Die Itzendorfer Plate
- Das Streben nach Ausgleich im Wattenmeer
Hinweis!!!
Ihr befindet euch im Naturschutzgebiet und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Damit dieses Welterbe in seiner Schönheit jedem zugänglich und erhalten bleibt, verhaltet euch bitte dementsprechend sorgsam. Es ist nicht erwünscht die Itzendorfer Plate zu betreten, da diese Flächen zu den Ruhezonen des Nationalparks zählen.
Dieser Cache ist nur bei Niedrig Wasser (NW) machbar, informiert euch vorher in einem Gezeitenkalender.
Begebt euch nicht zu weit hinaus, das Wattenmeer birgt Gefahren die lebensgefährlich sein können, es gibt u.a. Schlickschichten in denen man stecken bleiben kann oder schnell einsetzender dichter Nebel.
Einleitung
Bei der Itzendorfer Plate handelt es sich heute „nur“ noch um eine ca. 10km x 2km große Sandbank, also eine Erhebung im Wattenmeer, aber das war nicht immer so. Bis zur großen Weihnachtsflut im Jahre 1717 war Itzendorf eine Ansiedlung mit Hafen, die das Zentrum der Torfsalzgewinnung in Ostfriesland darstellte. 1771 richtet die Neujahrsflut an der Nordsee verheerende Schäden an. Itzendorf wurde dabei völlig zerstört und nach erfolglosen Instandsetzungsversuchen wurde die alte Deichlinie 1721 endgültig aufgegeben und Itzendorf damit ausgedeicht. Die geologische Entstehung Itzendorfs zum Land aus dem Meer und später wieder zur Sandbank möchten wir euch nun vorstellen. Alle Ostfriesischen Inseln und weite Teile des Festlandes an der Nordsee sind so entstanden und bestehen aus marinen Ablagerungen (Sedimenten) der Nordsee.
Karte der Ostfriesischen Inseln von Maximilian Dörrbecker
Wie aus dem Meer Land wird
Damit aus dem Meer Land wachsen kann müssen viele zumeist geologische Faktoren an einem Ort zusammenspielen. Einer dieser Faktoren ist das Wattenmeer, darunter versteht man bestimmte Küstenbereiche eines Meeres, die unter einem starken Einfluss der Gezeiten stehen. Diese fallen regelmäßig zweimal täglich während der Niedrigwasserzeit (Ebbe) trocken und sind während der Hochwasserzeit (Flut) überflutet. Die bei Ebbe trocken fallenden Flächen der Flachküsten mit Sand- oder Schlickwatten bezeichnet man als Wattflächen. Bei einem Wattenmeer verfügt der Boden nur über ein geringes Gefälle, wobei der Höhenunterschied im Allgemeinen weniger als einen Meter auf einer Länge von einem Kilometer aufweist. Durch Flüsse werden feinkörniges Material und Schwebstoffe dem Meer zugeführt, deshalb wirkt das Wasser in der Nordsee oft trüb. Auch durch Winde gelangen kleinste, feste Bestandteile in das Meer. Durch die Gezeiten findet im Wattenmeer ständig Bewegung statt, lediglich zur Hochwasserzeit kommt das Meer zur Ruhe und das ist der Zeitpunkt an dem sich diese schwebenden Partikel auf dem Meeresgrund ablagern. (Die verschiedenen Arten des Sedimentwatts und ihre Unterscheidungen sind sehr anschaulich in dem EarthCache „Sedimentzonen im Wattenmeer“ dargestellt.) Dieser Prozess wiederholt sich Tag für Tag und Jahr für Jahr bis an einigen Stellen so viel Material abgelagert worden ist, dass sie zu Untiefen werden, später zu Sandbänken, wenn diese täglich trockenfallen werden sie als Plate bezeichnet. Gebiete, die gar nicht mehr überflutet werden heißen Inseln. Erst dann können sich Pflanzen ansiedeln, die wiederum weitere feine Bestandteile „auffangen“ können und durch abgestorbenes Material zusätzlich zum Wachstum des Landes beitragen. Dieser Prozess dauert Tausende von Jahren wird aber gerade hier durch die vorgelagerte Inseln begünstigt, die einen natürlichen Schutz vor der Brandung des offenen Meeres darstellen und so den seewärtigen Ebbstrom bremsen.

Blick auf das Watt in Richtung Itzendorfer Plate
Wie aus dem Land wieder Meer wird
Aus dem Meer entsteht nicht nur Land, es findet auch mit jeder Welle eine Abtragung kleinster Partikel statt. Diese Erosion ist besonders großflächig und verheerend nach Sturmfluten. Hierbei kommt es dann oft zu Zerstörungen von durch Menschen geschaffene Schutzmaßnahmen, wie Dämme. Auch Itzendorf wurde ein Opfer solch einer Sturmflut, aber kein Zufälliges. Der Ablagerungs- und Abtragungsprozess des Meeres ist abhängig von der Strömung. Das Meer „fließt“ nicht geradlinig ab, sondern kommt aus westlicher Richtung und trägt dabei permanent Partikel in Richtung Osten ab. Nachvollziehen kann man diesen Effekt an den „wandernden“ Inseln, gut dargestellt im EarthCache „Neues Land“. Verstärkt wurde dieser Abtragungsprozess durch die Tatsache, dass weite Landflächen im Deichvorland durch Torfabbau abgesenkt wurden und diese damit den Sturmfluten stärker ausgesetzt waren. Die Ausspülung des Landes wurde dann unglücklicherweise noch weiter verstärkt durch vier Deichdurchbrüche. Hinter dem zum Schutz dienenden Deich entstanden tiefe Kolken. Hierbei handelt es sich um eine kleine Vertiefung am Grund strömender Gewässer, also um Erosionserscheinung. Hierbei wird der Untergrund förmlich ausgespült und das Material, in diesem Fall Sand gänzlich abgetragen. Es bleiben durch die Strudelwirkung zum Teil riesige trichter- oder kesselförmige Vertiefungen von mehreren Metern Tiefe zurück. Wenn diese nicht umgehend künstlich aufgefüllt werden, dann geschieht dies in kürzester Zeit auf natürlichem Wege durch das Meer selbst. Die natürliche Verfüllung dieser Kolke geschieht dann aber mit Material (Sand) aus der näheren Umgebung und senkt diese zum Teil unter dem Meeresspiegel. So wie mit Itzendorf geschehen. Als letzte Maßnahme blieb damals nur das Gebiet auszudeichen, um den Abtrag von noch mehr Land zu unterbinden. Abschließend kann man feststellen, dass das (Watten-) Meer immer nach Ausgleich strebt und die Landbildung und –abtragung selbst vornimmt. Der Mensch kann nur durch Bauwerke versuchen diesen Vorgang abzuschwächen oder zu mindern, verhindern wird er es nicht können.

Schema einer Auskolkung in der Gewässersohle
Begebt euch an die angegebenen Koordinaten, beantwortet die folgenden Fragen und schickt uns hierdie Antworten.
Ihr dürft gleich loggen, wenn es Probleme gibt dann melden wir uns.
Schön wäre es, wenn ihr ein Foto mit hochladen würdet, dies ist zum Loggen des Caches aber nicht zwingend erforderlich.
Fragen:
Schaut euch von eurem Standpunkt aus um. In Richtung Norden erkennt ihr die Itzendorfer Plate als Untiefe.
1.Wie könnte die weitere Entwicklung der Plate in Zukunft aussehen?
(Begründet eure Theorie anhand des Listings und den Gegebenheiten vor Ort!)
Begebt euch nun zwischen den Holzpfählen ein paar Schritte nach Norden.
2.a) Was für ein Untergrund (Sedimentzone im Watt) liegt hier vor?
b) Unterscheidet sie sich mit der direkt am Strand?
Nun sollt ihr den Prozess des Ausgleiches mit einem kleinen Experiment nachvollziehen. Hebt dafür in Ufernähe ein ca. 10cm tiefes Loch aus und legt den Aushub direkt daneben. Sollte sich am Grund des Loches kein Wasser befinden so füllt ein wenig (ca. 200ml) hinein.
3.Schildere uns deine Beobachtungen.
Was sieht man:
a)sofort?
b)Nach 2 Minuten?
c)Nach 5-10 Minuten?
Quellen / Bilder / weitergehende Informationen:
Murawski / Meyer: Geologisches Wörterbuch
Bilder / Zeichnungen: Nine&Dido
http://de.wikipedia.org/wiki/Itzendorf
http://de.wikipedia.org/wiki/Kolk
http://de.wikipedia.org/wiki/Watt
http://de.wikipedia.org/wiki/Wattenmeer
Happy Hunting wünschen

