<p>Das 18. Jahrhundert war für die Bürger von Württemberg beherrscht vom Frondienst für den Schlossbau der Herzöge. Von 1704 bis 1733 wurde unter Herzog Eberhard Ludwig das Blühende Barock gebaut, parallel dazu wurde das Favoriteschloss von 1713 bis 1723 gebaut und dann bis 1768 erst unter Herzog Carl Eugen das Seeschloss am Monrepos erweitert und unter Herzog Friedrich I von Württemberg 1768 vollendet. Die Geschichte von Veit Voss erzählt von einem Tammer Bauer, der in der letzten Zeit vor Vollendung des Seeschlosses im Frondienst unterwegs war.</p>
Wir schreiben das Jahr 1758. Veit Voß aus Tamm ist auf seinem Ochsenkarren schon seit dem Morgen unterwegs. Er muss zum Bissinger Holzgarten fahren, um dort Langholz (Bauholz) zu laden und dann das Holz für den Bau des Schlosses Monrepos nach Ludwigsburg zu transportieren. Das ist Teil seines Frondienstes, den er für den württembergischen Hof zu leisten hat.
Schon frühmorgens hatte Veit seinen Ochsen aus dem Stall geholt, den Holzkarren angespannt und sich auf den Weg gemacht. Zunächst war er an seinen reifen Äckern vorbei gefahren, um dort nach dem Rechten zu sehen. Doch inzwischen war er auf dem Weg zum Schellenhof, um dort vorbei hinunter auf die Enz zu fahren. Da hörte er etwas im Wald rascheln und fiepen. Was das wohl ist? "Brrrr! " ruft Veit und steigt vom Karren. Doch bevor er nach dem Rascheln schaut, bindet er noch seinen wertvollen Ochsen an. Er muss ein paar Meter in den Wald hineingehen, bis er die Ursache des Fiepens sieht. Ein Hase hat sich in einer Hasenfalle verfangen. Erschrocken schaut Veit sich um. Nicht dass der Jagdpächter in der Nähe ist. Er scheint jedoch allein zu sein. Beim Anblick des verletzten Hasen kommen ihm seine hungrigen Kinder in den Sinn. Seit die Herzöge mit dem Schlösser bauen nicht aufhören, haben die Bauern kaum noch Zeit, ihre Äcker zu bewirtschaften. Was Unwetter ihnen nicht nehmen, wird von der ständig steigenden Steuer aufgefressen. Es gibt kaum eine Familie im Dorf, die nicht an Hunger leidet. Veit schaut den Hasen an. Am liebsten würde er...<p>
Doch dann kommt ihm das Schicksal des Hans Hammar in den Sinn. Sieben Jahre zuvor hatte dieser drei Hasenfallen ausgelegt, um seine hungernde Familie mit dem verbotenen Wildbret zu versorgen. Doch er wurde erwischt und in Markgröningen in den Turm gesperrt. Erst als sein Schwager Endres Wegener seine Güter als Pfand gab, er eine Strafe von 50 Gulden und seine Verpflegung bezahlt hatte und versprach nicht mehr auf die Jagd zu gehen, wurde Hans Hammar wieder freigelassen.
Bei diesen Gedanken wandte sich Veit von dem Hasen ab. Das wollte er seiner Familie nicht antun, dass sie ihn im Turm in Markgröningen besuchen und ihm Verpflegung vorbeibringen musste. Außerdem war die Vorstellung, in den Turm gesperrt zu sein, nicht sehr angenehm. Veit kehrte zu seinem Karren zurück und nahm seinen Weg zum Frondienst wieder auf.