Gertrud Mahnke
wurde 1907 in Berlin geboren. Durch ihr Elternhaus war sie früh mit der Gewerkschaftsarbeit verbunden und vertraut.
Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Verheiratet folgte sie ihrem Mann nach Wolfsburg. In Wolfsburg wurde die sie ab 1943 im Flugbetrieb des Volkswagenwerkes in Braunschweig eingesetzt. Diese Arbeit war für Frauen ohne Kinder Pflicht.
Nach dem Krieg kam sie auf Grund ihrer guten Englischkenntnisse in die englische Abteilung von VW. Kurz danach folgte die Beauftragung Gewerkschaftsarbeit in Wolfsburg aufzubauen.
Gertrud Mahnkes Hauptanliegen war die selbstverständliche Berufsausbildung für alle Frauen. Als Referentin war sie zu den Themen Arbeits-, Unfall- und Mutterschutz unterwegs. Sie wollte, dass Frauen sich in der Arbeitswelt einmischen und öffentlich gehört werden, dass sie sich für Tariflöhne und gerechte Bezahlung einsetzen.
Die Themen waren modern und geprägt vom Gedanken der Gleichstellung von Frau und Mann im gesellschaftlichen und im Arbeitsleben.
Blick zurück:
Was heute für Mädchen und junge Frauen selbstverständlich ist (ein Schulabschluss, eine Ausbildung oder ein Studium), das war für junge Frauen in den 50 er Jahren gar nicht normal.Höhere Schulen, also Realschule (Mittelschule) und Gymnasium, kosteten Geld. Das konnte sich nicht jede Familie für alle Kinder leisten. So kamen hauptsächlich Jungen in den Genuss höherer Bildung.
Und dann hieß es früher auch: „Das Mädel heiratet sowieso. Da braucht sie das nicht!“
Für Mädchen war das gesellschaftlich erstrebenswerte Ziel, einen "anständigen" Mann zu heiraten und Familie zu gründen. Alles, was man für das Leben als Ehefrau, Mutter und Hausfrau wissen musste, wurde Mädchen daheim und in der Schule beigebracht: Haushaltsführung, kochen, nähen, gesunde Ernährung, Baby- und Kinderpflege und der Umgang mit dem Ehemann, der der Dreh- und Angelpunkt im Leben der Frau sein sollte.
Einer Erwerbsarbeit nachzugehen, war für Frauen nicht vorgesehen. Das musste eine unverheiratete Frau tun - schlechter bezahlt und teilweise auch diskriminiert durch den negativen Status als alleinlebende Frau. Eine Ausnahme stellte die Nachkriegszeit dar, als viele Männer fehlten und die Not Frauen zur Arbeit zwang. Doch das sollte nur eine „Notlösung sein, die Frau sollte „zurück an den Herd“ und „ihre naturgegebenen Aufgaben als Frau erfüllen“.
Dazu findest Du Bilder und Filmmaterial unter: www.wirtschaftswundermuseum.de/frauenbild-50er-1.html .
Frauen und Männer sind seit Juni 1957 gleichberechtigt. Doch vom Papier zur Umsetzung in allen Bereichen ist es ein langer Weg. Noch heute haben Frauen in vielen Bereichen Nachteile und müssen um ihre Gleichstellung kämpfen.
Wenn Du heute einen Beruf erlernst oder ein Studium absolvierst, kannst Du Dich frei entscheiden und Deinen Neigungen und Interessen nachgehen. Wenn es um Familie geht, um Kinder und Haushalt, hast Du selbstverständlich die gleichen Rechte wie Dein Partner. Viele Arbeitgeber bieten Eltern gute Arbeitszeitmodelle an, damit beide Familie und Beruf unter einen Hut bekommen.