Von Petra Förster
Das einzige, was John Boereboom bedauert, ist dass seine Eltern nicht mehr erleben, was aus ihrem ehemaligen Zweitwohnsitz geworden ist. Der Brüsseler Geschäftsmann und seine Frau haben die alte Mühle in Weywertz in ein charmantes Ferienhotel verwandelt.
Schon als Kind, erinnert sich John Boereboom, kam er mit seinen Eltern an den Wochenenden und in den Ferien zum Angeln nach Weywertz. Dreieinhalb Stunden hat die Fahrt damals – es war zur Zeit der Weltausstellung in Brüssel – von der Hauptstadt in die Eifel gedauert. Eine Autobahn gab es nicht und von der ganzen Kurverei zwischen Verviers und Weywertz und dem Geruch der Pfeife des Vaters bekam der kleine John auf der Rückbank des Wagens ein ganz flaues Gefühl im Magen. Trotzdem liebte er die Urlaube in der Eifel...
Getreide und Strom
1967 kaufte die Familie die alte Mühle auf. Das Gebäude war damals im Besitz der Interkommunalen Esmalux. Der Stromproduzent hatte die drei zusammenhängenden Gebäude eigentlich nur erworben, um die eigene Konkurrenz zu schlucken. Nach ihrer Nutzung als Getreidemühle wurde nämlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der alten Mühle Strom produziert. Esmalux hatte den großen Komplex in den Sommermonaten Pfadfindergruppen zur Verfügung gestellt.
Ein Jahr lang haben die Boerebooms nach dem Erwerb die Immobilie renoviert und einen ansprechenden Zweitwohnsitz daraus gemacht. Der Senior konnte das Ergebnis leider nicht lange genießen: Er verstarb 1970. Seine Gattin blieb in Weywertz und als auch sie 1999 verstarb, fragten sich John und Christiane Boereboom, wie es nun weitergeht mit ihrer Mühle.
»Die Nutzung als Hotel ist die einzige Möglichkeit, das alte Gebäude zu erhalten«, so John Boereboom. Die Idee gefiel dem Ehepaar außerdem, weil sich so die Möglichkeit ergab, die Liebe zu dem Anwesen mit vielen Menschen zu teilen.
In einer zweiten, arbeitsreichen Renovierung wurden in den ehemaligen Stallungen und im alten Haupthaus insgesamt neun Hotelzimmer eingerichtet. Ein Jahr haben die Umbauarbeiten gedauert. Vergangenen März wurde das so genannte Charme-Hotel eröffnet. »Es hat mich viele schlaflose Nächte gekostet und Freunde haben mich manches Mal gefragt, ob ich verrückt bin«, blickt John Boereboom heute zurück. Der alte Stall hatte nicht einmal Fenster, der weiße Kalkstein der Gebäude war verblasst. So viel wie möglich ist von dem Ursprungsgebäude erhalten worden, alles angepasst an heutige Ansprüche an den Komfort. An zwei Zimmer wurden beispielsweise Balkone angebaut.
»Alles, was mich selbst jemals in Hotels gestört hat, wollte ich hier vermeiden«, so die Philosophie bei der Einrichtung. Die neun Zimmer folgen zwar einem einheitlichen Konzept, unterscheiden sich jedoch alle voneinander.
»Viele unserer Gäste unternehmen ausgiebige Spaziergänge in der Umgebung. Wenn sie am Nachmittag zurückkommen, möchten sie sich erst einmal ausruhen, vielleicht etwas trinken«, so der Hausherr. Alle Zimmer sind in diesem Sinne mit einer Sitzecke ausgestattet, mit Fernseher, Minibar und Safe. Die Badezimmer sind geräumig, die Duschen mit extra großen Köpfen für »eine richtig gute Abkühlung« ausgestattet.
Wenn er nicht gerade wie derzeit in Weywertz – eines der drei Gebäude ist immer noch der zweite Wohnsitz der Familie Boereboom – »Urlaub« macht, ist John Boereboom in Brüssel im Immobilienbereich tätig. Seine Ehefrau Christiane ist Grafikerin, hat ihren Beruf jedoch inzwischen an den Nagel gehangen. Am Wochenende sind die beiden in der alten Mühle. Werktags verwalten zwei Angestellte das Hotel, zusätzlich kümmert sich Peter Dederichs um das sechs Hektar große Anwesen.
Natur und Ruhe
»Wir haben viele Gäste aus dem Landesinneren, aber auch aus Deutschland«, ist der Hotelier mit dem Zuspruch zufrieden. Und die Bevölkerung in Weywertz ist es auch: Schließlich drohte das Anwesen ohne die Investition von Privathand zu verfallen. Nun bleibt die alte Mühle auch für nachfolgende Generationen erhalten.
@ Die alte Mühle im Internet unter www.levieuxmoulin.be.