Das Gedicht "Großer Vogel" von Joachim Ringelnatz (1883-1934).
Der Sohn von Georg Bötticher ist für seine humoristischen und ironischen Texte bekannt. Nach dem Gymnasium in Leipzig geht er als Schiffsjunge zur See. Nennt sich nach dem Seemannsnamen für "Seepferdchen". Im 1. Weltkrieg dien er bei der Marine. 1920 Heirat mit der Lehrerin Leonharda Pieper. Mitarbeiter beim "Simplicissimus", München und "Schall und Rauch", Berlin. Steht in der Liste der unerwünschten Autoren und Schriftsteller der Nationalsozialisten. Auch als Maler und Zeichner bekannt. (www.wikipedia.org/lyrikwelt.de)
Großer Vogel
Die Nachtigall ward eingefangen,
Sang nimmer zwischen Käfigstangen.
Man drohte, kitzelte und lockte.
Gall sang nicht. Bis man di Verstockte
In tiefsten Keller ohne Licht
Einsperrte. - Unbelauscht, allein
Dort, ohne Angst vor Widerhall,
Sang sie
Nicht - -,
Starb ganz klein
Als Nachtigall.