
Zur Geschichte:
Die Trümmerreste der Negerkirche mit ihrer ungewöhnlichen Form des Grundrisses, lassen sich nur noch erahnen. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wird sie in den Urkunden und Protokollen nicht mehr erwähnt. "In einsamer Hilflosigkeit ihrem Schicksale überlassen", diente sie später "sowohl Menschen als Tieren zu anderen als geistlichen Zwecken". Der von Fürstenbergsche Oberförster Padberg zu Astenberg ließ 1852 eine Grabung vornehmen, um die Steine für die Neuanlegung eines Wegs zu verwenden. In dieser Zeit müssen noch bis zu drei Meter hohe Wände gestanden haben. Zudem fanden sich "noch mancherlei Antiquitäten".
Der ehemalige Standort der Negerkirche ist heute mit einem Holzkreuz und einem Gedenkstein markiert.
Schau über die Straße hinweg nordwestlich ins Tal. Hier am Flusse Neger lagen die Gehöfte des kleinen Pfarrorts Neger (Neyere), der zu einer ganzen Reihe von Dörfern der zur Negerkirche zugehörigen Marken gehörte und im 15. Jahrhundert wüst fiel. Die vier Täler im heutigen Stadtbereich Winterbergs hatten bis ins 14./15. Jahrhundert eine beachtliche Siedlungsdichte. Historiker sehen als Gründe für das Verlassen der Siedlungen klimatische Veränderungen (kältere und längere Winter ab etwa 1300), heftige Fehden des Landadels, unter denen die bäuerliche Bevölkerung zu leiden hatte, und die Anziehungskraft der im 13. Jahrhundert gegründeten Städte an.Der Boden ist heute noch stark mit Mauerschutt von Faulschiefer gemischt. Bei späteren Ausgrabungen fand man Mauerreste und ein paar tönerne Gefäße.
Dr. J.S. Seibertz aus Arnsberg schrieb dazu 1866 in den "Blättern zur näheren Kunde Westfalens":
"So wie aber ihre weiter an der Neger herab wohnenden Nachbarn allmählich ihre Höfe verließen, um sich in dem gelegeneren Dorfe Siedlinghausen niederzulassen, so mochten jene in ihrer hohen Waldeinsamkeit sich allgemach etwas verlassen fühlen, und wenn Krieg, Brand oder andere ähnliche Unfälle ihnen dazu nähere Veranlassung boten, zogen sie es vor, sich ebenfalls in dem wohnlicheren Siedlinghausen niederzulassen, von wo aus sie natürlich mit den übrigen Dorfsbewohnern sich zur Pfarrkirche in Brunskappell hielten. Es ist begreiflich, wie auf solche Weise die Negerkirche allmählich zu einer Pfarrei ohne Pfarrgemeinde wurde, ohne dass es dazu besonderer Ereignisse bedurfte, die einer Aufzeichnung in der Geschichte werth gewesen; als woran es denn auch gänzlich mangelt."