Der "Kalvarienberg" in Kettershausen ist ein geschichtsträchtiger Ort, auf dem heute eine Kreuzigungsgruppe in östlicher Richtung den Friedhof und nach Norden und Westen hin das Günztal überblickt. Vor 700 Jahren ging es dort sicher nicht immer so friedlich zu, denn der Hügel ist eine ehemalige Burgstelle und soll bereits zu Zeiten der Kelten und der römischen Besatzung befestigt und mit Schanzen umgeben gewesen sein. Deren Reste wurden jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollends eingeebnet und sind für die archäologische Forschung verloren. Einzig den Burgberg und Reste des Burggrabens gibt es noch.
1146 werden die Edlen von Katericheshusen erstmals erwähnt. Sie waren Beamte in Diensten des Hochstifts Augsburg und unterhielten hier vermutlich ab dem 12. Jahrhundert eine der zahlreichen kleineren Burgen, die im Mittelalter den Rand des Tals säumten und von den kleinteiligen Herrschaftsstrukturen in diesem Gebiet zeugten. Bis auf ganz wenige Überreste (wie z.B. nicht weit von hier der sogenannte "Römerturm" in Oberschönegg) sind die meisten dieser Burgen heute verschwunden. Allein die Burgstellen und Gräben sind oft noch vorhanden, so auch in den Nachbarorten Unterschönegg oder Mohrenhausen.
Während der schwäbischen Bauernaufstände brannte der regionale Bauernhaufen "Rotes Fähnlein" unter Führung des Babenhausers August Schlegel im Jahr 1525 mehrere Burgen der verhassten Herrschaft nieder. Wilde Geschichten kursieren bis heute, wonach der Burgherr von Kettershausen Schlegels Sohn hier gefangen gehalten haben soll. Als der Bauerntrupp die Burg belagerte, um die Freilassung der Geisel zu erzwingen, soll Katericheshusen den jungen Schlegel den Turm hinaufgezerrt haben, um ihm vor den Augen des Vaters die Kehle durchzuschneiden. Außer sich vor Zorn hätten die Bauern sich angeschickt, die Burg zu stürmen. Der Burgherr, der dieses Ende schon vorher nahen sah, sprengte sich - so wird erzählt - mitsamt seiner verminten Burg in die Luft. Eine Legende natürlich, denn die Kettershauser Burg war schon mehr als 200 Jahre früher zerstört worden, nachdem der Ort zeitweise an die Herren von Schönegg gekommen war. In Aufzeichnungen von 1316 ist bereits nur noch von einer Burgstelle, nicht aber von einer Burg die Rede.
Überall in der Gegend benutzten die Dorfbewohner solche Burgruinen später als Steinbrüche. Auch in der Kirche nebenan sollen noch Steine aus der Burg der Herren von Katericheshusen verbaut sein. Der Kettershauser Schullehrer Fidel Rösle pflanzte um 1820 auf dem nunmehr unbebauten Burgberg Bäume und errichtete außerdem ein Sommerhaus, in dem er Musikunterricht gab. In den Bäumen nisten zahlreiche Dohlen, die sich dort oben offenbar wohl fühlen und eine große Kolonie bilden. Durch die charakteristischen Rufe der Vögel hat der Kalvarienberg seine ganz eigentümliche "Soundkulisse".
Um 1975 wurde am Fuß des Bergs ein Kreuzweg mit 14 Stationen angelegt, der auf dem Hochplateau bei der bereits erwähnten Kreuzigungsgruppe endet. Seitdem nennt man den Burgberg "Kalvarienberg" (von dem aramäischen Wort Golgatha = "Schädelhöhe", latinisiert: locus calvariae = "Schädelstätte"). Die Motivtafeln stammen ursprünglich aus einem Kemptener Kloster. Mit einem Umweg über den nahe gelegenen Wallfahrtsort Matzenhofen kamen die Relieftafeln in den 1970er Jahren nach Kettershausen, wo sie renoviert wurden. Erst kürzlich wurde der Kreuzweg von ehrenamtlichen Helfern erneut aufgearbeitet. So ist hier am Rand des Günztals ein kleines Idyll entstanden.
Quellen:
Raiser, Johann Nepomuk: Antiquarische Reise von Augusta nach Viaca, Augsburg, 1829.
"Kreuzweg erstrahlt in neuem Glanz" in: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 08.07.2013
EBIDAT - Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstituts, Link vom 25.04.2015