Im Jahre 1870 entstand der "Jägerkrug" als Ausfluglokal nahe des historischen Mönkehof. Denkbar ist, dass die Kotten des Lokals vorher als Umspann- oder Raststation auf einem Weg zwischen Bielefeld, Kirchdornberg und weiter nach Werther diente. Das Wort "Jägerkrug" lässt andereseits auch auch an eine ehemalige Forst-/Jagdstelle denken. Auf Fotos ist auf jeden Fall ein Ensemble von drei eher kleinen, handwerkstypischen und bäuerlichen Gebäuden gut zu erkennen.
1894, wenige Jahre nach der Eröffnung des Krugs, wurde auf dem südlich gelegenen Höhenzugs des Teutoburger Waldes der "Drei-Kaiser-Turm" (Bauzeit 1888-1894) auf dem Höhenarreal der vorrömisch-eisenzeitlichen Hünenburg errichtet. Der Jägerkrug warb nun mit diesem und vermittelte sich als eine Art "Talstation" des Aufstiegs zum Turm von Norden her.

Postkartenausschnitt: Jägerkrug um 1899; Lith. Heinrich Becher, Bielefeld
Bereits 1907 verzeichnet das Bielefelder Telefonbuch den Fernsprechanschluss "562" zum Jägerkrug und zeigt damit die Attraktivität der "Lokalität" für die Bielefelder Bevölkerung.

Postkartenausschnitt: Jägerkrug um 1929; E. O. Wagner, Bielefeld
Direkt nach Kriegsende 1945 wurde der Tanzsaal des Jägerkrug beschlagnahmt, während der Gastraum normal weiter betrieben werden konnte. Der Tanzsaal wurde für die kommenden Jahre einem Behelfs-Altersheim zugewiesen, dass durch katholische Ordensschwestern betreut wurde. In dieser Zeit fanden dort auch Gottesdienste statt. Vermutlich war dies eine Übergangsphase eines der späteren drei katholischen Pflegewohnheime im Stadtgebiet.
Gegen Mitte/Ende der 1950er Jahre wurde der historische Jägerkrug abgerissen und durch eine "moderne" Gaststätte mit Betonfassade ersetzt. Auch wenn die Gaststätte auf ihrer Postkarte mit "Veranda - Säle - Garten" warb, scheint der Flair des alten Ensembles doch gebrochen.

Postkartenausschnitt: Jägerkrug um 1965; Mohn&Co. GmbH, Gütersloh
Um 1975 wurde das Gebäude dann wiederum abgerissen und durch den Wohn- und Geschäftshauskomplex Dornberger Straße 274/276 ersetzt. Damit endet die eigentliche Geschichte des "Jägerkrug".
Eine namentlich nicht mehr fassbare Kneipe in der Parterre des neuen Gebäudes scheint sich, wohl profitierend von der wachsenden Siedlung Uerentrups, bis Anfang der 1990er Jahre gehalten zu haben. Lange Jahre war zusätzlich im Untergeschoss das Italienische Spezialitätenrestaurant "La Scaletta da Giorgio" ansässig. Nach dessen Schließung zirka im Jahr 2005, gelang es zwei Gaststätten mit deutscher Küche nur kurzzeitig, sich in diesen Keller-Räumlichkeiten - ohne jeden Ausblick nach draußen - zu etablieren...
Der Startpunkt verbirgt sich in etwa an der Position, von der aus das letzte Postkartenmotiv aufgenommen wurde.