Das figürliche Relief der Hauptseite zeigt drei Personen, die an einem Altar ein unblutiges Opfer darbringen. Rechts und links des Altars steht je eine Frau, die mit einem hoch gegürteten Untergewand und einem Mantel bekleidet ist. Die größere der beiden Frauen zeichnet sich durch eine so genannte Matronenhaube aus, die ein einheimisch-ubisches Trachtelement der verheirateten Frauen ist. Gegenüber der Frau mit dem offenen langen Haar wird ihr der höhere soziale Rang zugewiesen. Diese Stellung kommt auch in ihrer Körpergröße bildlich zum Ausdruck (‛Bedeutungsgröße’). Die eigentliche Ausführung des Opfers kommt der verheirateten Frau zu. Die andere Frau am linken Bildrand nimmt gleichwohl an der sakralen Handlung teil. Die kleinere männliche Gestalt im Hintergrund, die einen gallischen Mantel übergeworfen hat, stellt einen Opferdiener dar. Die Inschrift des Weihesteins ist oberhalb der Opferszene eingemeißelt:
Mercurio Iul(iae) / Terti(a) et Nativa / v(otum) s(olverunt) l(ibentes) [m(erito)].
Für Merkur erfüllten Iulia Tertia und Iulia Nativa dankbar ihr Gelübde, da er geholfen hatte.
Im Bildschmuck des Weihesteins ließen sich die Stifterinnen bei der einmalig ausgeführten Opferhandlung wiedergeben und dokumentierten auf diese Weise dauerhaft ihr eingelöstes Gelübde. Der Weihestein ist als Erinnerungsmonument zu verstehen.
Mercurius (eingedeutscht Merkur) war ein Gott in der römischen Religion. Sein Name geht auf das lateinische Wort merx, Ware, zurück. Er wurde mit dem griechischen Hermes gleichgesetzt. Dessen Herkunft und übrige Eigenschaften wurden auf ihn übertragen. Er gilt als der „Götterbote“, Gott der Händler und Diebe. In Rom wurden die Mitglieder der Zunft der Kaufleute mercuriales genannt.
In den keltischen und germanischen Provinzen war die Verehrung von Merkur sogar stärker als in Rom selbst. Darauf weisen hunderte von Funden hin, bei denen es sich zumeist um Inschriften auf Weihesteinen aus Bronze handelt. Das Original zu diesem Weihestein ist (ebenso wie die Replik) aus Sandstein gefertigt. Dieses Material war in der Kölner Bucht wohl im Übermaß vorhanden, für Weihaltäre wurde jedoch meist der hellere und bisweilen marmorähnliche Kalkstein vorgezogen. Sandstein ist viel weniger widerstandsfähig als Kalkstein, weswegen die Inschrift auch beinahe unleserlich und die Figuren im Relieffeld stark verwittert sind. Die Darstellung auf diesen Steinen, die in den germanischen Rheinprovinzen gefunden wurden, ist von der Form und dem Ausdruck her römisch, aber die Namenskomposite sind germanischer Herkunft, verbunden mit dem Stiftungszweck und einer bestimmten Personengruppe, seien es einzelne Stämme oder ein lokaler Bezug.
Bitte Vorsicht: viele Muggel - auch hinter den Scheiben des Nachbarhauses - Büro! Erhöhte D-Wertung aufgrund der hohen Muggeldichte. Das Versteck könnte euch - in leicht veränderter Form - von diesem Oldie bekannt vorkommen: GC1B672
Quellen: