Endlich war Hinnerk der Sprung vom platten Land in die Großstadt Marburg gelungen. Nebst BWL-Studienplatz hatte er ein Plätzchen im Studentenwohnheim ergattert. Während der Orientierungseinheit hatte er alle Studenten seiner Gruppe auf sein Zimmer eingeladen. Die Stimmung stieg, der Lärmpegel auch. Irgendwann, wohl nach Mitternacht, stand eine Kommilitonin zeternd vor der Tür. Sie plärrte irgendwas von wegen daß es nicht auszuhalten sei, Ruhestörung und OWiG. Hinnerk verstand eh nur noch Bahnhof. Welchen Paragraphen hatte diese Spaßbremse nochmal genannt? Vermutlich war die eine von diesen rücksichtslosen Jurastudentinnen. Hilf Hinnerks kleinen grauen Zellen auf die Sprünge, den Paragraphen herauszufinden! Am nächsten Tag konnte Hinnerk sich eh kaum noch an die Geschehnisse der letzten Nacht erinnern. Nachdem er seine Augen mit Hilfe von Streichhölzern zu einer notdürftig ausreichenden Öffnungsweite verholfen hatte, radelte er zu seiner allerersten Vorlesung. Aller Motivation zu Studienbeginn zum Trotz schonte Hinnerk sich den ganzen Tag über, denn schließlich stand am Abend die nächste Party an, die er unmöglich verpassen durfte, schließlich mußte man sich einen guten Ruf hart erarbeiten. Dort bereits um 0 Uhr eingetroffen, hatte Hinnerk auf dem Weg vorgeglüht. Wieviel Promille hatte Hinnerk, wenn er 7 Bier à 0, 5 Liter bei 90 kg Kampfgewicht auf stattliche 1, 80 m verteilt verschnabuliert hatte? Nimm eine schöne gerundete Zahl, die hinten zwei Nullen hat, damit Hinnerk sie sich gut merken kann!
Als er gegen 4 Uhr morgens euphorisch aus dem Hörsaalgebäude torkelte, konnte er kaum mehr einen Schritt vor den anderen tun. Gut, daß dort vorne ein nicht abgeschlossenes Rad stand. Nun gut, es war ein Fahrrad der lila Latzhosen-Fraktion, aber in der Not frißt der Teufel Fliegen. Mit einem verwegenen Hechtsprung schaffte Hinnerk es, sich auf den Sattel zu hieven. Und dann ging's los! Bei ausreichender Geschwindigkeit ging das erstaunlich gut und diese vermaledeite Übelkeit reduzierte sich, da er nicht so viele Schlangenlinien fuhr. Doch was war das? Da schwebte eine bunt beleuchtete Kelle direkt vor Hinnerks Nase! Beinahe wäre Hinnerk vor lauter Kichern vom Rad gefallen, als er plötzlich am anderen Ende der Kelle einen finster dreinblickenden Ordnungshüter erspähte. Vor lauter Schreck landete Hinnerk unsanft auf seinem Hosenboden, und zwar direkt vor den Füßen dieses zu Unzeiten dienstbeflissenen Polizisten, der ihm ein Pusteröhrchen mundgerecht hinhielt. Konnte der Typ nicht wie jeder andere normale Mensch um diese Uhrzeit Party machen? Hinnerk konnte sich später zwar nicht mehr so genau an alles erinnern, bekam aber ein paar Tage später eine schriftliche Gedächtnisstütze. Einen Idiotentest sollte er machen?! Wie viele Punkte in Flensburg gab es in diesem Fall gratis dazu? Und wieviel Promille hatte Hinnerk als Radfahrer dafür mindestens hart erarbeiten müssen?
Jedenfalls gelang es ihm in jener unseligen Nacht, bis ins Wohnheim zu gelangen.Als er vor seiner Appartementtür stand, wollte der Schlüssel doch einfach nicht passen. Wieder und wieder mühte Hinnerk sich ab, den Schlüssel irgendwie ins Schloß zu bugsieren, als die Tür plötzlich wie von Zauberhand sperrangelweit aufsprang. Jenseits der Schwelle stand jedoch seine mit einem Fleischklopfer bewaffnete Nachbarin, der Hinnerk, das Gleichgewicht verlierend, in die Arme fiel. Einen verlegenen Gruß murmelnd, torkelte Hinnerk, nachdem er sich befreit hatte, weiter. Sachen gab es... Dann begann sein Hirn zu rattern: Wie viele Jahre maximal frei Kost und Logis ihm wohl zustünden, wenn die Nachbarin ihn wegen Wohnungseinbruchdiebstahl anzeigen würde? Und falls sie es mißverstanden haben sollte, daß er unfreiwillig auf Tuchfühlung gegangen war- hätte sie ihm, dem vermeintlichen Sittenstrolch, eigentlich einen mit dem Fleischklopfer drüberbraten dürfen? Und gab es etwa ein Gesetz, das so etwas legitimierte?
Und dann begann sich alles in seinem Kopf zu drehen: Gab es solche Gesetze auch da, wo er herkam, also im hohen Norden? Wenn er jetzt dreimal aus Sicht der ollen Spaßbremse von nebenan zu laut war und sich dieses mit der fünffachen Höchststrafe für Wohnungseinbruchdiebstahl summierte? Konnte er an dieser Stelle eventuell die in Flensburg angehamstertem Punkte vom Radfahren in angetüddeltem Zustand zu seinen Gunsten verrechnen? Hätte er sich bloß an einer Uni im Osten beworben. Da ging es bestimmt lockerer zu. Doch sein Hirn ließ nicht locker. Und was, wenn er zwanzigmal mit der Promillezahl, ab der Fahrradfahrer die Höchststrafe erhalten, erwischt würde und sich das mit dem elffachen Paragraphen, der es Frauen erlaubte, mit Fleischklopfern auf arglose Studenten einzudreschen, addierte? Und konnte man davon, quasi als Ablaß, den Promillewert, mit dem er in die Party gestartet war, quadriert abziehen?
In Gedanken sah Hinnerk bereits das Blaulicht der Ordnungshüter, die ihn einbuchteten, nervös aufblitzen, und fühlte, wie sich das kalte Metall der Handschellen um seine Handgelenke legte. Stöhnend rieb sich Hinnerk die Schläfen. So hatte er sich das Studentenleben nicht vorgestellt. Er gelobte Besserung. Ab morgen. Ganz sicher...
Zwar kann man den draußen befindlichen Teil des Caches auch bei Tageslicht suchen (Manche Fässer haben doppelte Böden.), doch empfiehlt es sich, ihn erst dann anzugehen, wenn Studenten ausgeschlafen haben, also in etwa ab fortgeschrittener Abenddämmerung. Hoffentlich seid ihr nicht so verpeilt wie Hinnerk.
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