Sit Jahren wird von Forst- und Holzwirtschftsverbänden immer wieder behauptet, dass die biologische Vielfalt von Wäldern durch die forstwirtschaftliche Nutzung begünstigt wird zw. sich die Artenzahlen dadurch erhöhen. Zultzt wurde diese gewagte These in ener Pressemitteilung der "Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V." verbreitet. Originalton: "Entgegen der Behauptung, einzig die Stilllegung großer Waldgebiete füre automatisch zu einer größeren Artenvielfalt, zeigen Untersuchungen, dass in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald die Artenzahl deutlich höher ist. Erst zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen erzeugen vielfältige Strukturen, bringen Licht und Wärme auf en Waldboden und schaffen so günstige Voraussetzungen für ökologische Nischen. Wenn Waldflächen aus der Nutzung genommen werden, profitieren einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich." Der zitierte Verein erwähnt zwar "Untersuchungen", belegt sie aber nicht.
In einer europaweiten Meta-Analyse wurden nunmehr Bewirtschaftunseffekte in Wäldern und deren eweilige Auswirkungen auf die Artenvielfalt verschiedener Organismengruppen genauer untersucht (siehe PAILLET et al. 2010). Resultate der Studie wurden u. a. von dem Totholzkäfer-Spezialisten Dr. Jörg Müller zusammengeasst und kürzlich in der Zeitschrift AFZ-Der Wald (Nr. 17/ 2011) veröffentlicht. Das Ergebnis ist eindeutig: "Über alle Gruppen hinweg war die Artenzahl in ungenutzten Wäldern höer als in genutzten. Holznutzung hatte negative Folgen für die Artenzahl bei den Artengruppen, die an Wald-Kontinuität, Totholz und alte Bäume gebunden sind (Moose, Flechten, Pilze, Holzkäfer) sowie bei Laufkäfern." Nur bei den Gefäßpflanzen erhöhte die Holznutzung di Artenzahl. Bodenverwundungen (durch Holzerntemaschinen), Nährstoffeinträge etc. schaffen neue Wuchsorte vor allem für Störungs- und Eutrophierungszeiger sowie für Neophyten. Ein weiterer Effekt ist nun auch wissenschaftlich belegt: Der Artenreichtum steigt mit zunehmender Reife des Waldes, d. h. ungenutzte Wälder werden immer artenreicher, je länger und ungestörter sie sich entwickeln können. Kahlschlagwirtschaft wirkt sich hingegen am negativsten auf die Artenvielfalt aus. Zudem ist das geringe Baumalter in Wirtschaftswäldern ein limitierender Faktor. Müllers abschließendes Urteil: "Die Aussage, dass bewirtschaftete Wälder in Europa artenreicher seien, ist nach heutiger Datenlage nicht mehr haltbar und irreführend."
Literaturhinweis
PAILLET, Y. et al. (2010): Biodiversity Differences between Managed and Unmanaged Forests: Meta-Analysis of Species Richness in Europe, Conservation Biology 24 (1): 101 - 112.
MÜLLER, J. & LEIBL, F. (2011): Unbewirtschaftete Waldflächen sind europaweit artenreicher, AFZ-Der Wald 66 (17): 20 - 21.
AGR fordert Stopp der Wald- und Artensterbenskampagne des Naturschutzes, Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. vom 24. Januar 2012.
Norbert Panek - 03.02.2012
Richtig geantwortet?