Quellen sind ausgesprochen empflindliche Biotope. Zwischen den Lebensräumen verschiedener, auch benachbarter Quellen findet praktisch kein Austausch statt. Das schreibt der BUND dazu:
"Quellen als besondere Biotope
Definitionsgemäß (DIN 4049) sind Quellen natürliche räumlich eng begrenzter Grundwasseraustritte an der Erdoberfläche d.h. eine wichtige Schnittstelle zwischen Grundwasser und oberirdischen Fließgewässern wie Bäche und Flüsse. Als Anfang der Fließgewässer sind sie mitbestimmend für deren Reinheit und somit für die Qualität unseres Trinkwassers. Als zentrale Bestandteile des Wasserkreislaufs sind sie von einer intakten Umwelt abhängig. Alle Belastungen und Verschmutzungen, denen das Wasser auf seinem Zyklus durch die Biosphäre ausgesetzt ist, treten in den Quellen wieder zum Vorschein. Quellen sind Spiegelbilder unserer Umwelt, ein Indikator für den ökologischen Zustand einer Landschaft. Aber auch viel mehr als bloße Wasserspender und von besonderer Bedeutung: sie stellen Grenzlebensräume dar mit einer einzigartigen und speziell an die extremen Lebensbedingungen angepasste Tier- und Pflanzenwelt. Die wichtigsten Besonderheiten des Lebensraums Quelle:
- Kleinräumigkeit und gleichzeitige Komplexität. Quellen sind Schnittstellen von verschiedenartigen, aquatischen u. terrestrischen Lebensräumen; die Vielfalt der Substrate und Ausgangsmaterialien führt zu einem Mosaik kleiner und auf Umwelteinflüsse sehr sensibel reagierender Teillebensräume.
- Konstanz der Lebensbedingungen wie a) ganzjährig gleichbleibende Niedrigtemperatur von 6-8°C, da vom Grundwasser abhängig. Dadurch werden sie zu Rückzugsgebieten, sog. Refugialräumen für Arten die "früher" allgemein verbreitet waren und heute nur hier existieren können wie die Quellschnecke, eine typische Tierart der Eiszeit; ein Relikt, das unwiederbringlich vernichtet wird, wenn Quellen zerstört werden b) Sauerstoffarmut beim Wasseraustritt c) Nährstoffarmut, die bedingt, dass Quellbewohner auf "Stoffzufuhr" von Außen wie Falllaub oder tierische Abfallprodukte angewiesen sind.
- die Kleinräumigkeit der meisten Quellstandorte; sie liegen oft isoliert und kilometerweit von der Nachbarquelle entfernt. Alles dies bedingt, dass die extrem angepassten „Spezialisten-Arten „ isoliert und zahlenmäßig limitiert gegenüber kleinsten Störungen sehr empfindlich reagieren. Bereits geringfügige Umweltveränderungen können sich so negativ auf das Gleichgewicht des Quellökosystems auswirken, dass es zu vollständigen Verlust der typischen Quell-Flora und -Fauna führt. Die Isolation bietet nämlich einerseits eine Chance für die Evolution, erhöht anderseits gleichzeitig die Verletzlichkeit des Biotops. Ein genetischer Austausch zwischen den Populationen verschiedener Quellstandorte findet kaum statt. So existieren in vielen Quellen nur hier (endemische) vorkommende Populationen, aus denen sich im Laufe der Zeit neue Arten entwickeln könnten. Die Verinselung bedeutet auch, dass es nach einer Schädigung Jahre dauern kann, bis sich die quelltypischen Bewohner wieder eingestellt haben, bei endemischen Arten bedeutet es jedoch Ausrottung."