. Der Weihspruch, der sich auf einem der großen Sockelblöcke fand (datiert auf das Jahr 144), lautet Mundus vult decipi, ergo decipiatur. Zudem wurden die Überreste einer klassischen Römerstraße entdeckt, die bis zum nahegelegenem turris rubea amoris venalem nachverfolgt werden konnte.
Einem Förderkreis ehrenwerter Gesellschafter und der Stadtverwaltung ist zu es zu verdanken, dass sich seit 2013 an historischer Stelle nun eine durchaus gelungene Rekonstruktion eines Teiles der Tempelanlage findet. Zu bewundern sind dort unter anderem die beeindruckende Replik des Palisadenzaunes (samt Prunktor), welcher einst den Tempelbezirk umgab, sowie ein kleines Museum, welches die Originalfundstücke der Grabung in einer Dauerausstellung präsentiert.