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Oberharzer Geschichte(n): Hexen Hexen? Mystery Cache

This cache has been archived.

SigmaAlphaPi: Aufgrund der doch relativ niedrigen Fundfrequenz über die Jahre habe ich mich jetzt gerade dafür entschieden, diese Dose nicht wieder online zu stellen.

Danke an alle Sucher und natürlich an die Finder.

Bleibt gesund. Bis bald im Wald.
Sven

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Hidden : 2/29/2016
Difficulty:
2.5 out of 5
Terrain:
2 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:

Heute im gesamten Harz allgegenwärtig und eines der liebsten Reisemitbringsel, waren die Hexen (oder eher die Furcht vor ihnen) in der Vergangenheit auch hier im Oberharz durchaus ein Thema.


Zitat aus 1: »Im Mittelalter, und ganz besonders auch noch im 17. Jahrhundert, stand der Glaube an Zauberei und Hexenwesen in großer Blüte. Man hielt manche Frauen und Mädchen für Zauberinnen, die kraft eines mit dem Teufel geschlossenen Bundes durch böse Künste Menschen und Tieren allerlei Schaden zufügen könnten. Diesen “Hexen” wurde auch die Teilnahme an dem “Hexensabbat”, der nach dem damaligen Volksglauben unter Vorsitz des Satans alljährlich in der Nacht zum 1. Mai (Walpurgisnacht) auf dem Brocken abgehalten wurde, vorgeworfen.«

Die Recherchen zu dieser Geschichte waren nicht ganz so einfach. Das Internet gibt verständlicherweise bei den Suchbegriffen “Harz” und “Hexe” eher suboptimale Ergebnisse. Im Stadtarchiv gibt es auch keine Gerichtsakten, aber dennoch bekam ich von dort den Hinweis auf zwei Quellen über einen Hexenprozess in Wildemann im Jahr 1661. Diese basieren auf alten Gerichtsakten aus dem Wolfenbütteler Staatsarchiv.

Die Geschichte

Die oben angesprochenen Gerichtsakten offenbaren, dass Zitat aus 1: »… auch einige Wildemanner Frauen im Jahre 1661 unter der seelischen Seuche der Hexenverfolgung zu leiden …« hatten.

Eine gewisse Liese Kraus hatte ein Kind geboren und bekam Besuch von ihren Gevatterinnen (= Patinnen), sowie Nachbarinnen, die ihr warmes Essen oder etwas zur Stärkung und eine Kleinigkeit für das Neugeborene mitbrachten.
Zitat aus 2: »Doch dann blieb der jungen Mutter plötzlich die Milch aus und sie bezichtigte deswegen Anna Müller der Zauberei. Sie habe ihr bei dem Besuch an die Brüste gegriffen und durch Zauberkraft das Wegbleiben der Milch verursacht.«

Auf die Tat angesprochen bestritt Anna Müller dies, beschuldigte ihrerseits aber eine andere Frau, die alte Ursula. Beide Frauen wurden verhaftet und eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet. Mehrere Zeugen können von beiden Angeklagten allerhand Verdächtiges berichten. Zitat aus 2: »So soll die Ursel bei mehreren Frauen abergläubische Kuren durchgeführt haben …« Zitat aus 1: »… indem sie durch das Ohr einer Schere geschmolzenes Blei ins Wasser goß, nachdem sie vorher einen “Zaubersegen” gesprochen habe und die Schere den betreffenden Frauen auf den Kopf legte. Das flüssige Blei habe dabei im Wasser nicht gezischt, sondern gequiekt, wie ein kleines Ferkel.«
Anna Müller wurde weiterhin von Liese Kraus beschuldigt. Zitat aus 1: »Andere Frauen berichten, daß die Müller vor einigen Jahren zur Ermittelung eines Kohldiebes die leeren Kohlstrünke in den Schornstein gehängt habe, und dadurch sei Töffel Trümper krank geworden und bald darauf gestorben.«

Bei nochmaligen Verhören geben beide Frauen die “Taten” teilweise zu: Müller gesteht den Besuch bei Kraus, widerspricht aber dem Vorwurf, die Milch genommen zu haben. Gleichfalls verneint sie das Aufhängen der Kohlstrünke. Die alte Ursula gibt das Bleigießen zu, auch dabei einen “Segen” gesprochen zu haben, verneint aber die Zauberei. Zudem sei das Zischen des Bleis ganz normal gewesen.
Zitat aus 1: »Nach Einsicht der Akten verfügte Herzog August zu Wolfenbüttel, daß … die Ursula … wegen abergläubischen Segnens und Abtreibung … durch Bleigießen des Landes verwiesen werde. Bei der Anna Müller soll dagegen durch “scharfe peinliche Frage” (Folterung) festgestellt werden, ob sie mit ihrer Hexerei nicht noch mehr Böses gestiftet habe …«
In gleicher Verfügung wurden die Frauen, die Ursula konsultiert hatten, nach vorangegangener Kirchenbuße für 14 Tage eingesperrt.

Zur Wahrheitsfindung in der Sache Anna Müller werden nochmals die Zeugen vernommen. Dieses Mal unter Eid. Da die Müller aber noch immer ihre Unschuld beteuert, kommt es zur vom Herzog befohlenen Folterung. Unter Schmerzen will sie sich “bekennen”. Sie gibt zu, eine Zauberin zu sein, den Tod Trümpers durch das Aufhängen der Kohlstrünke herbeigeführt zu haben und vom Teufel angeleitet worden zu sein, Liese Kraus die Milch zu nehmen. Weiterhin sei sie zusammen mit der alten Ursula in der Walpurgisnacht mit einem Besen auf den Brocken geflogen und habe dort mit anderen Hexen und dem Teufel gefeiert. Daraufhin wird das Foltern ausgesetzt. Einige Tage später folgt aber ein Wideruf des Geständnisses und die Prozedur beginnt von Neuem und endet unter Schmerzen wieder bei einem Geständnis eines Bundes mit dem Teufel. Da dieses aber als ungenügend angesehen wird, wird Anna Müller Zitat aus 2: »… geschnürt und zweimal gemächlich an der Leiter aufgewunden …«. Danach beschuldigt sie unter anderem weitere Wildemanner Frauen, Hexen zu sein. Weiterhin sei sie jedes Jahr zu Walpurgis auf dem Brocken gewesen und habe am Hexensabbat teilgenommen. Nach dem Tanzen habe sie mit dem Teufel Unzucht getrieben. Zitat aus 1: »Sie bekennt … auch, daß sie an dem vielen Viehsterben in Wildemann schuldig sei, doch habe sie keinem Menschen, außer Toffel Trümper, ein Leid zugefügt.«
Aber auch dies genügte noch nicht und so wird die Folter fortgeführt, bis die Namen derer, denen Anna Müller Schaden zugefügt haben will, einen ganzen Bogen Papier füllen würden.

Durch Nachfragen wird herausgefunden, dass Krankheiten gar nicht stattgefunden hatten. Auch ein Viehsterben hatte es nie gegeben. Dennoch wird sie weiterhin als Hexe angesehen und vom Herzog wird verfügt, Zitat aus 1: »… man solle mit der Angeklagten verfahren, wie es einer Hexe zukommt …«. Mit der alten Ursula sollte man inzwischen die “Wasserprobe” durchführen. Zitat aus 1: »Dabei wurde die Angeschuldigte an das Ufer eines Flusses oder Teiches geführt, nackt ausgezogen und mit über dem Leibe kreuzweis zusammengebundenen Händen und Füßen an einem Seile ins Wasser geworfen. Ging sie unter, so war das ein Beweis gegen, blieb sie auf dem Wasser schwimmen, ein Beweis für die Anklage.«

Der Prozeß gegen die Müller nahm jedoch ein unvorhergesehenes Ende. Anfang Oktober 1661 berichtet der Oberbergrat nach Wolfenbüttel, dass die Angeklagte, nachdem sie zwei Tage nichts gegessen hatte und Schwellungen an Armen und Beinen (höchstwahrscheinlich Folgen der Folterung) zugenommen hatten, verstorben sei. Der Herzog verfügte, dass der Leichnahm, wie bei Hexen üblich, verbrannt werden und die alte Ursula des Landes verwiesen werden sollte.

Der Cache

Ja, ich weiß. Hier ist wieder viel Geschriebenes und niemand weiß, ob man diese ganzen Informationen jetzt braucht, um die Dose zu finden. Du kannst ja mal ein wenig zaubern oder hexen versuchen. Oder lieber entzaubern und enthexen. (Gibt’s das Wort überhaupt?)

Da kann ich Dir aber auch nicht helfen. Auf alle Fälle liegt die Dose bei:
N51° 48.HEX
E010° 16.HEX

Dem Teufel will die Anna Müller damals übrigens im Wald zwischen Wildemann und Bad Grund begegnet sein.

Lass Dich nicht vom Teufel ärgern! Viel Spaß und Happy Hunting wünscht
ΣΑΠ

P.S. Und was meinst Du? Hexen hexen?

Quellen:

1. “Ein Wildemanner Hexenprozeß aus dem Jahre 1661”, Carl Grote in Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1950
2. “Hexenverfolgungen in Wildemann anno 1661”, Wilhelm Kalthammer in Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1983


Die “Oberharzer Geschichte(n)” sind eine Cachereihe, die von SigmaAlphaPi ins Leben gerufen, inzwischen aber auch von anderen Cachern aufgegriffen wurde. Es sind Caches mit lokalem Bezug zu Geschichtlichem und zu Wissenswertem à la ‘Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss, damit aber blendend angeben kann’. In den überwiegenden Fällen sind (oder waren) es Mystery-Caches, bei denen sich mit der Geschichte hinter dem Cache beschäftigt werden muss. Einige dieser Mysterys leben als neuer Tradi weiter - mehr Oberharzer Geschichte(n)

Additional Hints (Decrypt)

[IN] Ovov jüeqr'f jvffra [OUT] qre, trenqr nhf

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)