Mit diesem einfachen Tradi möchte ich euch das Heizkraftwerk vorstellen. Von hier aus wird Halle mit Strom und Fernwärme versorgt.
Seit 1972 kommen Strom und Wärme aus der Dieselstraße. Erbaut wurde das Kraftwerk zur Versorgung der großen halleschen Neubaugebiete im Süden sowie der Wohn- und Industrieflächen im Osten der Stadt. Die Heißdampfleitung nach Halle-Ost wurde schon in den 90er Jahren außer Betrieb genommen und später rückgebaut.
Das Heizkraftwerk ist ein kombiniertes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, bestehend aus zwei baugleichen Blöcken, mit jeweils einer 30 Megawatt Gasturbine, einem Abhitzekessel mit Zusatzfeuerung, der 106 Tonnen Dampf pro Stunde liefert, und einem 18 Megawatt Dampfturbosatz. Die Fernwärme wird dabei ausschließlich in Form von Heizwasser abgegeben.
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist eine effiziente Energieerzeugung, dadurch erreicht das Kraftwerk einen sehr guten Brennstoffnutzungsgrad von 85 Prozent.
Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung im Gas- und Dampfturbinenprozess ist ganz einfach: In der ersten Stufe treibt eine Gasturbine einen Generator (vergleichbar mit einem Fahrrad-Dynamo) an und stellt dadurch elektrischen Strom zur Verfügung. Die Gasturbine arbeitet mit Temperaturen bis zu 1.120 °C, sie nutzt die Wärmeenergie aber nur bis 520 °C aus.
Mit den 520 °C heißen Abgasen der Gasturbine wird in einem Dampfkessel Hochdruckdampf bereitgestellt, der in der 2. Stufe in einer Dampfturbine erneut Strom produziert.
Am Ende wird aus dem heißen Dampf, der die Dampfturbine verläßt, die Fernwärme erzeugt. Pro Kessel können 10 Megawatt Fernwärme produziert werden. In Wärmetauschern kondensiert der Dampf. Das heißt, er gibt seine Wärme an Wasser ab. Dieses Wasser mit einer Temperatur bis zu 130 °C wird benötigt, um die Fernwärmesysteme in Halle zu betreiben. Es wird vom Heizkraftwerk über ein wärmeisoliertes Rohrleitungsnetz (im so genannten Vorlauf) zu den Wärmetauschern in die Übergabestellen der Wohnhäuser und Werkhallen geleitet und kommt über ein zweites isoliertes Rohrsystem (Rücklauf) mit ca. 50 bis 70 °C zurück.
Dieses Wasser aus dem Rücklauf wird wieder erwärmt und dem Vorlauf zugeführt. Etwa die Hälfte der halleschen Wohnungen werden auf diese Weise beheizt.
Im Heizkraftwerk Dieselstraße wird Elektroenergie mit einer Spannung von 10 Kilovolt produziert. Doch im Haushalt ist diese Spannung nicht zu verwenden. Das Umspannwerk Dieselstraße wandelt die 10 Kilovolt zum einen in 110 Kilovolt um, die in das übergelagerte Hochspannungsnetz eingespeist werden. Danach werden die 110 Kilovolt auch auf 15 bzw. 20 Kilovolt transformiert und in das Mittelspannungsnetz der Stadt Halle
eingespeist. Vor Ort, in den Trafostationen der einzelnen Wohngebiete, entstehen dann jene 230/400 Volt, die überall in den Haushalten und Unternehmen benötigt werden.
Steckbrief:
Baubeginn: 22. April 2004
Inbetriebnahme 2. Block: 26. August 2005
Brennstoff: Erdgas
Feuerungswärmeleistung Gasturbine: 82 Megawatt
Feuerungswärmeleistung Zusatzfeuerung Abhitzekessel: 55 Megawatt
Elektrische Bruttoleistung Gasturbine: 29 Megawatt
Elektrische Bruttoleistung Dampfturbine maximal: 18 Megawatt
Elektrischer Wirkungsgrad Gasturbine: 36,77 %
Elektrischer Wirkungsgrad Gasturbine + Dampfturbine: 44%
Thermische Leistung (Fernwärme) 34 Megawatt
Thermische Leistung (Fernwärme) mit Zusatzfeuerung 80 Megawatt
Quelle: EVH GmbH - Heizkraftwerk Dieselstraße - August 2005