Im letzten Jahr habe ich drei Tradis versteckt, die sich mit Sagen in und um Suhl beschäftigen.
Und nun wird es höchste Zeit für Nachschub.
Die Geschichte dieses Ortes ist ein wenig gruselig. Sie ist auf den ersten Seiten im Logbuch abgedruckt. Wer dies aus versehen überblättert, hat am Ende des Listings noch einmal die Möglichkeit nachzulesen.

Wenn es Euch gefallen hat, dann freuen sich auch meine anderen „sagenhaften“ Dosen über Euren Besuch. Und zwar:
Und hier noch einmal die Sage zum Nachlesen.
Das verwünschte Dorf
In der Dillstedter Flurmarkung liegt die Wüstung Germelshausen; dort hat ehemals ein Dorf gestanden, von dem die allgemeine Sage geht, daß es verwünscht worden. Dieses Dorf ist noch vorhanden, aber nur selten wird Jemand solches gewahr, und es ist nicht einmal gut, es zu sehen, oder seinen Bewohnern zu begegnen. Davon wäre viel zu erzählen. Es mögen achtzig Jahre her sein, da kam einmal ein Diezhäuser Feldscherer durch den Grund, welcher sich von Marisfeld nach Rohr zieht, und so kam er durch ein Dorf, in welchem er die Leute in die Kirche gehen sah; sie trugen lauter altväterische graue Kutten; er wunderte sich der Tracht, und um so mehr, als er in Rohr lauter bunte Kleider fand. Dort erzählte er den Leuten, was er gesehen, und befragte sich nach dem Ort, durch den er gekommen, da fand sich aus seiner Beschreibung, daß er durch das verwünschte Dorf gekommen war.
In derselben Zeit, um Michaelis, gerade zur Dillstedter Kirmse, ging Heinrich Messing, ein Schuhmacher und Einwohner zu Wichtshausen, gebürtig aus Altenberga, ein einfacher und schlichter Mann, nach Marisfeld zu. Er kam zum ersten Mal in diese Gegend und hatte nie etwas von Germelshausen gehört, da gelangte er in die Nähe eines Dorfes, sah es vor sich liegen, hörte die Hunde bellen, die Hähne krähen und erblickte eine Frau vor sich her, die dem Dorfe zueilte. Dieser rief er nach, um sich zu befragen, aber sie hörte ihn nicht, oder wollte ihn nicht hören, und jemehr er schrie, desto mehr lief sie nach dem Dorfe zu, in welches er aber nicht kam. Er sah auch einen Teich, der ganz eingeraset war, und dachte bei sich, warum wohl die Leute diesen Teich also vernachlässigten und unbenutzt liegen ließen? Als er des Weges wieder zurückging, sah er weder Dorf noch Teich, und an des letztern Stelle einen Acker. Als er in Wichtshausen einem Mann erzählte, was er gesehen, so meinte dieser, wenn Messing etwas von seinem Leibe auf den Teich geworfen, etwa ein Kleidungsstück, würde dieser geblieben sein, und es hätte dies sein Glück, aber auch sein Unglück sein können Gut aber sei es auf jeden Fall, daß er der Frau nicht vollends nachgegangen, sonst würde er wohl nie wieder zuzückgekehrt sein.
Es kam auch eine Frau aus der Nähe in die Germelshäuser Gegend, da sah sie eine Leinwand auf den Boden gebreitet, darauf waren Knotten an die Sonne gelegt, größer und schöner als sie jemals gesehen, die waren schon dem Aufspringen nah. Sie raffte eine Hand voll ein, und als sie sie zu Hause ihrem Mann zeigen wollte, waren die Knotten zu lauter Dukaten geworden. Eilend machten sich beide auf, mehr zu holen, aber weg waren sie sammt dem Tuch. In jener ganzen Gegend ist es nicht geheuer.