Die rechte Stimmung
Die Stimmung von Tasteninstrumenten (Orgel, Cembalo, Klavier) wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Bis in das 17. Jahrhundert hinein, konnte man nämlich auf Tasteninstrumenten nicht in allen Tonarten rein spielen. Eine Tonreihe, die in reinen Quinten aufwärts gestimmt wird, müsste theoretisch nach 12 Stufen wieder den Grundton ergeben; z.B. c-g-d-a-e-h-fis-cis-gis-dis-ais-f-c
Allerdings ist das höhere c um das sog. pythagoreische Komma zu hoch. Bevor die temperierte Stimmung aufkam, versuchte man, möglichst viele Quinten rein zu stimmen. Das war die sogenannte „mitteltönige Stimmung“. Einige Quinten - und damit Tonarten - waren unbrauchbar und konnten nicht verwendet werden. Diese Stimmung kann man gelegentlich noch bei sehr alten Orgeln antreffen.
Andreas Werckmeister begann ab 1681 nach und nach die bis dahin gültige mitteltönige Stimmung so zu erweitern, dass die Tonarten des gesamten Quintenzirkels spielbar wurden. Er schuf damit die „temperierte Stimmung“. Nun waren alle Dur- und Molltonleitern spielbar. Werckmeister bemühte sich auch, die Tonartencharakteristik zu erhalten. Johann Sebastian Bach hat in seinem Werk „Das Wohltemperierte Klavier“ (1. und 2. Teil) Präludien und Fugen in allen Dur und Molltonarten vorgelegt, um die neuen Möglichkeiten zu demonstrieren. Die beiden Sammlungen gelten heute als das „Alte Testament“ der europäischen Musiktradition und sind ein Höhepunkt des Barock.
Da auch die temperierte Stimmung nicht völlig befriedigen konnte, gab es schon bald Bestrebungen, die sogenannte gleichstufige Stimmung zu etablieren. Diese Stimmung hat sich heute für Tasteninstrumente durchgesetzt. Die Tonartencharakteristik geht durch die heutige Stimmung leider verloren.

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