9. Wie kam es zur Einführung der Rasselisten?
Im Juni 2000 ereignete sich ein schlimmer Vorfall in Hamburg. Gegen 11.50Uhr sprangen zwei Hunde (ein Pitbull und ein Staffordshire Terrier) über den Zaun des Besitzers, liefen auf das Schulgelände und bissen einen 6-jährigen Jungen, die Verletzungen waren tödlich.
Der Besitzer dieser beiden Hunde trainierte regelmäßig auf dem Schulhof mit seinen Hunden, damit diese durch aggressives Verhalten Hundekämpfe gewinnen und dem Besitzer Geld und Rum bringen. Die Hunde haben gelernt diesen Schulhof als Kampfplatz zu nutzen, sie mussten hier kämpfen. Der Besitzer war mehrfach vorbestraft, die Hunde des Öfteren auffällig. Die Ämter wurden auf die Hundekämpfe hingewiesen. Sie haben nicht gehandelt…
Im Sommerloch ist das eine super Schlagzeile in der Bild Zeitung, es kann mit der Angst der Menschen gespielt werden, wodurch die Umsatzzahlen enorm steigen. Jede Ausgabe in welcher der Titel „Kampfhund beißt wieder…“ oder ähnliches lautet verkauft sich sehr gut. Es wird durch die Medien eine große Angst geschürt. Hier werden Urängste beschworen vor dem bösen Wolf, der kleine Kinder frisst, und wo Ängste kochen, wird der Verstand gern ausgeschaltet. Mit dieser einmal im Hintergrund vorausgesetzten, ein anderes Mal deutlich ausgesprochenen Vorstellung wird immer dann operiert, wenn es darum geht, sachliche Überlegungen zu verhindern. Die tausend friedlichen und erzogenen Hunde sind egal, es gab einen Vorfall und das ist entscheidend. Noch heute stellen sich viele Halter und Züchter sogenannter Kampfhunde regelmäßig zur Verfügung interviewt und gefilmt zu werden, um zu zeigen wie die Hunde wirklich sind. Die Antworten der Presse sind eindeutig „Das will keiner lesen/sehen, damit können wir keinen Umsatz machen, daher ist das Thema für uns uninteressant.“ Profitgier statt Aufklärung…
Habt ihr den Artikel „Husky tötet Baby“ gelesen? Wenn ja, wart ihr sehr aufmerksam, denn dies war lediglich ein Zweizeiler. „Zwei Dackel beißen Besitzerin zu Tode“ „Schäferhund beißt Kind in den Kopf“ all das wird wenn überhaupt nur am Rande kurz erwähnt. Denn wir haben ja ein gutes Feindbild erschaffen – den Kampfhund.
Rasselisten werden willkürlich eingeführt, da jedes Bundesland selber entscheiden kann welche Rasse sie für gefährlich halten. Das führt dazu, dass Kindern ihre Familienhunde weggenommen werden, weil sie die falsche Rasse haben. Erklären Sie mal ihrem Kind, dass ihr Liebling plötzlich gefährlich ist und getötet wird, weil Politiker das entschieden haben.
Besitzer von Staff & Co. werden bespuckt, geschlagen und beleidigt, weil ihr Hund angeblich die falsche Rasse hat. Häuser und Gärten werden verwüstet. Gassigehen wird nur noch in der Dunkelheit möglich, um Angriffen aus dem Weg zu gehen. Die falsche Rasse, damit wird man zum Außenseiter der Gesellschaft und vogelfrei, jeder nimmt sich das Recht raus dich zu hetzen, weil du die falsche Rasse hast – kennt ihr das irgendwo her? Denkt mal 70 Jahre zurück. Falsche Rassen werden getötet, noch heute hier in Deutschland.
Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Studien von renommierten Hochschulen, welche die Gefährlichkeit von Pitbull & Co. widerlegen. Niedersachsen hat bisher als einziges Bundesland eingesehen, dass eine Gefährlichkeit auf Grund einer Rassezugehörigkeit nicht gegeben ist. Aus diesem Grund trat 2003 ein neues und sinnvolles Hundegesetz in Kraft. Das Problem liegt am anderen Ende der Leine. Daher muss in Niedersachsen ein Hundeführerschein abgelegt werden. Die Beißstatistik beweist Deutschlandweit, dass von AmStaff & Co. eine deutlich geringere Beißhäufigkeit ausgeht, als von Schäferhund, Golden Retriever & Co.
In welchem Jahr wurden Rasselisten eingeführt?
Zahl : 2 – 167 = 52°39.xxx‘N
In welchem Jahr schaffte Niedersachsen die Rasseliste ab?
(Zahl – 224) : 3 = 010°43.xxx‘O