| Unweit des Ortes Alraft im Werbetal finden sich Höhlen im Gestein. Aufgrund der Lage erscheint eine Auswaschung unwahrscheinlich. Auch eine Verkarstung wie etwa in der Nähe von Obernburg (Earthcache GC5NENB) kann ausgeschlossen werden. Wie ist es nun zur Ausbildung der sogenannten "Hollenkammer" gekommen? Dazu ist ein Blick in die jüngere Geschichte nötig.
Noch vor hundert Jahren gab es keine chemischen Putz- oder Scheuermittel. So verfielen die Menschen mit Aufkommen eines höheren Reinlichkeitsbedürfnisses seit dem 18. Jahrhundert darauf, Sand als Scheuer- und Reinigungsmittel einzusetzen. Oft gab es verschiedene Sandqualitäten mit verschiedenen Aufgaben: Von der Reinigung des Holzbodens (Stubensand) über das Säubern von Töpfen und Pfannen (Scheuersand) bis hin zum Ablöschen von Tinte, wofür nur sehr feiner Sand genommen wurde.
Gewonnen wurde der Sand in der Regel von sogenannten Sandmachern oder auch Sandmännern. Ein die Gesundheit schädigender Beruf, von den Ärmsten der Gesellschaft ausgeübt. Sie gewonnen den Sand an geeigneten Stellen, gelegentlich an der Oberfläche oder vorhandenen Aufschlüssen, aber auch in unterirdischem Abbau und verkauften ihn in den umliegenden Ortschaften.
Dem Owner ist eine Schilderung aus Siebenbürgen bekannt, wonach die Anwohner bei Keiszd selbst an einem Aufschluss den lose liegenden Sand bargen und ohne weiterte Behandlung (Reinigung, Siebung) als Stubensand verwendeten, dies noch in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Der heutige Ort Alraft liegt am Rand des ehemaligen Zechsteinmeeres. Im Oberperm, vor etwa 290 Millionen Jahren, überflutete ein Meeresarm das heutige Norddeutschland und überflutete die Landschaften der hessischen Senke bis hin nach Süddeutschland. Während der mehrfachen Überflutung bildeten sich Ablagerungen, die sich heute als Dolomitstein im Werber Tal und seinen Aufschlüssen zeigen.
Dolomitstein besteht zu mindestens 90 Prozent aus dem Mineral Dolomit. Er ist im Regelfall weiß, häufig aber auch gelb-gräulich getönt bis grüngrau. Dolomit bildete sich hier im Werbetal durch sekundäre Dolomitisierung von Kalkschlamm. Hierbei verbinden sich chemisch in einer Wechselreaktion magnesiumhaltige Lösungen (hier Meerwasser, Faulschlämme) mit Kalzit-Sedimenten, wobei diese Carbonate nicht vollständig verwendet werden, es bleibt bei entsprechenden Einlagerungen im Gestein.
In unserer Atmospäre befindet sich stets natürlich vorhandenes Kohlendioxid. Regenwasser reagiert mit dem CO2 zu schwacher Kohlensäure. Daher ist Regenwasser immer sauer und greift Gesteine an. Insbesondere bei Kalkgestein ist dies neben dem frostbedingten Zerfall der wesentliche angreifende Prozess. Kalkgesteine sind in reinem Wasser nur schwer löslich. Aber bereits bei Einwirkung einer schwachen Säure, wie sie die Kohlensäure darstellt, erfolgt die Lösung des Kalkes respektive des aufbauenden Minerals Calcit.
Dolomit hingegen ist gegenüber kohlensäurehaltigem Wasser sehr stabil. Dennoch werden die bei der Bildung eingelagerten, geringen Bestandteile an Carbonaten chemisch gelöst. Auch Tone werden bei Oberflächengestein herausgespült. Schließlich können größere Mengen an Wasser eindringen und Frost sprengt das Gestein auf. Dolomitsande entstanden.
Er konnte dann mit relativ einfachen Mitteln abgebaut werden. Das schmale Werbetal bot auch damals schon eine gute Zuwegung sowohl nach Alraft als auch zum nahen Ober-Werbe. Das Alrafter Waschsand jedoch nach Ober-Werbe oder weiter transportiert wurde, läßt sich nicht belegen.
In wohl den meisten Orten fortschrittlicher Länder wurde Stubensand mit dem Aufkommen von Seifen ab den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts überflüssig und der harte Beruf des Sandmanns gehörte schnell der Vergangenheit an. Dennoch überlebt der Begriff bis heute: Als das den Kindern abends Sand in die Augen streuende Sandmännchen.
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Abbaugebiet des Stubensandes

Das Werbetal

Der Aufschluss aus der Vogelperspektive

Ein Sandverkäufer im 19. Jahrhundert
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- Betrachte die Gesteinswand mit der größeren Höhlung. Vermute, ob Stubensand auch in den oberen Schichten gewonnen wurde. Begründe Deine Vermutung.
- Untersuche die Struktur des Gesteins in der Höhlung (Korngröße, Einlagerungen, Kantigkeit). Beschreibe Struktur und Aussehen des Minerals.
- Ließe sich Deiner Meinung nach hier weiterer Stubensand gewinnen oder ist das Vorkommen erschöpft
- Ein Foto mit Dir oder Deinem GPS vor der Höhlung oder im Werbetal (Siehe geänderte Regeln hier).
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