Das Marterl (lat. Martyrium: Blutzeugnis, Marter) gilt als Mal der Erinnerung an einen Toten, der durch Unglücksfall oder Gewalt starb. Es soll helfen die Seele des Verunglückten aus dem Fegefeuer zu erlösen, indem es die Vorübergehenden zu einem Gebet für den Dahingeschiedenen auffordert. Man könnte im Marterl eine Weiterentwicklung von mittelalterlichen Steinkreuzen, Totenleuchten, Sakramentshäuschen und Epitaphen sehen. Sein Ursprung geht vermutlich auf vorchristliche Zeit zurück, als man die Natur anbetete und ihren Göttern und Geistern an Quellen, Steinen, Bäumen oder Kreuzwegen Opfer darbrachte. Ab dem 11. Jh. bestrafte die Kirche solche Naturverehrungen mit Bußen und funktionierte die heidnischen Kraft- und Opferplätze in christliche Bet- und Gedenkstätten um.
Womöglich ist es deshalb nicht verwunderlich, daß in eben jener riesigen, knorrigen Linde am Rabenwald, an deren Stamm dieses Marterl befestigt ist, der Blitz einschlug, daneben ein altes aufgelassenes Bauernhaus verfällt und nur ein paar Schritte weiter vier bemooste Steine in der Wiese einen Halbkreis bilden.