Neugierige können den Fürstenzug in Wettin finden - Hallesche Straße 8. Das Bild ist auf einen speziellen Kunststoff aufgebracht, der wetterfest ist. Im Original in Dresden besteht der Fürstenzug aus 25 000 Porzellan-Fliesen. In dieser Version gilt es als das weltweit größte Porzellanbild. (MZ-Foto: Günter Bauer)
Von Ralf Böhme
Wer den weltberühmten Dresdener Fürstenzug sehen will, muss dazu nicht mehr nach Dresden fahren. Die Möglichkeit, dieses Wandbild zu besichtigen, gibt es jetzt auch in der Saalekreis-Stadt Wettin. Dabei erweist sich eine Sackgasse an der Halleschen Straße als das Gegenteil einer touristischen Sackgasse. Es ist ein wahrer Publikumsmagnet.
Wettin/MZ.
Zwar fällt die Wettiner Version kleiner aus als das Original, zu übersehen ist es mit 20 Metern Länge nicht. Detailgetreu zeigt die Abbildung - genau wie in Elbflorenz - 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige Sachsens sowie 59 Wissenschaftler, Künstler, Handwerker, Soldaten, Kinder und Bauern, weiterhin zahlreiche Pferde und zwei Windhunde.
Die Reihe der Regenten, die in Dresden seit 1876 alljährlich Hunderttausende Gäste anzieht, gilt mittlerweile auch an der Saale als Besuchermagnet. Namen, die gerade in Wettin als der Wiege des sächsischen Herrscherhauses, keine Unbekannten sind: Konrad der Große, Otto der Reiche, Albrecht der Stolze machen den Anfang. Es folgen erlauchte, bedrängte und sanftmütige Häupter. Nach August dem Starken kommen über einen Porphyrsockel noch acht Könige, zuletzt Johann, Albert und Georg.
Die Idee für den Fürstenzug in Wettin hatte der Fährmann der Stadt. Reinhard Zametschnik suchte lange auf seinem Grundstück nach einer originellen Möglichkeit, um die kahle Rückwand einer Garagen- und Werkstattreihe optisch aufzuwerten. Aber erst nach dem Besuch in der sächsischen Landeshauptstadt kam ihm ein spontaner Einfall. "Mir war einfach aufgefallen, dass das Original genau fünf Mal größer ist als meine Wand." So beauftragte Zametschnik einen Mann vom Fach, der das Original ablichtete. Eine Spezialfirma brachte das Filmergebnis auf einen speziellen Untergrund aus Kunststoff auf.
Bei der Installation half dann in ihrer Freizeit die gesamte Fährfamilie, vor allem Bruder Alfred. Nur wenige Wochen vergingen, bis das Projekt verwirklicht war und sich sofort zu einer Sehenswürdigkeit der mehr als 1000-jährigen Bergstadt mauserte.
Hausbesitzer Zametschnik: "Private Initiative hat öffentliche Wirkung. Was will ich mehr?" Anfangs besuchten vor allem Kindergartengruppen die Sehenswürdigkeit. Doch es sprach sich rasch herum. Nun kommen auch Schulklassen.