Es begab sich zu einer Zeit, als Rudi einer von 4 stolzen Hähnen in der örtlichen KIM war. Die Hähne dort hatten die Aufgabe, etwa zweimal im Jahr dafür zu sorgen, dass es ausreichend Nachwuchs unter den Legehennen gab.
Rudi war der beliebteste Hahn bei den Hühnern. Seine Kollegen fragten sich, woran das wohl lag. Was von den anderen Hähnen keiner wusste: Rudi hatte sich ein einzigartiges Hobby zugelegt, um sich in den vielen Monaten zu beschäftigen, bis es wieder einmal Zeit war, die Glucken zu beglücken.
Während seine Kollegen ihr Gefieder plusterten und stolz vor den Junghennen hin und her stolzierten, zog er in einer unbeobachteten Minute von dannen.
Draußen an der frischen Luft machte er sich schnurstracks auf den Weg zu den Häusern der Menschen. An drei Orten im Dorf stand ein unförmiger, leuchten gelber Kasten mit Schlitz. Rudi hatte keine Ahnung, wofür die Menschen ihn verwendeten, doch es reichte ihm zu wissen, was er damit anfangen konnte.
Aus unerfindlichen Gründen steckten die Menschen immer wieder Papier in den Schlund des Kastens und oft genug blieb eines im Schlitz stecken. Mit ein paar Flügelschlägen landete Rudi oben auf dem gelben Kasten, beugte sich nach unten und steckte seinen Schnabel in den Schlitz.
Und siehe da - wenige Augenblicke später zog er ein kleines, eckiges Stück Papier, in dem scheinbar ein weiterer Zettel steckte, hervor. Zufrieden mit der schnellen Ausbeute machte sich Rudi schleunigst aus dem Staub, das Zettelchen sicher im Schnabel. Unweit der KIM hielt er inne und trabte zu einem Gebüsch. Dort legte er das Papier ab, steckte den Schnabel in den Busch und … zog ein dickes Heft heraus.Er schlug es auf einer leeren Seite auf und begann dann, das winzige quadratische Papierchen, das auf dem frisch geklauten Zettel klebte, mit dem Schnabel abzulösen.
Auf einem seiner Raubzüge am gelben Kasten hatte er gehört, dass die Menschen es "Briefmarke" nannten. Rudi war geübt und die Marke schnell gelöst. Dann spuckte er einmal drauf und klebte sie fein säuberlich in sein Album. Stolz betrachtete er seine neuste Errungenschaft und blätterte dann zurück, um den Rest zu betrachten. Über die Jahre hatte sich eine beachtliche Anzahl an bunten, filigranen Briefmarken angesammelt. Und genau das war Rudis Geheimnis: Mit NICHTS bekam man eine schöne Henne leicher rum, als wenn man ihr seine Briefmarkensammlung zeigte. Grinsend klappte Rudi sein Heft zu und versteckte es wieder im Gebüsch. Zufrieden machte er sich auf den Rückweg in die KIM, wissend, dass er auf den nächsten Frühling bestens vorbereitet war.
Am nächsten Tag geschah das Unfassbare: Als Rudi mit einer weiteren ergatterten Marke zu seinem Versteck kam, musste er voller Entsetzen feststellen, dass über Nacht ein heftiger Wind sein Album fortgetragen hatte. Er wurde blass (so blass ein Hahn nur werden kann) und fühlte sich schlagartig seiner Männlichkeit beraubt. Dann sah er im Augenwinkel den tragischen Überrest einer seiner Marken … und da, einen halben Meter weiter den Schnipsel einer anderen. Wenn er den Überresten folgte, könnte er das Album vielleicht finden und retten, was zu retten ist.
Rudi wusste, dass es keine andere Möglichkeit gab. Entschlossen machte er sich auf den Weg…
N 50 xx.xxx E 012 xx.xxx
Wenn ihr Rudi besucht den malt ihm doch eine Briefmarke ins Logbuch, das ist keine Bedingung er würde sich aber freuen darüber. Vor Ort werdet ihr sehen wie es gemeint ist.
Erstaustattung:
Briefmarkenalbum zum signieren
Stift
Erstfinderschnaps