Zur vielfältigen Entstehungsgeschichte des Chiemgaus und seiner Geomorphologie ist bereits vieles in anderen Earthcaches der Region beschrieben. Bei einer Cachewanderung entlang der schönen weißen Traun bei Siegsdorf kam ich aber an einem beeindruckenden Ort vorbei, den ich euch mit diesem Earthcache vorstellen möchte. Es handelt sich um einen sehr deutlich vom Hang abgegrenzten Kalksinter.
Was ist ein Sinter?
Sinter sind festländische Ausscheidungen an Austritten mineralisierter Wässer, wie heiße Quellen, Fumarolen, Solfataren und Geysiren. Sie entstehen bei Druck- und Temperaturänderungen, bzw. durch Oxidationen sowie bei CO2-Entzug (wie etwa Kalksinter).
Quelle: http://www.derchiemgauer.de/
Sinter bildet sich durch Abscheiden (Kristallisation) von in Wasser gelösten Mineralen, also in Gewässern, Wasserleitungen und -behältern oder in feuchtem Milieu. Er bildet krustenförmige Überzüge
- im Gelände – an Hängen, Geländestufen oder Terrassen (Sinterterrasse)
- und entsteht in vielfältigster Form in Höhlen, Bergwerken und feuchten Stollen als Speläothem (Höhlensinter), von Sinterhäutchen bis in Form mächtiger Bänke.
Chemisch handelt es sich unspezifisch um Alkali- und/oder Erdalkalimetall-Salze von diversen anorganischen, aber auch organischen Säuren mitsamt verschiedenen Beimischungen. Petrologisch gehört Sinter zu den Sedimentiten. In der Biologie spricht man bei von Inkrustation (Biologie).
Entstehung
Vor der Entstehung: Verkarstung
Bei der Verkarstung laufen neben Prozessen physikalischer Verwitterung vor allem aber chemische Prozesse der Kohlensäureverwitterung ab. Kohlensäurehaltiges Wasser nimmt im spröden Kalkgestein (Kalkstein, Kreide, Marmor und andere Calciumcarbonate) eines mehr oder weniger entwickelten Karstsystems die Karbonate bis zur Sättigung in Lösung. Gerät der gelöst transportierte Kalk unter andere Umgebungsbedingungen, kann er durch chemische Ausfällung erneut abgelagert werden. Die beiden Vorgänge können als zwei verschiedene Gleichgewichtszustände eines umkehrbaren chemischen Prozesses angesehen werden; vgl. dazu Calciumhydrogencarbonat.
Vor der Entstehung: Ausfällung gelösten Kalks
Wechselwirkungen von Karstwasser und Kohlenstoffdioxid - unterirdisch oder beim Wiederaustritt an die Oberfläche - können den Prozess des Ausfällens von Kalk auslösen. Vor allem in Karst-Höhlen und nach Karstquellen können beachtliche Kalkmengen sedimentieren, indem der gelöste Kalk unter verschiedenen chemischen und physikalischen Bedingungskonstellationen wieder ausfällt. Die Produkte dieser sekundären Sedimentierung werden in den Geologien zu den Sintern gerechnet. Zu den stark wässrigen, weichen Sedimentierungen wie Kalkschlamm, Mont- oder Bergmilch siehe Mondmilch.
Danach
Der ausgefällte Kalk legt sich als feinkristalline Kruste um alles relativ ruhende Kleinmaterial (Sand, Steinchen, Zweige, Blätter, Farne, Moose, Algenschleim, etc.). Es entstehen durch Übergussschichtung nach oben und vorne wachsende Gebilde oder Polster an kleinen Wasserfällen oder Stufen in Bachterrassen. Moose wachsen über ihren sich verkrustenden Teil frisch hinaus; sie wirken wie kleine Reusen und bilden ein tragendes Gerüst. So können auch größere, fragile Gehänge („Nasen") entstehen. Biotische Verunreinigungen aus Algen und Bakterien bilden relativ feine Strukturen. Sie sind poröser und leichter, wenn Moose der Fließenergie widerstehen konnten. Dieser Kalktuff ist oft noch feucht und von bröseliger Konsistenz. In den günstigsten Zeiten war er schon nach wenigen Jahrhunderten zu mächtigen Gebilden, so genannten „Kalktuffbarren", (siehe unten: "Besondere Erscheinungsfaktoren") herangewachsen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/
Schematische Darstellung zur Entstehung eines Sinters
Von den vielen Sintern in der Region ist dieser besonders stark ausgebildet und hat sich im Laufe seiner Entstehung, durch Verwitterung des leichteren Trägerbodens (Kreide), deutlich von seiner Umgebung abgehoben. Kreide ist sehr weich und verwittert schnell (z. B. Kreidefelsen auf Rügen). Dadurch konnte sich der darüber gebildete dichtere Kalksinter gut von seinem Umfeld abgrenzen.
Aufgaben zum Earthcache:
Um diesen Earthcache loggen zu können, beantwortet mir bitte die folgenden Fragen per Message (nicht Mail!). Ihr müsst nicht auf eine Antwort warten und dürft sofort loggen. Wenn etwas nicht stimmt werde ich mich melden. Leider ist es nicht mehr erforderlich Fotos vor Ort anzufertigen aber selbstverständlich würde ich mich sehr über Eure Bilder freuen!
- Seht euch die Ränder des Sinters genauer an. Bei Betrachtung der Ränder des Sinters fällt euch sicher die poröse und löchrige Struktur des Sinters auf. Was meint ihr wie diese entstanden ist?
- Was ist eurer Meinung nach ein Grund, warum dieser Sinter gerade hier so mächtig geworden ist?
- Schätzfrage: Was meint ihr wie lange es gedauert hat bis dieser Sinter sein heutiges Aussehen erlangt hat (um die Schätzung einzugrenzen beachtet dabei bitte die ungefähre Datierung der Würm-Kaltzeit)?
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Spaß beim Jubiläums-Earthcache in Siegsdorf!