Die Gebr. Stehle aus Binsdorf hatten 1897 den Grundstein zu einer mechanischen Buntweberei gelegt, die im Jahre 1920 an die Buntweberei Sulz GmbH. (BWS) überging. Der Betrieb hatte damals noch einen Umfang mit rund 100 Arbeitskräften. Jahr um Jahr wurden Erweiterungsbauten vorgenommen. Es entstand eine neue Schlichterei, Spulerei, Zwirnerei, auch die Färberei und Bleicherei wurden bedeutend erweitert und modernisiert. So wurden in der Firma Baumwollgewebe, wie Flanelle, Schürzen, Blusen- und Kleiderstoffe sowie Bettzeug hergestellt. Während der beiden Weltkriege wurde die Produktion großenteils auf Helmstoffe, Zeltbahnstoffe, Uniformrockstoffe und Futterköper umgestellt. Weshalb nach dem Ende der Kriege die BWS der einzige Betrieb in Sulz war, der noch florierte.
Die Buntweberei Sulz plante im Februar 1925 gegenüber dem Bahnhofsgebäude die Erstellung einer Spinnerei in einem Ausmaß von etwa 50m Länge und 38m Breite mit vorerst zwei Stockwerken. Im April des selben Jahres begann der Bau, der von dem Architekten Philipp Jakob Manz entworfenen Spinnerei. Der Betrieb lief in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg auf Hochtouren und hatte zu Bestzeiten bis zu 1000 Angestellte.
1947 umfasste der Betrieb 20.404 Ringspindeln, 5.108 Zwirnspindeln, 212 Webstühle.
Im Jahre 1963 wurde der ganze Betrieb geschlossen, da er angeblich den Gesellschaftern nicht mehr die gewünschten Gewinne einbrachte. So ging die Ära der Sulzer Stoffe und Garne zu Ende. Und nur gelegentlich konnte man auf nordafrikanischen Märkten noch Stoffe mit der typischen roten Webkante kaufen.
Anschließend wurde das gesamte Areal an die Bundeswehr als Luftwaffenmateriallager verkauft. Außer an dem jährlich an der Fasnet stattfindendem Bundeswehrball war das Gelände nun unzugänglich.
Nach dem Abzug der Bundeswehr nutzte die Stadt Sulz mutig die Gelegenheit zum Kauf des Geländes mit der denkmalgeschützten Spinnerei. Die anderen Gebäude der BWS wurden abgerissen und die Grundstücke zu Wohn- und Gewerbeflächen veräusert. Der alte Backsteinbau beherbergt heute eine großzügige Stadthalle, Vereinsräume, sowie Läden und Büros – ein neues städtisches Zentrum im Bahnhofsviertel, heute „Neckarwiesen“.
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