Kunst und Krempel - Herr K. , die KoKo und der Klosterkirchenklau
Heute ist der Trebnitzgrund fast so unberührt und still wie vor 40 Jahren. Neben dem friedlich plätschernden Bach verläuft ein kleiner Fahrweg. Versteckt hinter hohen Fichten lädt eine Ferienpension lärmgeplagte Städter zur Erholung ein. Niemand ahnt, was sich einst hier abspielte…
Anfang der 1970er Jahre war Herr K. privater Antiquitätenhändler in Pirna. Der gewiefte Geschäftsmann, welcher einst als kleiner Trödler angefangen hatte, war damals eine stadtbekannte schillernde Persönlichkeit. Aber man mied lieber den allzu engen Umgang mit ihm. Schien doch Geld augenscheinlich kein Problem für ihn zu sein – man munkelte von Millionen… Bald brauchte er immer mehr Lagerräume, firmierte schließlich gar als Geschäftsführer der DDR-weit wohl einmaligen „Antikhandel Pirna GmbH“. In dem Ladengeschäft auf der Langen Straße, dekoriert mit alten Möbeln, Porzellan und Puppen, lag im Schaufenster das dezente Schild „Nur Ankauf“ – und jeder konnte sich selbst zusammenreimen, dass diese ganzen alten Dinge, Kunst und Krempel, wohl für harte Währung auf Nimmerwiedersehen gen Westen entschwanden… (Erst nach der Wende wurden tatsächlich seine Geschäftsverbindungen als Aufkäufer für die KoKo bekannt.)

Zu jener Zeit kaufte der erfolgreiche Händler die abgelegene Hinkelmühle im Trebnitzgrund, um sie als luxuriösen Wohnsitz für sich und seine Frau Annelies ausbauen zu lassen – ohne die üblichen Materialprobleme, dafür mit Granit, Edelhölzern und bester Haustechnik, natürlich garniert mit Antiquitäten. Erstaunlich: Sogar das Legen von Wasser-, Telefon- und Stromleitung in dieses unerschlossene Tal stellten - mitten in tiefsten DDR-Zeiten - kein Problem dar!
Da sein Geschäft sehr hoch in Schalcks Schattenreich angebunden war, konnte ihm anscheinend niemand etwas anhaben. Allerdings, mit seinem auffallenden Lebensstil, Westwagen und suspekten Geschäftspartnern, war er wohl den örtlichen Behörden ein erheblicher Dorn im Auge. Somit stand er unter scharfer Beobachtung, ob er sich womöglich nicht doch einmal etwas Illegales zuschulden kommen ließe.
Eines Tages nun geschah ein Aufsehen erregender Kunstraub aus einer Meißner Museumskirche, bei dem verschiedene wertvolle historische Gegenstände, u. a. das Meißner Richtschwert und eine handgeschriebene Bibel, spurlos verschwanden. Irgendjemand wollte erfahren haben, dass diese Diebesbeute Herrn K. als heiße Hehlerware vorgelegt worden sei. Ob wahr oder nicht, es war jedenfalls der willkommene Anlass dafür, dass im Morgengrauen des 18. April 1974 Pirnaer Polizei und Stasi im beschaulichen Trebnitzgrund anrückte, um Herrn K. aus seinem Bett weg zu verhaften und sein Anwesen gründlich auf den Kopf zu stellen. Seine häusliche Kunstsammlung im Wert von 1,5 Millionen DDR-Mark wurde beschlagnahmt, und er sollte nie mehr hierher zurückkehren.
(* nachzulesen unter Pressglas-Korrespondenz 2010-1, Seite 292 ff. ; oder http://www.suite101.de/content/das-ddrimperium-aus-kunst-und-krempel-a67842#ixzz1CnWHJ5Wx )
NEU 2018 in Buchform: Christopher Nehring, "Millionär in der DDR", Büchner Verlag