Der römische Limes sollte kein unüberwindbares Verteidigungsbollwerk darstellen. Er bildete aber ein wirkungsvolles Hindernis, um Raubzüge kleiner Banden zu vereiteln und diente als Signalsystem, umfangreichere Angriffe der Germanen im Vorfeld aufzuspüren. Von Turm zu Turm wurde die Meldung eines Überfalls mit Feuer- und Rauchzeichen oder auch mit akustischen Signalen bis zum nächsten Kastell weitergegeben. Von hier aus rückte die Kastellbesatzung aus, um die Eindringlinge abzufangen. Der Limes diente in erster Linie aber zur Überwachung des Grenzverkehrs.
Der Wachtturm stand parallel zum Grenzwall, der im unmittelbaren Bereich vor dem Turm als Durchlass unterbrochen war. Der Eingang befand sich, wie bei vielen anderen Türmen auch, im ersten Obergeschoss und wurde über eine Leiter erstiegen.Vom Wachtposten 1/65 aus hatte die Besatzung eine weite Aussicht über das Vorland. Sie konnte mit dem Wachtposten 1 / 60 auf dem Römerbusch und mit dem Wachtposten 1/71 beim Kleinkastell Hillscheid direkt in Verbindung treten.
Zahlreiche Durchgänge für den grenzüberschreitenden Verkehr sind nachgewiesen. An einem solchen alten Durchlass liegt auch der WP 1/65. Bei den Ausgrabungen wurde in einer Palisade eine Unterbrechung für eine rund 3 m breite verschließbare Pforte festgestellt. Wall und Graben dahinter waren etwa 14 m weit unterbrochen. Ein alter Handelsweg kreuzte hier den Limes. Es handelt sich um eine heute noch auf weiter Strecke bestehende Wegverbindung von Vallendar über den Wandhof nach Höhr-Grenzhausen. Dass mit dem freien Germanien ein blühender Handel betrieben wurde, belegen zahlreiche archeologische Funde, die außerhalb der provinzial-römischen Gebiete entdeckt wurden und eindeutig als römisches Importgut anzusehen sind.