Geolehrweg Untersulzbachtal im Nationalpark Hohe Tauern
Der Geolehrweg „Blick ins Tauernfenster“ im Untersulzbachtal beginnt ca. 120 m südlich vom Gasthof Schütthof in Neukirchen und verläuft entlang des Naturdenkmals „Untersulzbachfall“ durch ein imposantes wie auch markantes, durch geologische Prozesse geprägtes Gelände bis zum St. Martinstollen. Von dort kann man rückläufig über den Bereich der Knappenhütte weiterführend orografisch rechts des Untersulzbaches wiederum zum Ausgangspunkt des Lehrweges gelangen oder weiter taleinwärts entlang des Almweges wandern.

Foto: Beginn des Geolehrweges © NPHT
Der Themenweg vermittelt in ansehnlicher und leicht verständlicher Weise die Entstehung des höchsten sowie größten Gebirgskomplexes der Ostalpen in Österreich - die Hohen Tauern. Er verschafft Einblicke in die historische Zeit des Kupferbergbaues im Bereich der Bergwerksanlagen des Abbaufeldes „Hochfeld“.
Zahlreiche Aussichtspunkte und Kanzeln ermöglichen zudem eindrucksvolle Blicke auf den 60 m hohen Untersulzbachfall sowie auf die landschaftliche Schönheit des Untersulzbachtales.

Karte: Übersicht über einzelne Stationen des Geolehrweges © NPHT
Geologische Besonderheiten
Das Untersulzbachtal ist durch mehrere Faktoren geprägt - unter anderem durch die landschaftliche Besonderheit des dominierenden Talabschlusses, dem Groß- und Kleinvenediger. Im Vorfeld dieses hochalpinen Szenariums setzt das mächtige „Untersulzbacher-Kees“ an. Als ausgebildeter Zungengletscher zählt er zu den eindrucksvollsten Gletschern der Ostalpen. Zusammen mit vielen kleineren Wasserfällen von den Steilflanken des Tales speist er den Untersulzbach, der nach einem 60 m hohen Wasserfall über eine Steilstufe am Talausgang die Salzach erreicht.
Weiter ist der Reichtum an Mineralien zu nennen, die in den Klüften und Gesteinsformationen des Untersulzbachtals vorkommen. Besonders das Mineral „Epidot“ hat durch seine Schönheit, Größe und Form große Bekanntheit erfahren. Besondere Epidote sind mit der Fundstelle „Knappenwand“ verbunden. Ebenso sei der Anfang des 16. Jh. erstmals erwähnte, im vorderen Untersulzbachtal gelegene und seit Mitte des 19. Jh. stillgelegte Kupferbergbau „Hochfeld“ erwähnt.
Das Tauernfenster
Im Zuge der Alpenbildung wurden Teile der überlagerten (ostalpinen) Gesteinsdecken über dem Penninikum (eine der geologischen Haupteinheiten der Alpen) durch Verwitterung abgetragen und ließen so das „Tauernfenster“ entstehen, durch welches die geologisch älteren Gesteine an die Oberfläche drangen.
Die Ursache für die an sich nur sehr langsam ablaufenden Prozesse, welche das Tauernfenster schufen, sind neben der Verwitterung die ständigen Krustenbewegungen an der Erdoberfläche. Dabei tauchen ständig alte Teile in die Tiefe und werden aufgeschmolzen. In gleichem Maße bilden sich an anderer Stelle wieder neue Gesteine. (Aus: Robert Seemann, Klaus Lewandowski: „Geolehrpfad Knappenweg Untersulzbachtal“, 2007)
Tonalitgneis
Indem große Gesteinsblöcke von eiszeitlichen Gletschern mittransportiert wurden gelangte auch Tonalitgneis, der eigentlich vom Talschluss stammt, hierher. Tonalitgneise sind hier eher mittelkörnig und weisen eine sehr geringe Schieferung auf. Charakteristisch sind auffällig große, rundliche bis längliche dunkle Flecken.

Foto: Lehrwegsstation Tonalitgneis © NPHT
Im Verlauf des Geolehrwegs trifft man bald nach dem fast senkrecht abfallenden, mit weithin sichtbaren, gelben Leuchtflechten behafteten Silikatfelsen der Wasserfallstufe, auf den Bereich der Sandablagerung.

Foto: Lehrwegsstation Sandablagerungen © NPHT
Die hier sichtbaren Sande haben sich vor mehreren zehntausend Jahren in einem Gletschersee, im vordersten Bereich des Untersulzbachtales eingelagert. Der See befand sich im Frontbereich der ehemaligen, späteiszeitlichen Gletscherzunge und wurde vorwiegend durch Endmoränen und eine markante Felsrippe aufgestaut. Im Lauf der Zeit wurde der See fast vollständig mit Sanden, Kies und Schutt aus dem Hinterland aufgefüllt. Nur der hier fehlende Ton wurde als feinster Sedimentanteil vom Wasser ausgewaschen und über den Überlauf als „Gletschermilch“ abtransportiert.
Die Felsrippe wurde am tiefsten Punkt des Überlaufes und entlang von in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Störungen im Gestein immer tiefer eingeschnitten. Im Zuge der Absenkung wurden Sedimente auch großteils wieder ausgeräumt. Heute ist der See nicht mehr vorhanden und nur noch die hangseitigen Reste der eiszeitlichen Gletschersedimente zeugen davon.
Eine weitere geologische Besonderheit stellt die weltbekannt gewordene Knappenwand dar. Diese ist von der Knappenhütte – der ehemaligen Anfahrtsstube des stillgelegten Kupferbergwerkes „Hochfeld“ - gut einsehbar. Diese Felswand gibt einen Blick in die geologische „Habachformation“. Die Formation zählt zu den ältesten Teilen des Penninikums (eine der geologischen Haupteinheiten der Alpen). Oberhalb der steilen Schutthalde, welche großteils aus Abbautätigkeiten seit 1865 im Epidotstollen herrührt, liegt das „Blauwandl“. Diese wurde nach einigen auffallend blaugrünen Streifen von Kupferverwitterungsmineralien benannt. Was die Knappenwand jedoch so weltberühmt machte sind die Funde von „vollkommenen“ Epidotkristallen mit bis zu 10 cm Durchmesser. Die hier gefundenen Epidote wurden in alle Welt verkauft und sind zum Teil Bestandteil privater und öffentlicher Sammlungen. Ein besonders schönes Exemplar befindet sich im Naturhistorischen Museum in Wien.

Foto: Blick auf die Knappenwand © NPHT

Foto: Lehrwegsstation Knappenwandblick © NPHT
Folgt man dem Lehrweg weiter, so gelangt man zum Mundloch des St. Martinstollens des ehemaligen Kupferbergwerkes Hochfeld. Der Bereich des ehemaligen Kupferbergwerkes ist aus bergrechtlichen Vorschriften heraus nur mit einem kundigen Führer der Nationalparkverwaltung Hohe Tauern begehbar. (Informationen diesbezüglich erhalten Sie in der Nationalparkverwaltung Hohe Tauern, Mittersill)

Foto: Martinstor © NPHT
Hier blickt man in das Gebirgsmassiv der Hohen Tauern.

Foto: Gebirgsfalten © NPHT
Als besonderes Highlight wird ein ca. 170 kg schwerer Bergkristall in Szene gesetzt

Foto: Bergkristall © NPHT
Der Themenweg führt wieder rückläufig bis zur Station Nr. 9 „Bachgerölle“. Hier besteht die Möglichkeit, über einen Wanderweg mit auskragenden Aussichtskanzeln, welche einen beeindruckenden Aus- und Tiefblick ermöglichen, zum Ausgangspunkt des Geolehrweges zu gelangen.
Gesamtgehzeit ca. 3,5 bis 4 Stunden (mittelschwere Wanderung)

Karte: Wegverlauf Geolehrweg © NPHT
Hinweis: Diesen EarthCache bitte nur am Tag und bei entsprechenden Witterungsverhältnissen im Sommer (Mai bis Oktober) mit passender Ausrüstung (feste Bergschuhe, Rucksack mit Getränken und Proviant) besuchen; unbedingt nur entlang des gekennzeichneten Lehrweges gehen und auf naturfreundliches Verhalten achten!
Frage: Wie ist es zu erklären, dass dieser Tonalitgneis ohne menschliches Zutun hierher gelangen konnte?
Frage: Betrachte die sichtbaren Sande – sind sie eher feinkörnig und von gleichmäßiger Korngröße oder zeigen sich auch große Kieselsteine? Warum ist das wohl so?
Frage: Weswegen erlangte die „Knappenwand“ ihren weltweiten Bekanntheitsgrad?
Frage: Was wurde im Bergwerk Hochfeld vorwiegend abgebaut?
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