Dieser Cache führt euch zurück in die Jahre 1944 - 1945.
Damals waren die Industriebetriebe im Traisental vorwiegend mit Erzeugnissen für die Rüstungsindustrie beschäftigt. Die zunehmenden Luftangriffe der Alliierten veranlassten die nazionalsozialistischen Machthaber auch in Marktl bei Lilienfeld, einen Luftschutzstollen für die Arbeiter der Fried von Neuman- Werke und die Zivilbevölkerung anzulegen.


Die Anlage ist nicht allzu groß, verfügte aber über zwei Eingänge, von denen einer heute zwar zugänglich, aber fast ganz zugemauert ist. Der noch offene Eingang in die Stollenanlage ist durch eine Gittertüre mit Vorhangschloss gesichert. Diese Gittertüre gewährt euch aber trotzdem einen kleinen Einblick in die Stollen, in denen sich damals die Leute vor Luftangriffen geschützt haben.
Der Luftschutzstollen ist nur wenige Schritte von der Hauptstraße B20 entfernt, bitte beachtet das Fahrverbot am Zugangsweg und benutzt die Parkmöglichkeiten bei den angegebenen Koordinaten. Danach ein kurzes Stück nördlich halten und ihr kommt direkt auf den richtigen Weg ;-)
Edit: Da ich im Heimatbuch der Gemeinde Traisen einen Zeitzeugenbericht aus den letzten Kriegstagen gefunden habe, möchte ich hiermit das Listing ergänzen. In diesem Bericht geht es genau um diese Gegend, diesen Stollen und um die Marktler Bevölkerung. Quelle: Heimatbuch Traisen, Franz Lettner
Als im April 1945 die Front immer näher rückte, war zuerst der Troß in Marktl stationiert, große LKW-Kolonnen mit Lebensrnitteln waren abgestellt.Offiziere höheren Ranges suchten in den zum Teil bereits verlassenen Wohnungen Unterkunft.
Das Waschen der Wäsche der Offiziere wurde hoch bezahlt, doch nicht viele Marktler waren so um den 20. April noch in Marktl zu finden. Viele sind gegen Westen geflohen, viele aber auch zu den Bauern in der Umgebung, nachdem sie Wäsche, Geschirr und zum Teil auch Schmuckgegenstände heimlich in der Nacht an den verschiedensten Orten vergraben hatten.
Als dann der erste Beschuß erfolgte, suchten auch die letzten im Ort gebliebenen Bewohner eine sichere Unterkunft, die viele in dem Luftschutzstollen, nahe dem Bürogebäude der Firma Fried. von Neuman, vermuteten.
Es ging dort in den ersten Tagen sehr geschäftig zu. Eine Quelle war zirka 100 Meter bergwärts, so daß auf einer provisorischen Kochstelle gekocht werden konnte.In den Kaufhäusern von Marktl war „Ausverkauf”, die Familie Winkler war nicht mehr in Marktl, einer alten Frau, der Besitzerin des nebenan liegenden Gasthauses, wurde der Abverkauf übertragen.
Im Geschäftslokal wurde tatsächlich gekauft, während im Magazin die Mehlsäcke bereits abtransportiert wurden, ohne ans Zahlen zu denken.
Es gelangte durch diesen großen Abverkauf von Lebensmitteln doch ein größerer Vorrat zu den Geflüchteten in dem Luftschutzstollen, und jeder trachtete, seine Schätze vor den anderen zu verbergen.
Nach drei Tagen Aufenthalt fand einer der Wasserträger den ersten Toten, einen russischen Soldaten, nahe der Wasserquelle, und nun kam die Angst. Jeder war froh, wieder von einem solchen Gang um Wasser gut zurückgekommen zu sein, und vorwiegend waren es Frauen, die diese Tätigkeit ausübten, weil man hoffte, daß auf diese von den Scharfschützen, die sich bereits auf der Winklerhöhe befanden, nicht geschossen würde.
Ein Volltreffer eines schweren Geschützes traf die Lichtleitung vor dem ersten Eingang des Stollens, so daß von da an mehr als zwei Wochen Erwachsene und Kinder in fast völliger Dunkelheit
(Petroleumlampen und Kerzen wurden nur selten angezündet, um die Luft im Stollen nicht noch mehr zu verschlechtern) zubrachten.
Im Vorraum des Luftschutzstollens war der Truppenverbandsplatz, und oft mußten die Marktler ihre Schlafstellen für Schwerverwundete zur Verfügung stellen, ehe sie dann nachts abtransportiert wurden.
Fallschirmjäger wurden in großer Anzahl im Stollen zusammengezogen, auf Pyramiden von Handgranaten saßen sie und warteten auf den Einsatz, der einmal von einem höheren Offizier sogar mit der gezogenen Waffe erzwungen wurde („Vorwärts, vorwärts, wollt ihr warten, bis der Iwan da ist?”). Der Truppenverbandsplatz wurde dann vom Stollen in den Ort Marktl verlegt.
Vielleicht haben die Dunkelheit und die Feuchtigkeit im Stollen dazu beigetragen, vielleicht aber auch die nächtlichen Kontrollgänge der Russen, die inzwischen bis Marktl vorgedrungen sind und das Bürogebäude der Firma Neuman besetzt hielten.
Die wildesten Gerüchte gingen bei den nun schon mehr als zwei Wochen eingeschlossenen Marktlern um, als man in der Nacht immer wieder schleichende Schritte im Zugang des Stollens hörte, aber niemand kam, wie es ab und zu noch bei deutschen Soldaten der Fall war, die im Bauernhof Lehrbaumer stationiert waren.
Am 7. Mai, nach Einbruch der Dunkelheit und nach mehreren Tagen, an denen nicht mehr geschossen wurde, kam ein deutscher Soldat in den Stollen und teilte mit, daß um 11 Uhr nachts die deutschen Truppen abgezogen würden und man für nächsten Tag mit dem Einmarsch der Russen rechnen müsse.
Es sollten sich alle anschließen, die nicht in die Hände der Russen fallen wollten.
Nun waren die Marktler - vielleicht bis auf wenige Ausnahmen - nicht bereit, mit dem Militär den Heimatort zu verlassen. Die Angst vor den Russen war etwas gewichen, weil nach einem schneereichen 1. Mai und anschließendem Wärmeeinbruch vor allem die Mütter es gewagt hatten, den Stollen zu verlassen und die zu diesem Zeitpunkt bereits völlig durchnäßte Bettwäsche ins Freie zum Trocknen zu bringen.
Dabei wurden russische Soldaten beobachtet, die aus dem Bürogebäude im ersten Stock sahen und nicht geschossen haben, obwohl sie die Frauen bei ihrer Tätigkeit selbstverständlich genau beobachtet haben.
Als jedoch klar war, daß die Deutschen abzogen, kam die große Angst: Was wird nun werden? Wird der Stollen ausgeräuchert, weil sich ja nicht nur Frauen und Kinder darin aufhielten und die Russen sicherlich genau wußten, daß deutsches Militär sich des öfteren im Stollen aufhielt?
Ein alter Marktler hat dann ein Leintuch vor dem Stollen ausgehängt. Um 7 Uhr besetzten die Russen, Maschinengewehre im Anschlag, Marktl.
Es kam auch eine kleine Truppe Russen vor den Eingang des Stollens, angeführt von einem ukrainischen Soldaten, der Marktl ganz genau kannte, weil er mehrere Jahre beim Hengerbauer in Marktl gearbeitet hatte. Er sagte auch, die Bevölkerung, vor allem aber die Frauen, sollten noch eine Nacht im Stollen bleiben, denn die kämpfende Truppe sei nicht gefährlich, wohl aber die nachfolgenden Soldaten des Trosses.
Gleichzeitig wurden auch die Marktler genau auf Uhren, Ringe usw. untersucht, es wurde ihnen alles abgenommen, was glänzte und glitzerte.
Die Männer, Frauen und Kinder, seit fast drei Wochen nicht gewaschen und umgezogen, verließen aber alle den Stollen und zogen mit ihrer kleinen, bescheidenen Habe in ihre Wohnungen, wo sich viel Unerfreuliches begab.
Aber der Krieg war zu Ende.
Zum Cache:
Viel Spaß und happy caching wünscht euch euer Old_Master