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Gegen das Vergessen Multi-Cache

Hidden : 5/8/2015
Difficulty:
1 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   micro (micro)

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Geocache Description:


„Jüngere und Ältere müssen und können sich gegenseitig helfen und verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten. Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.
Das jüdische Volk erinnert sich und wird sich immer erinnern. Wir suchen als Menschen Versöhnung.
Gerade deshalb müssen wir verstehen, dass es Versöhnung ohne Erinnerung gar nicht geben kann.“

Richard von Weizsäcker, 8. Mai 1985


Der 8. Mai ist als Tag der Befreiung ein Gedenktag, an dem der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa gedacht wird. Am 8. Mai 2015 liegt der Tag der Befreiung genau 70 Jahre zurück. Die Gedanken aus der berühmt gewordenen Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom 8. Mai 1985 beantworten die Frage, warum es so wichtig ist, die jüdische Geschichte auch eines so kleinen Ortes wie Nottuln zu erhellen und bekannt zu machen.

Mit diesem Multicache möchten wir euch daher das Thema "Jüdische Geschichte in Nottuln" näher bringen, um so einen Teil dazu beizutragen, die Erinnerung wachzuhalten.
Die drei Protagonisten, die euch an die verschiedenen Stationen des Caches führen, sind frei von uns erfunden. Alle Informationen über die jüdischen Familien in Nottuln stammen aus der sehr lesenswerten Broschüre „300  Jahre Juden in Nottuln – eine Dokumentation“ von Hans Peter Boer. Leider ist diese Broschüre vergriffen, die Gemeinde Nottuln arbeitet jedoch zur Zeit an einer Neuauflage. Wir bedanken uns bei den Mitarbeitern der Stabsstelle Marketing und Archiv für die unbürokratische Hilfe bei der Recherche, denn uns wurde ein Entwurf der Neuauflage zur Verfügung gestellt.
Die didaktische Reduktion fiel uns bei diesem Listing sehr schwer. Was schreiben wir rein, was lassen wir weg? Zu schnell geht bei zu vielen Informationen der Blick auf das Wesentliche verloren. Wenn ihr noch Fragen habt oder mehr wissen möchtet, sei euch die oben genannte Broschüre empfohlen. Sobald sie wieder verfügbar ist, werden wir hier darauf hinweisen.
Aber nun begleitet die Kinder Lea und Levin auf ihrem Spaziergang mit ihrem Opa durch Nottuln!

Heute besuchen die elfjährige Lea und der fünfzehnjährige Levin ihren Opa in Nottuln. Opa ist wirklich schon recht alt, doch noch rüstig genug, um an diesem sonnigen Tag mit den Kindern zur Eisdiele zu spazieren. Sie haben wie immer viel Spaß miteinander, Opa hört gerne zu, wenn die beiden von ihren neuesten Erlebnissen erzählen. Jetzt aber möchte Lea wissen: „Opa, was hast du denn so gemacht, als du so alt warst wie wir?“ Opa wird nachdenklich und antwortet: „Als ich ungefähr so alt war wie ihr, wohnte ich weit weg von Nottuln. Es wütete der zweite Weltkrieg, der übrigens genau heute vor 70 Jahren endlich zu Ende war. Wir waren so froh, dass es vorbei war!“ Der Großvater schweigt kurz und fährt dann fort: „Wenn es euch interessiert, wie es den Menschen, und insbesondere den Juden zu dieser Zeit in Nottuln erging, kann ich euch gerne davon erzählen. Lasst uns das Eis bezahlen und dann ein paar Orte in Nottuln besuchen, die uns an die damalige Zeit erinnern können.“

Die drei spazieren als erstes zur Versöhnungskapelle an der Nottulner Stiftskirche, doch leider ist diese zur Zeit nicht geöffnet. Der Opa erzählt den Kindern: „Diese Kapelle hieß früher Kriegergedächtniskapelle, doch mittlerweile ist sie zu einem zeitgemäßen Ort des Gedenkens und der Mahnung zu Versöhnung und Frieden umgebaut worden. In der Kapelle liegt die Kopie eines Gedenkbuches aus, auf dessen linken Buchseiten die Kriegstoten der Kriege 1813 bis 1918 und auf der rechten Buchseite die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges dargestellt werden. Eine Gedenktafel für die Vermissten des Zweiten Weltkrieges hängt auch in der Kapelle. Wichtig ist, dass hier im heutigen Gedenken die Opfer des Holocaust, die Opfer der NS-Verfolgung und aller Kriegsopfer, dazu zählen auch hingerichtete Deserteure, eingeschlossen sind. Eine Tafel zum Gedenken an die jüdischen Holocaustopfer und die Opfer der NS-Verfolgung symbolisiert dieses Gedenken. Habt ihr noch Fragen, Kinder?“
„Ja“, sagt Lea, „was sind Deserteure? Das Wort habe ich noch nie gehört.“ Das kann der große Bruder schon beantworten: „Deserteure sind Soldaten, die den Mut hatten, ihren Kriegsdienst zu verweigern. Auch sie wurden verfolgt.“ An den Großvater gewandt fragt er: „Gab es in Nottuln auch Juden, die deportiert wurden?“

„Lasst uns ein paar Meter weiter zu einer Gedenktafel spazieren,“ antwortet der Opa und erzählt unterwegs: „In Nottuln haben seit vielen Hundert Jahren jüdische Familien gelebt, eine der ersten offiziellen Quellen stammt aus dem Jahr 1676, als sich eine jüdische Familie hier in der Kirche taufen ließ. Die Taufe war ein eher unfreiwilliger Ausweg für Juden aus einer Lebenssituation, die durch Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung gekennzeichnet war. In den folgenden Jahrhunderten unterschied sich das Leben der Juden in Nottuln nur wenig von den Geschehnissen in anderen Orten: Ansiedlung, Aufblühen, Bedrückung und Untergang - Zur Zeit des Nationalsozialismus wohnten nur noch wenige jüdische Familien hier.“ Nun sind sie an der Gedenktafel angelangt. Hier sind die Namen der in Nottuln geborenen und dann im Holocaust ermordeten Juden zu lesen. Keiner der hier Genannten hat bis zur Deportation in Nottuln gelebt. Lea liest alle Namen. Da auch sie schon gelernt hat, wann die Judenvernichtung unter den Nationalsozialisten stattfand, wird ihr klar, dass auch ein Kind unter den Ermordeten war. Traurig fragt sie: „Opa, was war mit den Kindern?“

Der Großvater nimmt Lea an die Hand und schlägt mit den Kindern den Weg zum ehemaligen Wohnhaus der Familien Gerson und Lippers ein, nur diese beiden jüdischen Familien wohnten noch zur Zeit der Progrome in Nottuln. Heute erinnern Stolpersteine an die Vergangenheit dieser beiden Familien. Opa erzählt: „Auch die Kinder wurden nicht verschont. In der Progromnacht im November 1938 war Ursula Gerson gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Sie spielte vor den Schaufenstern des Elternhauses, als Männer mit und ohne Parteiuniformen die beiden großen Scheiben einschlugen. Das Kind blieb im Splitterregen hocken. Einer der eifrigsten Täter war ein Lehrer, der sich nicht um das Kind kümmerte, sondern sich bemühte, die oberhalb der Tür angebrachte Scheibe mit dem Namen der Familie Lippers zu zerschlagen. Die Wirkung des Progroms auf die jüdischen Familien war wie eine Versteinerung. Es konnte nie wieder zu einem halbwegs mitmenschlichen Klima kommen. Nach den Novemberprogromen wurde die Lage der Juden weiter verschärft. Am 27. Januar 1939 meldete sich der größte Teil der Familie Lippers nach Holland ab. Julia Gerson und ihre Tochter Ursula, sowie Erich Stehberg blieben noch in Nottuln. Die junge Mutter und ihr Kind waren offensichtlich als Geiseln festgehalten worden, da man hoffte, den verfolgten Ernst Gerson noch zu fangen. Dieser aber war auf Schleichwegen nach Holland gelangt. Am 1. Juni 1939 konnte sich auch Julia Gerson mit ihrer Tochter nach Zwolle abmelden. Erich Stehberg blieb noch bis zum Herbst 1940 in Nottuln, wo er als Landarbeiter arbeitete, bis er nach Hamburg interniert wurde. In Holland gerieten die letzten Nottulner Juden der Familien Lippers und Gerson dann 1940 in die Fänge des NS-Regimes.“
Die Kinder schweigen und sind traurig. Das merkt der Opa und zeigt ihnen die Stolpersteine am Boden. Er erklärt, dass heute alle Menschen mit diesen Steinen an das Unrecht der damaligen Zeit erinnert werden sollen. Die Menschen sollen mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpern! „Es ist wichtig, dass das nie vergessen wird. Und es ist auch wichtig, dass Versöhnung stattfinden kann. Kommt mit, ich zeige euch eine Stelle in Nottuln, die uns zeigt, dass Versöhnung möglich ist.“

Gemeinsam gehen sie weiter in Richtung Friedensbaum. Auf dem Weg erklärt der Großvater den Kindern: „Nicht nur die Juden litten unter dem NS-Regime, sondern auch die Menschen, die zur Zwangsarbeit in den Fabriken genötigt wurden. Durch Kriegsgefangene allein konnte der durch Einberufungen zur Wehrmacht verursachte Mangel an deutschen Arbeitern nicht aufgefangen werden. Ohne Rechte und durch falsche Versprechungen getäuscht, arbeiteten auch in Nottuln bei der Firma Rhode Zwangsarbeiter verschiedener Herkunft.“ Die Drei kommen vor einer weiteren Gedenktafel zum Stehen. Die Kinder lesen das Geschriebene aufmerksam durch und sind froh, dass es heute möglich ist, sich wieder einander anzunähern.

Der Großvater schaut in die Gesichter der Kinder und ist sicher, dass dies nun genug Informationen für die beiden sind. Levin jedoch hat noch eine letzte Frage: „Gibt es in Nottuln nicht auch einen jüdischen Friedhof? Den würde ich gerne noch sehen!“ Opa denkt kurz nach und antwortet dann: „Den gibt es, und zwar auf dem Uphovener Weg, hinter der Hausnummer 17. In der Nazi-Zeit wurde der Versuch unternommen, ihn zu zerstören. Alte Denkmäler wurden zerschlagen und dann abgeräumt. Nach dem Krieg wurden drei besonders belastete Bürger Nottulns zwangsverpflichtet, das Gelände wieder herzurichten.
Heute ist dies ein besonderer Ort der Ruhe, der außerdem abgeschlossen ist. Deswegen habe ich mich entschieden, euch nicht dorthin zu führen. Wenn ihr euch aber wirklich so sehr dafür interessiert, könnt ihr ihn gerne irgendwann aufsuchen und einen Blick durch das Tor auf die mit Kieselsteinen belegten Grabsteine werfen.“

Die Kinder blicken sich wissend an. Beiden ist bekannt, warum die Menschen auf jüdische Gräber einen Stein ablegen: Mit diesem schönen Brauch kann man dem verstorbenen Menschen nachträglich jederzeit ein kleines Denkmal setzen!

Additional Hints (Decrypt)

Fgrva hagre Genhreohpur

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)