Mühle
Aus dem Jahr 1215 datiert eine Urkunde, in welcher Graf Ulrich von Sternenberg der Wallfahrtskirche Oberbalm eine Mühle samt dem sie treibenden Bach und Land «zu seinem Seelenheil» schenkte. Der «Herrenwald» oberhalb der Mühle gehörte offenbar den Deutschrittern im Schloss Köniz. Nach der Reformation zog der Stadtstaat Bern die Kirchengüter ein. Die Mühle Oberscherli mit zwei Bauerngütern erwarb die Berner Schultheissenfamilie von Wattenwyl. Später wurde sie dem Inselspital zinspflichtig. Schon 1586 erwarb ein Jakob Grünig vom Staat Bern die Bewilligung zum Betrieb der Mühle und zur Stauung des Scherlibachs in der Au. Das Mühlengut blieb dann bis 1911 im Besitz der Familien Grünig. Im Laufe vieler Jahre entstanden hier zwei Bauernbetriebe, eine Sägerei, eine Knochenstampfe, eine Bäckerei und eine Fuhrhalterei. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts lieferte Albrecht Grünig Bauholz, verschiedene Mehlsorten und Knochenmehl in grossen Mengen nicht nur in die Nachbardörfer, sondern auch nach Bern, Freiburg und Thun. Er lieh Geld aus und wurde offenbar sehr reich.
Als aber die Stadt Bern ab 1870 Wasser aus dem Scherlibach ableitete undin einem Tunnel unter dem Dorf Oberscherli wegführte, gerieten die Grünigs in Bedrängnis. Die Maschinen konnten nur noch stundenweise betrieben werden. Trotz Entschädigungsleistungen der Stadt Bern zerfiel das kleine«Imperium» unter Karl Grünig. 1911 gingen die Mühlengebäude in Flammen auf und das Gut musste verkauft werden.
Quelle: Ortsverein Oberscherli "Text Hans Tanner"