Skip to content

EconoCache #02: Quirin Josef d'Ester / Marienburg Traditional Cache

This cache has been archived.

WHULibrary: Der Cache wird wegen wiederholter Klagen über den Zustand des Standorts und in Ermangelung eines besseren archiviert (siehe auch letzter Wartungseintrag).

More
Hidden : 11/3/2014
Difficulty:
2 out of 5
Terrain:
2.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

Join now to view geocache location details. It's free!

Watch

How Geocaching Works

Please note Use of geocaching.com services is subject to the terms and conditions in our disclaimer.

Geocache Description:

Josef Quirin d'Ester war zu seiner Zeit das, was man heute einen "Entrepreneur" nennen würde. Der aus Malmedy stammende Kaufmann liess sich 1770 in Vallender nieder, erbaute die Marienburg und wurde als Lederfabrikant tätig.

Josef Quirin d'Ester at his time was what today would be called an "entrepreneur". The businessman from Malmedy built the Marienburg manor house in 1770 and worked as a leather manufacturer at Vallendar.


Karte von Rheinland-Pfalz um 1789, Quelle: http://www.hoeckmann.de/deutschland/rhpfalz.htm

Im 18. Jahrhundert waren Globalisierung, Freihandelszonen und Staatengemeinschaften wie die Europäische Union noch ferne Zukunft. Kleinstaaterei, Zölle und eine Vielzahl an Währungen bestimmten den wirtschaftlichen Alltag in Deutschland, und der Merkantilismus war das vorherrschende Wirtschaftsmodell dieser Zeit. Die Mächtigen waren bemüht, benötigte Waren und Handelsgüter möglichst auf dem eigenen Territorium herzustellen und zu exportieren, während der Import gleichzeitig so weit wie möglich eingedämmt wurde.
Dieser Kontext war sicherlich der wesentliche Grund, dass Clemens Wenzeslaus von Sachsen, Kurfürst von Trier, 1769 Schritte zur Gründung einer Ledermanufaktur in seinem Fürstentum unternahm. Wie üblich zu dieser Zeit suchte er dabei, auswärtige Fachkräfte durch großzügige Gewährung von Titeln, Privilegien und besonderen Freiheiten ins Land zu holen. Über Kontakte mit der Reichsabtei Stablo-Malmedy im gleichnamigen Fürstentum wurde er auf die florierende Lederindustrie dieser Region aufmerksam, und kam in Kontakt mit dem angesehenen Lederhändler Quirin Joseph d'Ester aus dem wallonischen Malmedy.

ENG: In 18th century, globalization, free trade areas and federations like the European Community were still far away future. Scattered regionalism, custom tariffs and various currencies were determining the economic everyday life in Germany, and mercantilism was the predominant economic model at this time. Sovereigns were seeking to produce all needed goods and mechandise within their own territory, and export them rather than import anything from outside
This context likely was the main reason that Clemens Wenceslaus of Saxony, Archbishop-Elector of Trier, was taking steps in 1769 to establish a leather factory within his principality. As usual at that time, he was striving to attract external specialists by generously granting titles, privileges and other special freedoms. Through relations with the principality of Stavelot-Malmedy, he became aware of the prosperous leather industry of that area, and got into contact with the reputable leather merchant Quirin Joseph d'Ester of Malmedy.

Die Familie d'Ester (auch: de Ster) war um 1700 eine der angesehensten Familien in Malmedy. Quirin Joseph (QJdE), 1719 als Sohn des Bürgermeisters Arnold de Ster geboren, hatte sich entsprechend dem familiären Hintergrund als erfolgreicher Gerber und Lederhändler etabliert. Durch seine Heirat 1761 mit Elisabeth von Fayonville, die mütterlicherseits dem Koblenzer Großbürgertum entstammte, war er mit der Region nicht unvertraut, als er 1770 mit dem Trierer Kurfürst in Verhandlung über die Gründung einer Lederfabrik am Rhein trat.

ENG: The d'Ester family (aka: de Ster) around 1700 was one of the most reputable families at Malmedy. Quirin Joseph (QJdE), born in 1719 as son of the mayor Arnold de Ster, established himself as a successful tanner and leather marchant, according to his family background. Through his marriage with Elisabeth de Fayonville in 1761, who descended from Koblenz upper class, he wasn't unacquainted with that area, when he started negotiating the the Archbishop-Elector of Trier about the foundation of a leather factory in the Rhine area in 1770.

Auszug des Vertrags zwischen QJdE und Clemens Wenzeslaus von Sachsen, 1769, Quelle: Raymond Jacob: La Maison Dester dite Maison Villers. - Malmedy, 2007

QJdE's Erfolg als Geschäftsmann beruhte nicht zuletzt auf seinem Verhandlungsgeschick und seiner Hartnäckigkeit. So handelte er mit dem Kurfürsten im Gegenzug für seinen Wechsel von Malmedy nach Vallendar außerordentlich günstige Bedingungen für die Gründung der Manufaktur und deren langfristigen Betrieb aus. Für den in damaliger Zeit überschaubaren Preis von 1.800 Talern wechselte zunächst das Gelände und die Überreste der ehem. wittgensteinischen Burg in seinen Besitz. Darüber hinaus gewährte ihm der Kurfürst einige wirtschaftlich bedeutsame Privilegien, so bspw. die dauerhafte oder zeitweise Befreiung der Fabrik von Steuern und Zöllen, die Befreiung der Mitglieder seines Hausstandes von Milizdiensten, den Einkauf von Rohmaterial zu günstigen Konditionen sowie die Umleitung und Nutzung des Meerbachs auf das Fabrikgelände - mit der Einschränkung, dass die Vallendarer jederzeit aus diesem Löschwasser entnehmen durften. Darüber hinaus wurde ihm der Titel eines Kommerzienrates verliehen, was gleichsam die Befreiung von Brücken- und Wegezöllen innerhalb des Fürstentums bedeutete.

ENG: QJdE's success as a businessman based, not least, on his negotiating skills and his persistency. Thus, he negotiated with the Archbishop-Elector very good conditions for the foundation of his enterprise and its long-term operation. For 1,800 thalers, at that time a rather moderate price, he acquired the estate and remainings of the former castle of the Wittgenstein family at Vallendar. In addition to that, Clemens Wenzeslaus granted him some privileges of economic significance, e. g. the dispensation of his factory from taxes and tolls, the dispensation of all members of his household from militia services, the purchasing of raw material at particularly favorable conditions, and the redirection of the Meerbach creek onto the factory's premises and the exclusive use of its water - with the exception that the people from Vallendar could always take water for firefighting from the creek. Last, but not least, QJdE was awarded the title "Kommerzienrat" (Councillor of commerce), which included being dispensed from bridge and road tolls within the principality.

Tablett mit Ansicht von Vallendar, 1799, Quelle: Adolf Schneider

Auf dem neu erworbenen d'Esterschen Anwesen befanden sich die Reste der früheren Residenz der Grafen von Sayn-Wittgenstein. Um 1240 hatten sie an dieser Stelle eine Burg mit vier Ecktürmen, Wall und Graben angelegt, die über die Jahrhunderte hinweg wechselnde Nutzung erfuhr. Anfang des 18. Jahrhunderts verliess die Familie die Burg, die daraufhin nach und nach verfiel. Von den verbleibenden Resten übernahm der neue Eigentümer lediglich Teile der Keller und liess alles Übrige abreißen.
An derselben Stelle wurde ein zweigeschossiges Barockgebäude - die heute noch bestehende Marienburg - sowie verschiedene Versorgungs- und Fabrikgebäude in dessen unmittelbaren Umfeld errichtet. Der Architekt ist unbekannt, die Anlage wird jedoch dem damaligen Koblenzer Stadtbaumeister Nikolaus Lauxem zugeschrieben. Zur Rheinseite hin befand sich ein großzügiger, für das 18. Jahrhundert typischer Landschaftsgarten, von dem heute nur noch ein kleiner Teil erhalten ist. Die Anlage bestand bis 1830 in dieser Form, als ein Brand die Fabrik zerstörte und die Familie d'Ester den größten Teil ihres Besitzes verlor. Diesen Schicksalsschlag zu erleben blieb QJdE jedoch erspart, er starb am 31. Oktober 1796.

ENG: On his newly acquired property, d'Ester found the remains of the former residence of the Counts of Sayn-Wittgenstein. Around 1240 they had built at this place a castle with four corner towers, a rampart and a moat, which experienced changeful use throughout the centuries. At the beginning of 18th century, the family left the castle, and it decayed by and by since then. From the remainings, the new owner only kept the cellars and had the rest torn down.
At the same place, he had built a two-story baroque styled manor house - today known as the Marienburg - as well as housekeeping and factory buildings nearby. The architect is unknown, but it is assumed that the construction was planned by Nikolaus Lauxem, the city architect of Koblenz at that time. At the side facing the river, a landscape garden typical for the 18th century was set up. The whole compound existed until 1830, when a fire destroyed the factory and the d'Ester family lost most of their property. QJdE was spared to see this blow of fate, he died on October 31st, 1796.

Der grüne Salon der Marienburg, genannt das

Die heutige Marienburg, das "Haus d'Ester", erlebte indes eine bewegte Geschichte. 1774 besuchte Johann Wolfgang von Goethe die Famlie d'Ester. Er dürfte die letzten heute noch erhaltenen Elemente der damaligen Inneneinrichtung, das Wanddecor des grünen Salons über dem Portal und das hölzerne Treppenhaus, sowie den mit den goldenen Initialen "QJE" geschmückten Balkon über dem Portal gesehen haben.
1888 gingen Grundstück und Gebäude in den Besitz der kath. Kirchengemeinde Vallendar über und wurden Domizil der Schwestern vom hlg. Karl Borromäus, die der Anlage auch den Namen "Marienburg" gaben. 1897 enstand die Kapelle an der Nordseite des Hauptgebäudes in neugotischem Stil als gelb geklinkerter dreigeschossiger Bau. 1903 erfolgte die Aufschüttung und Einebnung der ehemaligen Lohgräben der d'Esterschen Fabrik. Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein wurden darüber hinaus verschiedene Wirtschaftsgebäude um die Marienburg errichtet.

ENG: The building today known as Marienburg, the "House d'Ester", experienced an eventful history. 1774 Johann Wolfgang von Goethe visited the d'Ester family. He is likely to have seen the only today remaining parts of the interior fitting, the wall decoration of the Green Saloon above the portal and the wooden stairway, as well as the balcony above the portal, which is decorated with the golden initials "QJE".
1888 the property was acquired by the Catholic community of Vallendar, and became home of the Sisters of Mercy of St. Borromeo, which named the place "Marienburg". 1897 the chapel at the north side of the main building was erected, a three-story neo-Gothic yellow-bricked building. 1903 the old tanning trenches had been filled up, and until early 20th century various estate buildings had been erected around the manor house.

1914-1946 wurde die Anlage überwiegend als militärisches Quartier und Lazarett genutzt. 1946 erhielten die Borromäerinnen das Anwesen zurück, jedoch beherrbergte das Hauptgebäude noch bis 1948 das französische Konsulat. 1974 ging die Trägerschaft auf das Bistum Trier über, das dort 1981-1986 eine Fachschule für Sozialwesen betrieb. 1985 erwarb die Stadt Vallendar das Gelände, die die Anlage rund um den Burgplatz großflächig neu gestalten liess. So entstand auch an der Stelle, an der vor über 200 Jahren Lederwaren produziert wurden, eine zweigeschossige Tiefgarage, die ganz nach den Gegebenheiten der Zeit des Kalten Krieges gleichzeitig als Schutzraum ("Atombunker") für rund 3.300 Personen angelegt ist. Mit dem Umbau nahm auch die heutige Nutzerin der Marienburg, die private Hochschule "WHU - Otto Beisheim School of Management", den Lehrbetrieb in Vallendar auf.

ENG: 1914-1946 the compound was mainly used as a military installation and as a military hospital. 1946 it was returned to the Sisters of Mercy of St. Borromeo, but until 1948 the French Consulate resided in the main building. 1874 the Roman Catholic Diocese of Trier took over the ownership, and used it to run a College for Welfare Business from 1981-1986. In 1985 the City of Vallendar acquired the compound, and had a mayor redesign of the area around the Burgplatz done. At the place where more than 200 years ago leatherware had been produced, a two-storied underground car park has been installed, which according to the specifications of Cold War time had been layed out as an air-raid shelter ("Nuclear shelter") for about 3,300 people. Along with the redesign of the place, todays user of the premises, the private university "WHU - Otto Beisheim School of Management", started teaching program at Vallendar.

ACHTUNG: Im Zielbereich ist der GPS-Empfang leider sehr ungünstig, die Koordinaten springen daher sehr stark. Hohe Muggelgefahr, für das Loggen empfehlen sich die späten Nachmittags- und Abendstunden.

ATTENTION: GPS reception is very poor in the target area, expect jumping coordinates. High muggle emergence, best logging time is late afternoon and evening.

Dieser Cache wurde in Absprache mit dem Hausherrn des Geländes platziert. Für die Unterstützung bei der Zusammenstellung der historischen Fakten und Bilder bedanken wir uns bei Herrn Adolf T. Schneider.

Additional Hints (Decrypt)

QR: Rva Eryvxg nhf qrz Xnygra Xevrt - qvr Güe süueg mhz Fpuhgmenhz, qre fvpu va qre Gvrstnentr hagre qrz Ohetcyngm orsvaqrg RA: N eryvpg sebz Pbyq Jne gvzrf - gur qbbe yrnqf gb gur nve-envq furygre jvguva gur haqretebhaq cnexvat orybj gur Ohetcyngm

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)