Als leidenschaftliche Geocacher und Naturforscher wollen Waldwiesel22 und ich euch an diesen Ort führen, damit ihr einen kleinen Ausschnitt aus der Jenaer Bergbaugeschichte kennenlernt.
Um euch vorab darauf einzustimmen, gibt es einen kleinen Auszug aus dem Jenaprießnitzer Ortsblatt:
"Die beginnende Industrialisierung nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 führte auch zu einem erhöhten Bedarf an Baumaterial. So wurden u. a. auch Ziegelrohstoffe erschlossen und in neu gegründeten Ziegeleien zu Ziegeln verarbeitet. In Jena waren das die Ziegelei Wogau und die KÜGERsche Ziegelei am Südhang des Friedensbergs (vormals Galgenberg). Letztere war schon vor 1925 stillgelegt. Die Ziegelei Wogau wurde weit außerhalb des eigentlichen Dorfes errichtet und zwar am oberen (südlichen) Ende der Wogauer "Hohle" unterhalb der alten Straße nach Großlöbichau. Von den heute noch stehenden Gebäuden werden Teile als Wohnung genutzt.
Die Ziegelei Wogau wurde von GOTTLIEB WÖLFEL mit Sicherheit vor 1876 gegründet, denn von dem anfangs noch bescheidenen Gebäudekomplex existiert ein Aquarell von 1876 (im Besitz von R. GUTTROPF). In der Chronik von Jenaprießnitz gibt es im Zeitraum von 1868 bis 1876 keinen Hinweis auf eine Ziegelei im Ort. Ein zweites Bild zeigt den deutlich vergrößerten Betrieb im Jahr 1902, der zu dieser Zeit in den Händen von BERTHOLD und ANNA WÖLFEL war. Der letzte private Betreiber des Unternehmens war deren Sohn HUGO WÖLFEL. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Ziegelei von der Carl Zeiss GmbH gepachtet, um Ziegel für den eigenen Bedarf zum Wiederaufbau des zerstörten Werkes zu produzieren. Danach, vermutlich etwa 1950, erhielt die Ziegelei den Status eines volkseigenen Betriebs (VEB).
Der Rohstoff für die Ziegelherstellung stammte immer aus der unmittelbaren Umgebung des Werkes. Die flachen Hänge um Jenaprießnitz und Wogau bestehen aus tonig-schluffigen Gesteinen des oberen Buntsandsteins (Röt). Sie werden allgemein als Letten oder mundartlich als Lieten, aber auch als bunte Mergel bezeichnet. Obwohl das Material durch Einlagerungen von Gips, Dolomit und Sandstein verunreinigt ist, ließ es sich doch zu einem brauchbaren Ziegelrohstoff aufbereiten. Die Gewinnung erfolgte anfangs in kleineren Tongruben, zuerst westlich Jenaprießnitz auf der östlichen Seite der Straße "Im tiefen Weg", dann südlich vom heutigen Wilhelm-Raabe-Weg gegenüber der Einmündung Theodor-Fontane-Weg und weiter am Nordosthang des Hirschenbergs (Hirsch-Berg in der topographischen Karte) am ehemaligen Standort der WG-Gemdentaler. Der verstärkte Bedarf an Ziegelsteinen nach 1945 führte letztlich zur Erschließung der großen Tongrube nördlich des Hirschenbergs. Über Feldbahngleise brachte man das Rohmaterial in Kipploren zur Ziegelei. In einem Kollergang wurde der Ton gemahlen, dann aufgeschlämmt und mittels einer Strangpresse zu Rohziegeln geformt. Nach einer Lufttrocknung sind die Rohlinge in einem ovalen Ringofen gebrannt worden. Als Heizmaterial diente Braunkohle.
Zwischen dem Südende von Jenaprießnitz und dem Hirschenberg wurden in einer kleinen Grube Tone aus einem höheren Niveau des oberen Buntsandsteins (Röt) abgebaut, die für die Herstellung von Dachziegeln geeignet waren.
Ab 1958 bis 1960 verarbeitete man im Bauwesen zunehmend mehr Großziegel. Dafür war die Ziegelei Wogau nicht ausgelegt und auch die Qualität, insbesondere die Festigkeit der Ziegel entsprach nicht mehr den Anforderungen der Bauwirtschaft.
Um 1963 ging das Feuer in den Öfen der Ziegelei Wogau aus, das Werk wurde geschlossen."
http://www.jena-wogau.de/content/archiv/ortsblatt1606.html
Wir hoffen, ihr geratet nicht aufs falsche Gleis! ;)
Happy caching! =)