Die Serie besteht aus:
Leseratte 1 - Märchen
Leseratte 2 - Kinderliteratur
Leseratte 3 - Deutsche Klassiker
Leseratte 4 - Fantasy
Leseratte 5 - Manga
Leseratte 6 - Griechisch-römische Mythen
Leseratte 7 -Literatur des 20. Jahrhunderts
Leseratte 8 - Mittelhochdeutsch
Leseratte 9 - Krimi
Leseratte Bonus
An den oben angegeben Koordinaten werdet Ihr wie immer nichts finden.
Bei den folgenden Zitaten handelt es sich um Werke aus einer vergangen Zeit und einer vergangen Sprachstufe. Es handelt sich um Werke aus dem Mittelalter. Dass heißt, dass die Zitate natürlich auf Mittelhochdeutsch und auf Althochdeutsch sind. Die Zitate wurden gängigen Ausgaben, wie sie an Universitäten verwendet werden, entnommen. Es handelt sich auch nur um berühmte, also kanonische Werke. Ausschließlich wurden Werke aus den Gattungen des höfischen Romans und der Heldenepik ausgewählt (wobei es bei dabei auch einen fließenden Übergang und Vermischungen gibt). Es wurden also kein Minnesang/Sangspruch und keine geistliche Literatur verwendet. Es kann von einem Autor mehrere Werke vorkommen und auch aus einer Sage/Stoffkreis (im sehr weitgefassten Sinne, trotzdem handelt es sich um eigenständige Werke). Es ist so, dass die Werke zur damaligen Zeit auch in altfranzösisch und mittelenglisch existiert haben und natürlich auch in noch anderen Sprachen und Regionen in Europa. Oftmals hängen die Geschichten, die man sich erzählte irgendwie zusammen und sind doch wiederum eigenständige Erzählungen. Für Germanisten und alle die sich mit der Sprache des Mittelalters beschäftigen, sollten diese Zitate kein Problem darstellen. Wer sie natürlich im Original gelesen hat, kann/sollte sie auch schnell(er) erkennen.
Für alle anderen seien folgende Hinweise:
- Es ist deutsch! Es ist keine Fremdsprache!
- Denkt an euren Dialekt, im Dialekt hat einiges bis heute überlebt.
- Es gab im Mittelalter noch keine Standartsprache wie wir es heute kennen, sondern regionale Dialekte und Variationen. Wie ihr sehen werdet, unterscheidet sich auch die Sprache im Detail je nach Zitat.
- î entspricht häufig unserem heutigen ei. Z.B.: bî = bei; mîn = mein
- häufig fehlt unser heutiges Dehnungs-h. Z.B.: ir = ihr; in = ihn (oft, aber nicht immer)
- ^ = Längenanzeiger (Vokal wird lang gesprochen, also kein Umlaut)
- Eine einheitliche und durchgängige Groß- und Kleinschreibung, wie wir es heute kennen, gab es noch nicht. Es wurden manchmal wichtige Wörter großgeschrieben. Häufig wurde die Groß-/Kleinschreibung auch durch die Editoren verändert.
Um an die Koordinate zu kommen müsst ihr die Fragen beantworten. Die Fragen beziehen sich immer auf das gesamte mittelhochdeutsche Werk. Es ist nicht nötig den Titel des Werkes anzugeben (aber darauf kommen muss man natürlich schon). Die Lösungen sind so gewählt, dass es keine Varietäten in der Schreibung gibt (zumindest so weit mir bekannt ist).
Viel Spaß beim Erkunden der Anfänge unserer literarischen Vergangenheit!
„Daz lobten se al gelîche.
die herzoginne rîche
si vrâgten, ob das her waer ir.
diu sprach ’ir sult gelouben mir,
ich erkenn da weder schilt noch man.
der mir ê schaden hât getân,
derst lîhte in mîn lant geriten.
und hât vor Lôgroys gestriten.
ich waen die vant er doch ze wer:
si heten strît wol disem her
an zingeln unde an barbigân.
hât dâ rîterschaft getân
der zornege künec Gramoflanz,
sô suochter gelt für sînen kranz:
oder swer si sint, die muosen sper
ûf geriht sehn durch tjoste ger.’
ir munt in louc dâ wênec an.
Artûs schaden vil gewan,
ê daze r koeme für Lôgroys.“
Der Held entschließt sich seine Frau zu verlassen. Obwohl sie sich lieben und sie schwanger von ihm ist, wobei unklar bleibt, ob er das auch weiß. Er zieht aus um seine Mutter wieder zu finden. Doch er eröffnet seiner Frau, dass er nach dieser Aktion nicht zu ihr zurückkommen werde. Warum? Auf was für eine Fahrt geht er?
(2)(mit Präposition)
2.)
„Die botschaft belîben si liezen manic jâr.
sich huoben ander maere - diu rede <ís<> àlwâ'r -
von einem künige jungen : Herwec was er genennet,
den sach man of te in prise; dà von <man> noch den recken wol erkennet.
Der begunde werben, ob in diu schcenemeit
ze friunde nemen wolte. mit grôzer arbeit
versuochte er ez ofte und mit sînem guote.
ob ez diu maget nu taete, sô was es dem kiinic Hetelen niht ze muote.
Swie der helt gebârte, swaz boten darumbe reit,
der man dâ ervârte, daz was im grimme leit.
des was sin stolzez herze gebúndén mit swaere.
er tete dem wol gelîche, daz er bî ***gerne waere.“
In wie viele Teile gliedert sich das Werk?
(1)
3.)
„Ez naehet nu vreude und klage
und dem helflichen tage
und der kümfteclichen zite,
und daz der sorclichen bite
mit vreuden ein ende wart gegeben,
da Gyburc inne muoste leben,
diu selbe dicke wapen truoc.
swie vil ir vater des gewuoc,
daz er si wolde überkomen,
ίο si sprach 'ich han den touf genomen
durh den der al die creatiure
geschuof, daz wazzer und daz viure,
dar zuo den luft unt die erden,
der selbe hiez mich werden,
und allez daz lebehaftes ist.
solt ich durh Mahmeten Christ
unt den marcraven verkiesen,
unt minen touf Verliesen,
unt manege werdecliche ger,
die under schilde mit dem sper,
mit helme verdecket,
so dicke hat volrecket
der marcrave mit heldes tat
und noch vil guoten willen hat
ze dienen nach miner minne?“
Die Ehefrau dieses Helden kommt aus einem fernen Land und bekennt sich vor ihrer Hochzeit zum Christentum. Damit erhält sie einen neuen Namen. Aber wie hieß sie vorher mit Vornamen?
(1)
4.)
„Ich weiz wol das Jûdas
niht riuwiger was
dô er sich vor leide hie
danne ouch diu zwei nû hie.
ouch entrûrte Dâvît
nihtes mêre zuo der zît
dô im kâmen mære
daz erslagen wære
Saul unde Jônathas
und Absalôn der dâ was
sîn sun, der schœniste man
den wîp ze sun ie gewan.
swer ir jâmer und ir klagen
vol an ein ende solde sagen,
der müese wîser sîn danne ich.
ez wære ich wæne unmügelich
daz ez iu mit einem munde
iemen vól gesagen kunde.“
Mit welchem Motiv wird an den biblischen Jonas und noch deutlicher an Moses erinnert?
(1)
5.)
„Daz smæhen daz vrou Lûnete
den herren *** tete,
daz gæhe wider kêren,
der slac sîner êren,
daz sî sô von im schiet
daz sî in entrôste noch enriet,
daz smæhlîche ungemach,
dazs im an die triuwe sprach,
diu versûmde riuwe
und sîn grôziu triuwe
sînes stæten muotes,
diu verlust des guotes,
der jâmer nâch dem wîbe,
die benâmen sînem lîbe
vil gar vreude und den sin.
nâch einem dinge jâmert in,
daz er wære etewâ
daz man noch wîp enweste wâ
und niemer gehôrte mære
war er komen wære.“
Es ist typisch sich zu dieser Zeit sich auf Quellen zu berufen, statt eine Geschichte neu zu erfinden. Dieses Werk hat eine altfranzösische Quelle, an die sich relativ genau gehalten wird. Wie heißt der Autor der altfranzösischen Quelle?
(3)
6.)
„nû sach er wâ gegen im schein
ein hûs geheizen Tulmein,
der wirt der herzoge Îmâîn,
dâ reit der ritter vor im in:
dâ wart er emphangen wol,
sô man ze vriundes hûse sol
und als dem wirte wol gezam.
ich sage iu durch waz er kam
mit sîner vriundîn.
ez hete der herzog Îmâîn
hôchzît dâ vor zwei jâr:
saget diu âventiure wâr,
sô hete er si dô zem dritten.
an eine wise enmitten
hete er hôhe an eine stat
einen sparwaere ûf gesat
ûf eine stange silberîn.“
Welchem Vergehen machen sich die Helden aus Liebe schuldig, sodass sie das Regieren ihres Königreichs vergessen und sich die Untertanen vernachlässigt werden?
Hier wird ein mittelhochdeutscher Ausdruck gesucht. Dieser ist aber sehr gängig und elementar für die Geschichte und die Interpretation des Werkes.
(1)
7.)
„Ik gihorta dat seggen,
dat sih urhettun aenon muotin,
*** enti *** untar heriun tuem.
sunufatarungo iro saro rihtun.”
In diesem besonderen Werk geht eine Hauptfigur mit jemand anderem ins Exil, die beiden kämpfen gegen einen weströmischen Offizier. Hierfür gibt es einen historischen Kern. Aber in einer späteren Erzähltradition wird ein Gotenkönig als Grund für das Exil angegeben. Wie ist dessen Name?
(1)
8.)
„uns ist in alten maeren wunders vil geseit
von helden lobebaeren, von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hoeren sagen.
Es wuohs in *** ein viel édel magedîn,
daz in allen landen niht schoeners mohte sîn,
*** geheizen: si wart ein scoene wîp.
Dar umbe muosen degene vil verliesen den lîp.“
Ich denke, dass fast alle dieses Werk kennen. Der Held ist aber wahrlich nicht helle bei genauer Betrachtung, hat aber sein Schwert ist für ihn ein wichtiges Utensil. Er selbst hat es genaugenommen nicht in diesem Werk erstritten. Aber das wird als eine seiner Jugendtaten in ein paar Sätzen am Anfang der Geschichte erwähnt. Wie heißt das Schwert?
(1)
9.)
„***,*** cumpanjûn,
dô er sî ze Carliûn
haete getragen an den stat
und geleistet dâ des sî’n gebat,
er vour des selben mâles
von Engelant ze Swâles
zem herzogen Gîlâne.
der was dô wîbes âne
und was junc unde rîch,
vrî unde vrôlich.
dem was er grôze willekomen.
der haete ouch ê von ime vernomen
vil manlîcher dinge
und vil seltsaener linge.
der was vil harte sêre
vervlizzen an sîn êre,
an sîne vröude, an sîn gemach.“
Die Elternvorgeschichte des männlichen Hauptdarstellers ist elementar für dieses Werk und soll sich bei den beiden Hauptfiguren wiederholen. Wie hieß also die Mutter vom Helden?
(1)WW=I
(10.)
„Do di cristen wol gár
beraiten ir zwelf scár
unt ander warte habeten,
Adalrot dar zuo drauete;
er sprach: "bistu hi, ***?
Machmet hat dich mir zu gesant.
daz ist min lehen
uon Marsilie minim herren,
daz ich din houbit abe slahe
unt iz fuor den chunc trage.
Crist der din herre
ist dir hiute uil uerre;
sin wirt uil uobele ‹an dir› gesconet.
wi hat dir nu Peter gelonet?
nu ist er ze Rome,
nu bistu hi zedem tode.
tump was der kaiser din ohaim;
sin wistum uobel dar an scain
daz er dich hinter im uirliez.
ich bewille hiute min spiz
in dinem herce bluote
durch dine groze uobermuote.
dinen potich wirfe ich in den graben:
Yspania mac wol uor dir uride haben
unt al werlt chrone.
du ne gesagest iz niemir mere ze Rome."“
(1) WW Name des Helden=J
11.)
„Nû sprâchen si alle gelîche
beide arme und rîche,
ez wære ein michel vuoge.
dâ wâren phaffen genuoge:
die gâben sî im ze wîbe.
nâch süezem lanclîbe
dô besâzen sî gelîche
daz êwige rîche.
alsô müezez uns allen
ze jungest gevallen!
den lôn, den sî dâ nâmen,
des helfe uns got. âmen.“
Im Prolog jedes Werkes dieser Zeit beschreibt sich unter anderem der Verfasser selbst. Dieser Prolog sehr berühmt und oft zitiert, da wir hier einmalige Hinweise auf das Leben des Verfassers bekommen. Er nennt seine Berufe im Prolog. Der erste erwähnte Beruf hat sich in dieser Form nicht bis in unsere Zeit rübergerettet. Durch das auftauchen von Feuerwaffen, war dieser Beruf mit dieser bestimmten Ausrüstung einfach überflüssig. Aber der zweite von ihm ausgeübte Beruf hat sich bis heute erhalten. Die Menschen, die diesen Beruf ausübten schlossen sich zu einem Stand zusammen. Wie wird dieser Beruf heute genannt?
Tipp: Max Weber hat sich am Anfang des 20. Jh. häufig über diese Schicht ausgelassen und heute wird sie immer wieder aus verschiedenen Gründen kritisiert.
(1, Plural)