BUNDESFESTUNG RASTATT
Erster Spatenstich war am 15. November 1842 bei unschönem Eisregen – es war aber eben der Namenstag des Großherzogs Leopold der Erste.
Bis zu 10.000 Arbeiter gleichzeitig (bei gerade einmal 6.000 Rastatter Einwohnern) haben bis 1848 eine 8 km lange Gürtelfestung rund um die Innenstadt errichtet, mit 5 Toren und 3 Festen (Leopolds-, Ludwigs- und Friedrichsfeste) – damals die modernste Festung Europas. Überwiegend von „nassen“ Gräben umgeben, die im Angriffsfall durch ein Aufstauen der Murg geflutet worden wären. In den Bereichen, die für eine Aufstauung zu hoch lagen, wurde der 6 m tiefe Festungsgraben von Kasematten begleitet, um potentielle Angreifer nach dem Eindringen in den Graben von hinten unter Beschuss nehmen zu können.
Finanziert wurde die Festung durch die Reparationszahlungen aus der Niederlage Napoleons bei Waterloo. Von den 60.000 Goldmark wurden rund 20.000 in Rastatt als Verteidigung Preußens gegen die Franzosen investiert (der Rest in Ulm, zum Schutz Österreichs sowie in die Verstärkung der Festungen von Landau und Germersheim). Der Sandstein wurde per eigens errichteter Pferdebahn aus dem Steinbruch bei Oberweier antransportiert, die benötigten Ziegel kamen aus der eigenen Ziegelei am heutigen Segelflugplatz.
Angegriffen wurde die Festung nie.
Bei der badischen Revolution wurde die Festung allerdings von den Preußen selbst belagert und beschossen – hier hatten sich die Revolutionäre mit den zum Widerstand übergelaufenen Soldaten verschanzt. Bekanntlich wurde der Ruf nach „Einigkeit und Recht und Freiheit“ am 23. Juli 1849 niedergeschlagen. Die Revolutionäre wurden in den Kasematten gefangen gesetzt, von dort vor das preußische Standgericht im Ahnensaal des Schlosses gebracht, wo es nur 2 Urteile gab: Mit viel Glück 10 bis 20 Jahre Gefängnis, ansonsten Erschießung innerhalb von 24 Stunden.
Nach dem Sieg Deutschlands gegen Frankreich 1870/71 und der Eingliederung des Elsass wurde die Festung, gerade einmal 23 Jahren nach ihrer Fertigstellung, aufgegeben und weitgehend geschleift – den neuen Waffen war sie kein großes Hindernis mehr, dafür um so mehr der Entwicklung Rastatts, das lange eingezwängt war – die Bahnlinie wurde im großen Bogen herum gebaut. Die schönen Sandsteine wurden verkauft und finden sich überall in den Mauern von Rastatter Häusern wieder.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde in den Kasematten kurzzeitig eine Pilzzucht betrieben, mit eigens errichteten Betonrohren zur Belüftung – die Festung selbst war fast in Vergessenheit geraten. Heute finden sich bei vielen Baumaßnahmen noch Gewölbe und Fundamente.
Führungen finden alle 2 Monate am jeweils 3. Sonntag (im monatlichen Wechsel mit den Festungsteilen am Karlsruher Tor) durch den historischen Verein statt. Dieser kümmert sich ehrenamtlich um die verbliebenen Reste.
Was das jetzt alles mit Steinpilzen zu tun hat, müsst Ihr Euch bei einem Blick unter die Erde selbst zusammenpuzzeln , viel Spaß (und Geduld) dabei.