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 (small)
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KAMPF UM DEN GAMMER DEICH ( 1481-1620 )
Hier an den Startkoordinaten, am Anfang der Dove Elbe, stehen wir gewissermaßen an historischer Stätte!
Wenn man den Blick über diese schöne und friedliche Landschaft schweifen läßt, in der dieser Cache liegt, dann ist es kaum vorstellbar, daß hier einstmals äußerst turbulente Ereignisse stattgefunden haben. Es flogen sogar Musketen- und Kanonenkugeln! Wie kam es dazu?
Dazu möchte ich euch gern vorab einige kurze Erläuterungen zur Entwicklung der Landschaft geben und warum es dadurch zu dem Streit kam, der nahezu unglaubliche hundertvierzig Jahre dauern sollte:
Unterhalb Geesthachts bildet die Elbe eine Art Binnendelta. Priele, Fleete und diverse Wasserläufe durchzogen das Gebiet und änderten oft ihren Lauf. Das gesamte weitläufige Stromspaltungsgebiet war mehr oder weniger eine sumpfige Wildnis bis man Ende des 12. Jahrhunderts mit dem systematischen Deichbau begann.
In der lüneburgischen Elbmarsch flossen damals mehrere Elbarme. Außerdem durchströmten noch die Flüsse Neetze, Ilmenau, Luhe und Ilau frei die Niederung.
Im Bereich der Vier-und Marschlande durchzog eine Vielzahl von Wasserläufen die Marsch. Drei Hauptabflußbahnen, die noch heute nebeneinander her verlaufen, führten damals das Wasser ab: Die Gose Elbe, die wohl den Hauptstrom bildete, die Dove Elbe, damals ''Gammer Elbe'' genannt, die ebenfalls zeitweise diese Funktion übernahm, und der dritte Elbarm, die heutige Stromelbe, damals ein seichter Wasserarm, '' Lange Grove '' (Langer Graben) genannt, der heute in einer weiten Schleife südlich verläuft ( Dieser Name hat sich sogar bis heute als Flurbezeichnung erhalten ).
Hochfluten aus der Elbmündung und Hochwasser aus dem Oberlauf konnten sich in den vielen Wasserarmen verlaufen und bildeten noch keine existenzbedrohende Gefahren für die Bevölkerung, insbesondere der lüneburgischen Elbseite. Das sollte sich aber ändern!
Bereits in den Jahren 1314-1344 wurden die drei Arme der Gose Elbe auf Veranlassung des damaligen Landesherrn, des Klosters Scharnebeck, abgedämmt.
Das hatte offenbar noch keinen gravierenden Einfluß auf den ungehinderten Ablauf des Elbwassers durch die nun verbliebenen zwei Elbarme Gammer Elbe und Lange Grove.
1420 fielen die Vierlande '' beiderstädtisch '' an die Städte Hamburg und Lübeck. Sie waren zuvor dem Herzog von Sachsen-Lauenburg in offener Fehde abgenommen worden.
Wohl um 1437 (ein genaues Jahr ist umstritten) begannen die neuen Besitzer auch die Gammer Elbe abzudämmen.
Die Lübecker waren nur an dem Land selbst interessiert. Die Hamburger jedoch verfolgten zwei Ziele: zum einen sollte natürlich das Land vor Überflutung geschützt werden. Zum anderen aber sollten hauptsächlich Zoll- und Stapelrechte für Hamburg durchgesetzt werden. Durch Absperrung der Gammer Elbe konnte diese von elbaufwärts kommenden Schiffen nun nicht mehr als Schleichweg benutzt werden, um nach Hamburg zu gelangen.
Sie mußten den verbliebenen südlichen Elbarm nehmen und damit die hamburger Zollstation Zollenspieker, damals ''Esslinger Zoll'' genannt, passieren.
Zusätzlich war vor der Moorwerder Spitze - dort wo sich die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt - ein hamburgisches Kriegsschiff stationiert (bis 1815!), das alle Schiffe zwang, den nördlichen Elbarm zum hamburger Hafen zu nehmen.
Durch diese zusätzliche Abdämmung mußte nun das gesamte Elbwasser den Weg durch den verbliebenen südlichen Arm, die Lange Grove nehmen. Der Fluß mußte sich hier ein neues Strombett schaffen.
Das behinderte nun jedoch den freien Abfluß bei Hochwasser und erhöhte den Druck auf die Deiche des lüneburger Landes, so daß sie oft den Hochfluten nicht mehr standhielten und verstärkter Erosion ausgesetzt waren. Zudem waren nun Teile des Landes bei jahreszeitlichen Hochwassern zunehmend überflutet, und damit deren Nutzung eingeschränkt.
Es ist deshalb nur verständlich, daß die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg daraufhin alles daran setzten, diese Abdämmung rückgängig zu machen.
Die Städte, Hamburg voran, dachten jedoch gar nicht daran, den Deich wieder zu öffnen.
Der '' casus belli '' war da!
Nun begann ein Prozess vor dem Reichskammergericht- zeitweise mischten sich der deutsche Kaiser und der dänische König zusätzlich ein-der sich nahezu hundertvierzig Jahre hinziehen sollte, da handfeste Interessen auf beiden Seiten auf dem Spiel standen.
Wegen des juristischen Geplänkels und weil nichts von den beiden Städten in seinem Sinne unternommen wurde, suchte der ungeduldige Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg sein Ziel mit Gewalt zu erreichen und ließ 1496 die Deiche der Gose- und Gammer Elbe zerstören. Doch den Hamburgern gelang es, die Lücken in den Deichen rasch wieder zu schließen.
Fünf Jahre später, 1501, schickte Herzog Heinrich wiederum eine Anzahl Bauern und Soldaten nach Vierlanden ab, um den Gammer Deich durchstechen zu lassen. Hamburg und Lübeck schickten jedoch ihrerseits den Herzoglichen nun Soldaten mit ''grobem Geschütz'' entgegen, die die Arbeiter auseinander trieben. Da die Bauern aber wehrlose Leute waren, gab man ihnen sogar noch Verpflegung und ließ sie ziehen.
Im Jahre 1619 erfolgte endlich das Urteil des Reichskammergerichtes, in dem die Stadt Hamburg verurteilt wurde, den Deich abzubauen, den Herzögen den Schaden zu ersetzen und die aufgelaufenen Gerichtskosten zu zahlen.
Die Hamburger dachten jedoch auch nun nicht daran, sich an das Urteil zu halten und gingen ihrerseits juristisch dagegen vor.
Schließlich kam es zur militärischen Aufrüstung beider Seiten.
Am 23. Februar 1620 setzten ca. 600 Reiter Herzog Christians von Braunschweig- Lüneburg bei Artlenburg über die zugefrorene Elbe und machten sich daran, die Vierlande zu überfallen.
Dort waren bereits in den Frühstunden des gleichen Tages 2000 Musketiere und 1500 Bauern bei Zollenspieker über die Elbe gegangen und hatten das ''Haus Esslingen'' eingenommen.
Nun begannen die Plünderungen Haus bei Haus. Alles, was in den Häusern war, wurde entzweigeschlagen oder weggenommen. '' Bauersleuten und ihren Kindern wurden am hellen Tag die Kleider vom Leib und die Schuhe von den Füßen gezogen.'' Mit Daumenschrauben und dergleichen Geräten wurden Angaben über Verstecke erpreßt. Selbst vor Vergewaltigungen schreckte man nicht zurück!
Erst nach mehreren Tagen der Plünderung begannen die Lüneburger mit der Zerstörung des Gammer Deiches. Das gelang aber nur zum Teil. Das Eis der Elbe war zu mächtig, der Wasserstand zu niedrig. Die Elbe blieb in ihrem neu geschaffenem Bett. Hinzu kam ein Wetterumschwung.
Inzwischen hatte man in Hamburg 4-5000 Mann Fußvolk und 800 Mann zu Pferde aufgestellt und in Marsch gesetzt.
Daraufhin beschloß man, nach Zerstörung der Riepenburg und des Zollhauses, die Vierlande zu räumen.
Nun erschwerte aber der Wetterumschwung den Rückzug am 23. März 1620. Starker Sturm setzte ein, dazu Schnee, dann Regen.
Zudem war die Vorhut der Hamburger bereits auf die Lüneburger gestoßen. Diese wollten lieber ihren Raub und ihr Leben retten, als kämpfen. ''... so fanden die Hamburger nur schwachen Widerstand und konnten viele zusammenhauen oder gefangen nehmen ...'', heißt es in der nicht überprüfbaren, farbig ausgeschmückten Erzählung des Freiherrn v.d. Ostau, der an den Kämpfen teilnahm.
Die Hamburger wollten nun daraufhin im Siegesrausch den Lüneburgern über das Eis nachsetzen.
Diese hatten aber bereits bei Hoopte, in Unkenntnis der Hamburger, vier kleine Kartaunen, geladen mit Kettenkugeln, aufgefahren und begannen zu feuern. Dazu flogen Musketenkugeln.
Das stoppte den hamburger Angriff und veranlaßte die Soldaten schleunigst unter hohen Verlusten auf das hamburger Ufer zurückzukehren.
Man machte sich nun daran, den zerstörten Gammer Deich wieder in Stand zu setzen, bevor das Frühjahrhochwasser einsetzte. Nach vier Wochen war endlich alles erledigt.
Während der Arbeiten beschoß man sich von Elbufer zu Elbufer mit ''großen Stücken'' und Musketen. Da aber die Hamburger die stärkeren Geschütze besaßen, mußten die Lüneburger sich letztendlich zurückziehen.
Im Jahre 1620 kamen Verhandlungen in Boizenburg zustande, mit dem Ergebnis eines mühsam formulierten Vergleiches. Einigung über den Gammer Deich wurde jedoch nicht erzielt.
Es folgten noch weitere Prozesse, die aber wohl in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges untergegangen sind.
Die Lüneburger Herzöge suchten in Zukunft ihre Elbmarschen auf andere Weise zu schützen, als durch Beseitigung des Gammer Deiches.
Quellen:
Küster '' Die Elbe ''
Harringer '' Der Streit des Hauses Braunschweig-Lüneburg
mit den Hansestädten Hamburg und Lübeck um
den Gammerdeich ( 1481- 1620 ) ''
Internet u. Div.
Am Startpunkt findet ihr einen Hinweis zur Position des Verstecks.
Inhalt: Erstfinderurkunde. Trillerpfeife,Druse, Magnete, Ungeziefer,
Logbuch.
Das Listing bezieht sich auf den Startpunkt. Der Cache selbst zeigt, wie friedlich es hier inzwischen geworden ist.
( Dieser ist mein erster Cache, den ich gelegt habe. Sollte ich Fehler gemacht haben, bitte ich um Nachsicht. Sollte ich grobe Fehler gemacht haben, bitte ich um Nachricht. )
ACHTUNG: Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch auf den berühmten Cache GC4RQAV hinweisen, der sich auf die Gose Elbe bezieht und in der Nähe liegt!
Additional Hints
(Decrypt)
Fgneg: fraxe.Ebue, AJ-Frvgr, ubpu üore Jnffre
Svany: cvrc cvrc