11. Gefährlichkeit des Hundes, Erziehung oder Genetik?
Der Begriff „Kampfhund“ ist in unsere Sprachkultur eingegangen. Aber was sind Kampfhunde? Häufig spricht man auch von Kampfhunderassen. In den Gesetzen der Bundesländer sind diese von vorn herein als gefährlicher eingestuft als andere Rassen. Das ist nie nachgewiesen worden und daher sehr problematisch. American Staffordshire Terrier, Tosa Inu, Bullterrier oder Pitbulls werden hier genannt.
Man kann über bestimmte Tendenzen sprechen, die anders sind unter den Rassen. Aber die Hunde verhalten sich nicht der Rasse nach. Das Verhalten, das ein Hund in einer bestimmten Situation zeigt, wird durch seine frühe Verhaltensentwicklung beeinflusst. Hat er Menschen kennengelernt, die ihm Positives vermittelt haben? Hat er eine Sozialisation erfahren, oder ist er sozial vernachlässigt? Wurde er erzogen? Oder wurde er trainiert, um anzugeben, um Menschen Angst zu machen? In einem bestimmten Milieu wurde mit diesen Hunden einige Zeit sehr viel Schindluder getrieben und sie wurden auf Imponieren und Kraft hin ausgebildet, um Menschen mit schwachem Ego Selbstsicherheit zu geben.
Rassespezifische Veranlagungen einzelner Hunderassen können mit Sicherheit nicht bestritten werden, doch bestehen schon zwischen den vielen Zuchtlinien der einzelnen Rassen gravierende Unterschiede betreffend der physischen, sowie auch der psychischen Veranlagungen der einzelnen Hunde. Wie hinreichend in speziellen Untersuchungen festgestellt wurde, ist auch die beste Veranlagung kein Garant für die spätere Arbeitsleistung oder Verwendbarkeit eines Hundes. Entscheidend ist hier vielmehr, die Förderung der entsprechenden Veranlagungen durch den Ausbilder bzw. Hundehalter. An dieser Stelle möchten ich auf ein Zitat des Verhaltensforschers - Schüler von Konrad Lorenz - Herrn Eberhard Trumler zurückgreifen: "Ein erwachsener Hund ist nicht nur das Produkt seiner erblichen Anlagen, er ist auch das Produkt seiner Jugendentwicklung. Man kann ganz zweifelsfrei behaupten: Ein schlecht veranlagter Hund mit einer guten Jugendentwicklung, wird ein besserer Hund sein als einer, der zwar über beste Erbanlagen verfügt, aber eine unzureichende Jugendzeit verlebte." (...) " Was der Hund also nun im dritten Lebensjahr manifestiert, ist das Bild von Soll und Haben auf dem Konto seiner Jugendentwicklung." Das eine Rasse "Kampfhund" schlechthin nicht existiert, ist der einschlägigen Literatur der entsprechenden Fachkreise in ausreichendem Umfang zu entnehmen.
Das alles gehört zusammen: Die Genetik, die Entwicklung, die Erziehung und das, was Hunde erlebt haben. Die Genetik ist ein Angebot an die Umwelt. Und das, was die Hunde erlebt haben, kommt dazu. Hunde sind keine rein genetischen Wesen; insofern ist die „gefährliche Rasse“ unsinnig.
Ein Kampfhund ist für mich richtig definiert ein individueller Hund, egal welcher Rasse, mit dem in der Pit gekämpft wird – was bei uns in Deutschland verboten ist. Eine Kampfhunderasse kenne ich nicht, weil es kein Ziel einer Rassezucht ist, Hunde für Hundekämpfe fit zu machen.
Die Benennung finde ich falsch und irreführend. Und die Hunde, die gemeint sind, sind per se nicht gefährlicher als andere, sofern sie vernünftig erzogen und gehalten werden.
Kann ein Hund nur auf Grund der Genetik böse sein?
- Ja = 52°39.744‘N
- Nein = 52°39.746’N
Ist es möglich einen Hund zu einem liebevollen Gefährten zu erziehen, egal welcher Rasse er angehört?
- Ja = 010°43.065’O
- Nein = 010°42.857‘O