Helga, der Wein und die Berge
Meine Logbuchverwalterin Helga möchte Euch nachfolgend etwas über ihre alte und neue Heimat erzählen:
Der Rüdesheimer Platz sowie die angrenzenden Straßen gehören zum Rheingau-Viertel im Bezirk Wilmersdorf, wo die Straßen und Plätze überwiegend nach Städten und Orten im und um den Rheingau (eines von 13 Anbaugebieten, das nach § 3 des Weingesetzes die geschützte Ursprungsbezeichnung „Qualitätswein“ tragen darf; kurz: Weinanbaugebiet in Hessen) benannt sind. Eine dieser Straßen ist die Markobrunner Straße, in der auch Helga's Haus wohnt.
Die Markobrunner Str. ist nur 258 Meter lang, verläuft zwischen der Ahrweiler und der Laubenheimer Straße und umfasst auf diesem kurzen Stück die Hausnummern 1-24. Benannt ist die Straße seit 1909 nach dem Markobrunnen, einem Brunnen bzw. einer Weinlage (Weinanbaufläche) im Rheingau. Die Lage ist seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt und ist damit eine der ältesten benannten Weinlagen des Klosters Eberbach.

Die 6,7 Hektar umfassende Rheingauer Weinlage „Erbacher Marcobrunn“ liegt zwischen Hattenheim und Erbach. Sie befindet sich in ca. 90 bis 100 Meter Seehöhe mit einer Exposition direkt nach Süden zum Rhein hin, bestehend aus Tiefgründigem, kalkhaltigen und tonigen Mergel, wodurch hier eine ausgezeichnete Wasserversorgung speziell in heißen und trockenen Jahren gegeben ist. Hier wird ausschließlich Riesling, der berühmte „Marcobrunner“, kultiviert.
Der „Erbacher Marcobrunn“ zählt neben dem „Hattenheimer Wisselbrunnen“ und dem „Hattenheimer Nussbrunnen“ zu den drei berühmten Brunnenlagen im oberen Rheingau und damit zu den berühmtesten Weinbergen in Deutschland. Die Lage bringt regelmäßig hochwertige Prädikatsweine hervor, die als Raritäten bei Spitzenweinversteigerungen Höchstpreise erzielen.
Nicht nur der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) machten den Weinberg mit seinen enthusiastischen Elogen unsterblich. Exemplarisch sei hier die prosaische Liebeserklärung des Schriftstellers Theodor Fontane (1819-1898) aus einem Brief an Theodor Storm vom 17. April 1854 zitiert:
„Es ist wunderbar in wie nahen Beziehungen Menschenglück und Putenbraten zueinander stehen und welche Püffe das Herz verträgt, wenn man jeden Schlag mit einer Flasche Marcobrunner parieren kann.“
Der Name geht auf das 13. Jahrhundert zurück und erinnert an die Gemarkungsgrenze zwischen Erbach und Hattenheim. Er leitet sich vermutlich vom alt- bzw. mittelhochdeutschen Wort marka bzw. marke für Grenze ab. Darüber entstand im Jahre 1810 ein kurioser Grenzstreit zwischen den zwei Gemeinden. Die Gemeinde Erbach ließ nämlich auf ihrer Seite des Brunnens folgende Inschrift in Stein einmeißeln: "Marcobrunnen Gemarkung Erbach". Die Hattenheimer schrieben als Reaktion darauf auf ihrer Seite des Brunnens: "So ist es richtig, so soll es sein. Für Erbach das Wasser, für Hattenheim den Wein".

Die Marcobrunner Rieslinge sind durch den tiefgründigen Boden und die Nähe der Lage zum Rhein deutlich kraftvoller als die weiter oben am Berg gewachsenen Weine. Die klassische Rheingauer Tugend, der Verbindung von Saftigkeit und Finesse, lässt sich hier sehr gut erschmecken. In großen Jahren überwältigt der Marcobrunner Wein geradezu durch seine barocke Opulenz.
Und nun: Prost! Viel Erfolg beim Cachen.
Bitte seid möglichst unauffällig, denn Helga hat ihr Haus in einem Muggel-Wohngebiet geparkt und geht behutsam mit der kleinen Logbuchverwalterin um. Loggt bitte auch keine Spoilerfotos und bringt einen Stift mit!
Quellen: Wikipedia, www.rheingau.de
+++++ UPDATE Juni 2015 +++++
Da Helga abhanden gekommen ist (ob durch einen begeisterten Fan, einen unwissenden Nachbarn oder einen spielwütigen Hund bleibt wohl für immer unklar), ist die kleine Schwester von Helga (--> Helena) zusammen mit einer normalen Dose eingesprungen. Das neue (und größere), etwas farbenfrohere Haus findet ihr jetzt ein bisschen woanders, dafür geschützter und immer noch in der Nähe des Rüdesheimer Weinbrunnens
Viel Spaß beim Finden!